„Wie man sich als Jude der AfD anschließen kann, da fehlen mir die Worte“

Der Publizist Günther Bernd Ginzel (picture alliance / dpa – Henning Kaiser)
Das Judentum ist für den Publizisten Günther Bernd Ginzel eine Religion der Tat. Solidarität mit Armen und Flüchtlingen sei zentral. „Da können wir uns einhaken bei Christen und Muslimen“, sagte Ginzel im DLF. Wie man sich als Jude der AfD anschließen könne, sei für ihn nicht nachvollziehbar und deprimierend. Er hoffe, dass es sich lediglich um Einzelfälle handele.

Andreas Main im Gespräch mit Günther Bernd Ginzel | Deutschlandfunk

Andreas Main: Die Flüchtlingskrise, Angst vor Islamisierung und zugleich die Angst vor dem Erstarken autoritärer rechter Parteien: Juden in Deutschland bewegen dieselben Themen wie Nicht-Juden in Deutschland. Aber in bestimmten Punkten gibt es womöglich Unterschiede. Wir fragen heute in dieser Sendung, wie die großen politisch-gesellschaftlichen Fragen in jüdischen Gemeinden debattiert werden – von der Migrationskrise bis bin zu Bernie Sanders. Der jüdische Blick – dazu ist Günther Bernd Ginzel ins Studio gekommen. Der Kölner Publizist arbeitet seit Jahrzehnten für diese Sendung, für „Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft“. Er ist an führender Stelle engagiert im jüdisch-christlichen Dialog. Er neigt eher zum Reformjudentum als zur Orthodoxie. Schön, dass Sie hier sind Herr Ginzel.

Günther Bernd Ginzel: Hallo, ja – gerne.

Main: Herr Ginzel, lassen Sie uns den Stier bei den Hörnern packen, beginnen wir mit dem Reizthema schlechthin: der Flüchtlingskrise. Juden und jüdische Gemeinden sind in diesem Punkt hin und her gerissen zwischen Flüchtlingshilfe und Angst vor importierten Antisemitismus, so viel ist klar. Wie ist aus Ihrer Sicht das Stimmungsbild zurzeit?

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Erdogan verbittet sich Kritik aus EU

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Recep Tayyip Erdogan will Kritik an seinem Land aus Europa nicht mehr hören. „Die EU braucht die Türkei mehr, als die Türkei die EU“, so der türkische Präsident. In der Flüchtlingskrise sei Europa schließlich auf ihn angewiesen.

stern.de

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält Kritik aus der EU an seiner Regierung angesichts der Bedeutung seines Landes in der Flüchtlingsfrage für unangemessen. Der jüngste Bericht des EU-Parlaments zu Demokratiedefiziten in der Türkei sei „provokativ“, sagte Erdogan am Dienstag bei einer Rede vor Lokalpolitikern in Ankara. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu warnte bei einem Besuch in Straßburg vor einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in Europa.

Erdogan verwies auf die Zusammenarbeit der Türkei mit der EU zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen in Europa: „Die Europäische Union braucht die Türkei mehr als die Türkei die Europäische Union braucht“, sagte er. In einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Ankara und Brüssel auf einem guten Weg seien, sei es „provokativ, einen solchen Bericht zu veröffentlichen“, sagte der türkische Präsident.

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Linke streiten über ihr Verhältnis zur Kirche

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Die Linke ist sich uneins über das Verhältnis von Kirche und Staat. Während ein Parteitagsantrag aus Sachsen auf eine Schwächung der Kirche zielt, wollen andere eine religionspolitische Kommission berufen.

Frankfurter Rundschau

Die Linken-Politikerin Christine Buchholz hat ihre Partei zur Kooperation mit den Kirchen aufgefordert. Angesichts rassistischer Übergriffe auf Flüchtlinge sei „ein starkes Bündnis für eine wache Zivilgesellschaft“ notwendig, sagte Buchholz dem Evangelischen Pressedienst und fügte hinzu: „Ich schätze den Einsatz der Kirchen und Religionsgemeinschaften für Flüchtlinge und gegen Rassismus sehr.“ Für den Bundesparteitag am 28. und 29. Mai in Magdeburg hat Buchholz einen Antrag eingereicht, in dem sie für eine Zusammenarbeit mit den Kirchen eintritt. Sie stellt sich damit gegen einen Parteitags-Antrag aus Sachsen, der auf eine Schwächung der Kirchen zielt.

Der Linken steht damit auf dem Parteitag in Magdeburg ein Streit über ihr Verhältnis zu den Kirchen bevor. Der Landesverband Sachsen fordert eine strikte Trennung von Staat und Kirche und einen religiös neutralen Staat. In ihrem Gegenantrag schlägt die religionspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Buchholz, vor, eine religionspolitische Kommission zu berufen, damit die Linke ihr Verhältnis zu den Religionsgemeinschaften klärt. Der Antrag wird unter anderem von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und dem Fraktionschef im Saarland, Oskar Lafontaine, unterstützt.

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Angriffstunnel in Gaza entdeckt

Bild: bilder.t-online.de
Bild: bilder.t-online.de
Offenbar bereitet sich die Hamas auf eine weitere Eskalation des Nahostkonflikts vor. Die Terrororganisation errichtet Tunnelbauten, die das Eindringen in israelisches Gebiet und dortige Geiselnahmen ermöglichen sollen

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Israel jüngste Helden sind Tiefbauspezialisten. Erstmals seit dem Gazakrieg vom Sommer 2014 wurden sie jetzt fündig. In 30 Metern Tiefe habe man kürzlich einen „Terrortunnel“ entdeckt, der vom Gazastreifen aus einige Dutzend Meter in israelische Gebiet führt, gaben die Streitkräfte am Montag bekannt. Der Schacht sei mit Beton ausgekleidet und breit genug, um einem ganzen Trupp palästinensischer Hamas-Kämpfer einen Überraschungsangriff zu ermöglichen. Die Schachtenden auf israelischer wie palästinensischer Seite wurden inzwischen zugeschüttet: eine Operation, bei der Armeebulldozer Ende der vorigen Woche in den südlichen Zipfel Gazas vorgedrungen waren.

Vermutet wird, dass der Tunnelbau Plänen diente, in Israel Geiseln zu nehmen und in den Gazastreifen zu verschleppen – so wie es der Hamas im Fall Gilat Schalit gelang. Der israelische Soldat war damals fünf Jahre lang in einem Versteck in Gaza gefangen gehalten worden.

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Im Seelenraum des Sozialen

Die Stimmung ist augenscheinlich erwartungsvoll. Aber wer kommt? (Bild: Richard Drew / AP)
Stimmungen steigen in uns auf und beherrschen uns. Der Soziologe Heinz Bude versucht in seinem neuen Buch zu zeigen, wie.

Von Uwe Justus Wenzel | Neue Zürcher Zeitung

Stimmungen herrschen – aber nicht so, wie Herrscher herrschen. Wenn in einer Abendgesellschaft, wie man zu sagen pflegt, eine ausgelassene Stimmung herrscht, sind alle, die zu der Gesellschaft gehören, unwiderstehlich zu Scherzen aufgelegt. Darin besteht die ausgelassene Stimmung, darüber hinaus ist sie – nichts. Stimmungen herrschen ungefähr so, wie es regnet: Wie es kein Subjekt namens Regen gibt, das da regnet, so auch keines namens Stimmung, das uns so oder so stimmt, fröhlich oder traurig macht. Stimmungen sind nur im Satz Subjekte: Sie kommen auf, sie steigen in mir auf, sie überkommen uns. Aber ich bin es, der von Trübsinn oder Heiterkeit erfüllt ist, dem es schwer oder leicht zumute ist. Zwar beherrscht diese oder jene Stimmung das Gemüt, und insofern herrscht sie auch über uns, doch herrscht sie nur über uns, weil sie in uns und durch uns herrscht.

Sein und Bewusstsein

Stimmungen – so hat Martin Heidegger sie einmal charakterisiert – sind wie Melodien: Sie geben den Ton an, sie stimmen und bestimmen «die Art und das Wie» des jeweiligen Daseins; sie zeigen, «wie einem ist und wird», in ihnen erschliesst sich – allem Denken, Wollen und Urteilen voraus – meine Befindlichkeit, mein so oder so «getöntes» In-der-Welt-Sein. Anders als Gefühle sind Stimmungen nicht auf etwas Bestimmtes bezogen oder gerichtet, sie haben keinen eigentlichen Gegenstand. Sie sind jedoch keine blossen Begleiterscheinungen, sondern selbst das Medium des Erscheinens der Welt; in ihnen erschliesst sich die jeweilige Lebenssituation im Ganzen – etwa so, wie ein Raum oder eine Landschaft ihre je eigene Atmosphäre haben können.

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Mit dem Taxi in die IS-Hochburg. Einfach nur zum Shoppen

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
In der Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat gibt es täglich Bombardements und Hinrichtungen. Trotzdem fahren noch immer Menschen dorthin. Zum Einkaufen. Bei Mohammed kostet die Tour fünf Euro.

Von Alfred Hackensberger | DIE WELT

Jedes Mal, wenn Mohammed frühmorgens in seinem alten, weißen Hyundai-Kleinbus losfährt, bekommt seine Frau Herzklopfen. Wird ihr Mann heil nach Hause zu ihr und den vier Kindern zurückkommen? Oder ist es vielleicht ein Abschied für immer? Am liebsten würde Zeina ihn zurückrufen. Aber Mohammed hat keine andere Wahl, sagt er. Die Schule, wo er Mathematik unterrichtete, wurde zerstört. „Ich muss unbedingt Geld für die Familie verdienen, und meine Frau hat Krebs. Die Behandlung ist kostspielig.“

Der 44-Jährige kniet auf dem mit Plastikmatten ausgelegten Wohnzimmerboden seines karg eingerichteten Häuschens und lächelt verkrampft. Die Verzweiflung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Heute ist er Taxifahrer. Das klingt nicht gefährlich. Aber Mohammed hat eine außergewöhnliche Route. Er steuert seinen koreanischen Minibus nach Rakka, in die syrische Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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Dodo Herman muss wegen Steuerhinterziehung vor Gericht

Eva_HermanIhre Finanznot ist schon länger bekannt. Nun muss Eva Herman offenbar wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Einem Medienbericht zufolge wurde Strafbefehl gegen sie erhoben.

stern.de

Die ehemalige „Tagesschau“-Moderatorin Eva Herman muss offenbar wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Demnach wird das Amtsgericht Hamburg-Mitte am Donnerstagvormittag verhandeln.

Dem Bericht zufolge wird Herman vorgeworfen, für 2010 keine Einkommenssteuererkläung und für das von ihr betriebene Medienbüro keine Umsatzsteuererklärung abgegeben zu haben.

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Sex: Beim „ersten Mal“ mischen die Gene mit

Wann wir das erste Mal Sex haben, wird auch ein wenig von unseren Genen mitbestimmt. © Shironosov/ thinkstock
Wann wir unser „erstes Mal“ erleben, hängt auch von unseren Genen ab – und nicht nur sozialen und kulturellen Umständen. Denn Forscher haben 38 Genvarianten in unserem Erbgut identifiziert, die einen frühen ersten Sex zumindest fördern könnten. Sie bestimmen wahrscheinlich mit, wie körperlich reif, risikofreudig und leicht erregbar wir sind. Der genetische Anteil könnte beim ersten Sex immerhin rund 28 Prozent ausmachen, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Genetics“ berichten.

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Sex ist ein tief in unserer Natur verwurzelter Trieb – und muss es auch sein. Schließlich wäre die Menschheit ohne die Lust am Sex längst ausgestorben. Aber wann ein junger Mann oder eine junge Frau das „erste Mal“ erlebt, ist sehr unterschiedlich und stark von den Umständen, dem sozialen Umfeld und der herrschenden Moral bestimmt. Studien zeigen, dass unter anderem soziale Benachteiligung, instabile Familienverhältnisse, wenig elterliche Fürsorge und das Fehlen religiösen Glaubens einen frühen ersten Sex fördern.

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Jüdische Gemeinde fordert Beobachtung der AfD

no-to-islamDie islamfeindlichen Äußerungen der AfD-Spitzenpolitiker beunruhigen auch Vertreter anderer Glaubensgemeinschaften in Deutschland. Die jüdische Gemeinde in Niedersachsen fordert eine Beobachtung der rechten Partei durch den Verfassungsschutz.

Frankfurter Rundschau

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, fordert eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Hintergrund sind Aussagen der stellvertretenden Parteivorsitzenden Beatrix von Storch und Alexander Gauland, wonach der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.
Auf NDR Info sagte Fürst am Dienstag, die AfD habe sich mit ihren Äußerungen als anti-demokratische Partei entlarvt. Er erinnerte daran, dass viele Deutsche nach 1945 gesagt hätten, sie hätten nicht gewusst, was die Nationalsozialisten gewollt hätten. Bei der AfD könne niemand mehr sagen, nichts über ihre wahre Ausrichtung gewusst zu haben. „Nein, man darf sie nicht mehr wählen!

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Von welcher religiösen Freiheit redet dieses Europa eigentlich ständig?

Muslime © Maks Karochkin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Das Kopftuch kommt ab, die Vorhaut bleibt dran! Der Erzieher verteilt das Schweinefleisch, die Lehrerin die Handschläge. Und wer nicht spurt, kommt auf die Titelseite. Da drängt sich doch eine Frage geradezu auf.

Von Fabian Köhler | MiGAZIN

In der Geschichte islamischer Eroberungen spielte das schweizerische Therwil eine bisher eher untergeordnete Rolle. Die Türken kamen einmal bis auf 700 Kilometer heran an das Dorf im Süden von Basel. Aber das ist nun auch schon über 300 Jahre her. Auch aus abendländischer Perspektive verbringen die 10.000 überwiegend christlichen Einwohner ein eher unbeachtetes Dasein. Selbst in der Schweiz dürften viele den Ort mit drei Straßenbahnhaltestellen und einer Postleitzahl nicht kennen. Allenfalls der schweizerische Rekordmeister „Therwil Flyers“ brachte es zu etwas überregionaler Bekanntheit. Aber wer interessiert sich im Abendland schon für Baseball?

Seit zwei Wochen ist nun alles anders. Quasi von einer Schulstunde zur nächsten wurde Therwil zum Schlachtfeld im Kulturkampf zwischen Okzident und Orient. Der Bruchlinienkonflikt, vor dem Samuel Huntington in seinem „Kampf der Kulturen“ so eindringlich warnte, verläuft nun genau durch ein Klassenzimmer der Therwiler Sekundärschule. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, verfolgt man die Reaktionen auf die Ereignisse um eine Lehrerin, zwei Schüler und drei sich nicht berührende Hände.

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Tödliche Prionen-Krankheit in Europa aufgetaucht

Der erste Fall der Prionenerkrankung CWD bei einem norwegischen Rentier löst Besorgnis aus © Alexandre Buisse/ CC-by-sa 3.0
Forscher sind alarmiert: Zum ersten Mal ist die tödliche Prionenkrankheit CWD auch in Europa aufgetreten. Ein wildes Rentier in Norwegen starb im März an der bisher nur aus Nordamerika bekannten Seuche. Dort ist es bisher nicht gelungen, die für Hirsche und Elche hochansteckende Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Tiermediziner fürchten daher, die Prionenkrankheit könnte sich nun auch unter Europas Rentieren und Hirschen ausbreiten.

scinexx

Spätestens seit der BSE-Epidemie bei Rindern oder Fällen der Creutzfeld-Jacob-Krankheit beim Menschen weiß man, dass fehlgefaltete Proteine, Prionen, tödliche Krankheiten verursachen können. In Nordamerika grassiert seit Jahren eine Prionenerkrankung unter wilden Hirschen. Diese sogenannte Chronic Wasting Disease (CWD) hat mindestens 20 Prozent der Hirsche befallen und wird durch durch den Kot von aasfressenden Krähen immer weiter verbreitet.

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So hebelt Merkel den Rechtsstaat aus

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Im Fall Böhmermann gelingt Merkel das Kunststück, einen Bruch des Rechtsstaatsprinzips mit eben diesem Prinzip zu rechtfertigen. Das entlarvt die politische Abhängigkeit, in die sich die Kanzlerin durch den Flüchtlingsdeal mit der Türkei begeben hat. Ein Gastbeitrag des Ex-Bundesrichters Wolfgang Nešković

Von Wolfgang Nešković | Cicero

„Im Rechtsstaat ist es nicht Sache der Regierung, sondern von Staatsanwaltschaften und Gerichten, das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und andere Belange gegen die Presse- und Kunstfreiheit abzuwägen.“ Mit dieser Begründung hat die Bundeskanzlerin der Öffentlichkeit ihre Entscheidung verkauft, die Ermächtigung zu erteilen, die für ein Strafverfahren nach Paragraph 103 Strafgesetzbuch gegen Jan Böhmermann erforderlich ist.

Merkels Botschaft: Der Rechtsstaat verbietet es, dass sich die Politik (sprich die Exekutive) in die Belange der Judikative einmischt. Das sei Gewaltenteilung. In Deutschland solle nicht die Regierung, sondern die Justiz „das letzte Wort“ haben.

Das klingt zunächst gut und überzeugend – ist es aber im vorliegenden Fall nicht.

Viele kluge Journalisten (auch solche, die zwei juristische Staatsexamen erfolgreich absolviert haben) sind der Kanzlerin auf den Leim gegangen und loben sie in ihren Kommentaren für diese Begründung. Offensichtlich haben sich die komplexen und bedeutungsschwer daher kommenden Begriffe wie „Rechtsstaat“, „Gewaltenteilung“ und „Unabhängigkeit der Justiz“ narkotisierend auf die Urteils- und Kritikfähigkeit dieser Autoren ausgewirkt.

Falsche Argumente

Elias Cannetti hat zur Wirkungsmächtigkeit falscher Argumente einmal zutreffend bemerkt: „Die Kraft falscher Argumente beruht auf ihrer extremen Falschheit.“

Warum ist nun die Begründung der Kanzlerin eine Mogelpackung und in mehrfacher Hinsicht widersprüchlich, unehrlich und mit der geltenden Rechts- und Verfassungslage nicht vereinbar?

Zunächst fällt auf, dass die Kanzlerin den Eindruck erweckt, dass erst durch die Erteilung der Verfolgungsermächtigung die Möglichkeit zur gerichtlichen Überprüfung der causa Böhmermann eröffnet werde.

Das ist evident falsch.

Allein durch den gestellten Strafantrag von Erdogan wegen der möglichen Beleidigungsdelikte ist eine Überprüfung durch Staatsanwaltschaften und Gerichte gewährleistet. Auch das Verlangen von Erdogan an Böhmermann, eine zivilrechtliche Unterlassungserklärung abzugeben, stellt sicher, dass letztlich ein Gericht über die Frage entscheidet, ob das Schmähgedicht rechtlich zulässig war oder nicht.

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Ayaan Hirsi Ali: Wie kann der Westen westlich bleiben

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Wenn Mitgefühl nicht in Abschottung umschlagen soll, muss die europäische Politik rasch umdenken. Sechs Forderungen zur Integration muslimischer Einwanderer in Europa: Ein Gastbeitrag.

Von Ayaan Hirsi Ali | Frankfurter Allgemeine

Freiheit oder Sicherheit? Nach zwei Terroranschlägen in Paris, die 2015 von insgesamt elf Männern verübt wurden, befindet sich Frankreich nun schon seit fünf Monaten im Ausnahmezustand. Konkret bedeutet das, dass die Freizügigkeit ebenso eingeschränkt werden kann wie die Versammlungsfreiheit sowie die Presse- und Meinungsfreiheit, dass Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss durchgeführt werden können und vieles mehr. Ganz offensichtlich haben sich die Franzosen für mehr Sicherheit und weniger Freiheit entschieden.

Die Terrorangriffe von Brüssel könnten die Belgier und vielleicht auch andere europäische Staaten dazu bringen, das empfindliche Verhältnis von Freiheit und Sicherheit zu überdenken. Wie immer sie sich entscheiden: Es wird auch künftig Anschläge geben, und jedesmal werden die Grundrechte weiter eingeschränkt werden, ohne dass dadurch ein Gefühl größerer Sicherheit entstünde.

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NSU-Ausschuss: Verschleierungsversuche live

Bild: heise.de
Warum die Aufklärung im NSU-Komplex nur mühsam voran kommt, das konnte bei der letzten Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) in Berlin am 14. Februar live studiert werden. Das Gremium wird ganz offensichtlich erneut zum Schauplatz des Ringens um die Aufklärung der Hintergründe der rechten Terrorgruppe – wie schon der Vorgängerausschuss in den Jahren 2012/2013.

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Nach dem „Tatort Zwickau“ mit den ungeklärten Fragen zum Hausbrand nehmen sich die Abgeordneten in Berlin nun den „Tatort Eisenach-Stregda“ mit dem rätselhaften Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos vor. Mit diesen beiden Ereignissen an jenem 4. November 2011 wurde der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) bekannt, der inzwischen zehn parlamentarische Ausschüsse beschäftigte und weiterhin beschäftigt.

Der elfte wird voraussichtlich Ende April im Landtag Brandenburg eingerichtet. Hinzu kommt der Prozess in München gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben und drei weitere Angeklagte, der mittlerweile seit drei Jahren läuft.

Zeugenvermeidung mit der Begründung, man wolle „solchen Leuten keine Bühne bieten“

Vor der öffentlichen Sitzung nahm sich der Bundestagsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung der Personalie des V-Mannes Ralf Marschner an. Er ließ sich von Vertretern des Generalbundesanwalts (GBA), des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) über den Stand der Ermittlungen informieren. Marschner soll, als er noch V-Mann war und in Zwickau lebte, Uwe Mundlos in seiner Baufirma beschäftigt haben. In den Jahren 2000 bis 2002, als bereits vier NSU-Morde verübt wurden. Das wurde Anfang April durch eine ARD-Fernsehdokumentation unter Berufung auf einen Zeugen bekannt (vgl. NSU: Hat Mundlos bei V-Mann des Verfassungsschutzes gearbeitet?).

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Roboter-Falke gegen Vogelschwärme

Sieht aus wie ein Greifvogel, ist aber ein Roboter: der Robird kurz vor dem Einsatz. © Clear FLight Solutions
Raffinierte Abschreckung: Ein täuschend echter Roboter-Falke soll künftig Vogelschwärme von Flugplätzen und anderen kritischen Orten fernhalten. Der ferngesteuerte Flugroboter sieht dabei nicht nur aus wie ein Greifvogel, er fliegt auch wie dieser durch Flügelschlag. Deshalb schlägt er kleinere Vögel effektiv in die Flucht. Am Flughafen Weeze am Niederrhein absolviert der Roboter-Falke zurzeit einen ersten Praxistest.

scinexx

Zusammenstöße mit Vögeln sind teuer: Der materielle Schaden auf Flughäfen wird weltweit auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Im schlimmsten Fall droht sogar ein Versagen der Triebwerke und der Absturz des Flugzeugs. Aber auch in der Landwirtschaft, in der Müllverarbeitung, an Häfen sowie in der Öl- und Gasindustrie verursachen Vogelschwärme Milliardenschäden. Nicht zuletzt, weil sich die intelligenten Tiere an bestehende Lösungen zur Vogelabwehr gewöhnen – und sich dadurch nicht lange beeinflussen lassen.

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„CDU-Mitglieder leben in einer Parallelgesellschaft“

CDU-Plakat, 1975
CDU-Plakat, 1975
Kurs der Mitte beibehalten statt Rechtsruck: Die CDU-Führung um Merkel fürchtet die Grünen als Konkurrenz mehr als die AfD. Entsetzen herrscht darüber, dass vor allem Wähler im Rentenalter abspringen.

Von Robin Alexander | DIE WELT

Wer ist der größte Feind der CDU? Zur Beantwortung dieser Frage war Matthias Jung, Meinungsforscher aus Mannheim, am Sonntag nach Berlin gereist, um Angela Merkel und ihrer Parteiführung eine wissenschaftliche Grundlage für eine Strategiediskussion zu liefern. Jung hatte viele Charts vorbereitet, die von seinem Computer an die Wand des Präsidiumszimmers im Konrad-Adenauer-Haus geworfen wurden. Und die versammelten Ministerpräsidenten, Fraktionsvorsitzenden, Minister und Abgeordnete hatten darüber hinaus noch mehr Fragen.

Manche Antwort überraschte. So ist demnach weder die neue rechte Konkurrenz von der Alternative für Deutschland (AfD) die größte Konkurrenz für die CDU – noch die SPD oder gar die Grünen.

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Hirschhausen: Lutherbibel verständlicher als Medizintexte

Eckart von Hirschhausen. Bild: ZDF.de
Eckart von Hirschhausen. Bild: ZDF.de
Der Kabarettist und Arzt Eckart von Hirschhausen hat den Reformator Martin Luther für seine Bibelübersetzung gelobt.

evangelisch.de

Hirschhausen sagte der Internetredaktion der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Menschen sollten Texte, die sie etwas angehen, in einer verständlichen Sprache lesen können. „Da ist die Medizin bis heute nicht drauf gekommen!“

Gläubigen Menschen empfiehlt der Kabarettist, auch über sich selbst zu lachen. „Warum hat Jesus die Kinder so gemocht? Kinder lachen 400 Mal am Tag, Erwachsene nur noch 20 Mal, Tote gar nicht. Da erkennt auch der statistische Laie die Tendenz.“ Über sich selbst zu lachen, sei nichts Oberflächliches, sondern ein Zeichen tiefer Einsicht in die Widersprüchlichkeit der menschlichen Existenz.

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Kreativ durch Hirnstimulation?

Aktiv für Kreativität: Der vordere Bereich des präfrontalen Kortex ist für innovatives Denken zuständig © Georgetown University/ stockimage
Elektrisches Doping fürs Gehirn: Gezielte Hirnstimulation mit schwachem Gleichstrom könnte unsere Kreativität fördern. Werden für kreatives Denken verantwortliche Regionen im Gehirn auf diese Weise zu mehr Aktivität angeregt, hat das einen deutlichen Effekt. Im Experiment wurden Probanden dank der elektrischen Impulse einfallsreicher, wie Forscher berichten. Sie fanden demnach mehr Lösungen für Aufgaben, bei denen innovatives Denken gefragt war. In Zukunft könnte die Methode vielleicht einmal Patienten mit Hirnstörungen helfen.

scinexx

Wissenschaftler sind heute dazu in der Lage, bestimmte Bereiche unseres Gehirns gezielt zu manipulieren. Mithilfe von Magnetimpulsen können sie die Aktivität von Hirnregionen kurzzeitig unterbrechen und sogar die Händigkeit von Probanden umpolen. Umgekehrt lässt sich unser Gehirn durch transkranielle elektrische Signale auch räumlich begrenzt stimulieren. Selbst Träume konnten Forscher mit dieser Hirnstimulation schon beeinflussen.

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«Wer gegen Tebartz-van Elst ist, ist indirekt gegen den Papst»

Tebartz van Elst in Rom. Bild; DIE WELT|Screenshot: bb
Tebartz van Elst in Rom.
Bild; DIE WELT|Screenshot: bb

Am kommenden Sonntag sollte der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beim Kongress «Freude am Glauben» in Aschaffenburg sprechen.

Von Christian Wölfel | kath.net

Doch er sagte Mitte März seine Teilnahme ab, nachdem unter anderen der zuständige Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann Bedenken angemeldet hatte. Der Sprecher des Forums, Hubert Gindert aus dem schwäbischen Kaufering, verteidigt im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Einladung von Tebartz-van Elst. Außerdem kritisiert er den Ausschluss der AfD vom Katholikentag in Leipzig.

KNA: Herr Gindert, halten Sie die Einladung von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Nachhinein für eine gute Idee?

Gindert: Selbstverständlich! Wir haben auch das Thema Neuevangelisierung. Da gibt es den vom Papst ernannten Delegaten Bischof Tebartz-van Elst. Eine räumliche oder zeitliche Beschränkung dieses Mandats ist mir nicht bekannt. Ich bin der Meinung: Wer gegen Tebartz-van Elst ist, spricht sich gegen diese Delegierung aus und damit indirekt auch gegen den Papst. Im Jahr der Barmherzigkeit wäre das die Chance für Gegner und Befürworter des Bischofs gewesen, aufeinander zuzugehen. Diese Chance ist nun vertan. Das werden die Leute, die gegen den Auftritt sind, immer wieder zu hören bekommen.

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How Eating Insects Empowers Women

Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
Skorpione, Markt in Shanghai, Bild: bb
The fried tarantula saleswomen of Skuon, Cambodia, claim the snacks they hawk have beautifying properties. It’s a time-honoured sales technique, and the cosmetic attributes of the spiders known as a-ping have yet to be scientifically verified. But the true benefits of a-ping are more than skin-deep.

By Matt Broomfield | MOTHERBOARD

The farming of insects (and arachnids) will play a significant role in the struggle for global food security. Ten kilogrammes of feed produces six kilogrammes of edible crickets, but just one kilogramme of beef. Urging the consumption of insects as a panacea to food insecurity, a 2013 UN report also noted that “empowering rural women can significantly increase productivity, improve rural livelihoods and reduce hunger and malnutrition.” As such, the authors argue that the edible insect market can enable some of the world’s most vulnerable women to escape economic and nutritional insecurity.

Women are responsible for cultivating up to 80 percent of the crops in many agricultural nations, and yet patrilineal land laws and customs often prevent them from owning their own property. The typical seed is planted by a woman in earth owned by a man. Divorce, the death of a relative or the failure to find a spouse can all prevent women from accessing traditional agricultural resources, and these women are less likely to have the capital to buy a goat or a flock of chickens. Given the amount of unpaid labor women are expected to undertake in the home, they also have less time available to spend rearing livestock.

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