Lebende Gesellschaften und aussterbende Gender-Unisexmenschen


Bild: RDF
In SHIFT Vol. 3 haben wir vier Debatten-Beiträge zum Thema „Gender Mainstreaming“ veröffentlicht. Prof. Dr. Ulrich Kutschera hat sich in diesem zusätzlichen Online-Kommentar nochmal näher mit den Beiträgen und ihren Argumenten auseinandergesetzt.

Von Ulrich Kutschera | Richard Dawkins-Foundation

Als Physiologe und Evolutionsbiologe mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der ergebnisoffenen Grundlagenforschung begrüße ich es nachdrücklich, dass die Zeitschrift SHIFT eine vierteilige Serie von Kommentaren publiziert hat, in welchen der Themenbereich „Soziologische Geschlechterforschung“ bzw. „Politikprogramm Gender Mainstreaming (GM)“ thematisiert worden ist. Was können wir aus diesen Kommentaren lernen?

Der erste Autor, ein Gender-kritischer Selbstdenker, beginnt seine Ausführungen mit der Beschreibung der Doku-Videos des Norwegers Harald Eia. Auch ich schätze diese Filme sehr, da sie auf eindrucksvolle Weise vor Augen führen, dass die soziologischen Spekulationen staatlich alimentierter „Gender-Forscherinnen“ durch naturwissenschaftliche Fakten ad absurdum geführt werden können. Leider musste ich jedoch nach Ansicht der exzellenten Videofilme feststellen, dass kaum ein Argument der interviewten Gender-Kritiker durch entsprechende Fachpublikationen bestätigt werden kann. So findet man z. B. die dort gezeigten Kleinkind-Experimente in Verbindung mit dem Namen des interviewten Wissenschaftlers in keiner Quelle (Jungen krabbeln zu Spielzeugautos und Werkzeug, während die Mädchen bevorzugt nach weichen Bällen und Puppen greifen). Ebenso wenig wird man fündig, wenn man die Aussagen der renommierten Psychologen überprüfen möchte. Kurz: Die wertvollen H. Eia-Videos können von Gender-Ideologinnen problemlos als „unbelegte Diffamierungen ihrer Forschungen“ abqualifiziert werden — es fehlen ganz einfach die Quellenverweise.

Korrekt und sachkundig wird im ersten Kommentar die Geschichte der Einschleusung politischer „Gender-Perspektiven“ in die Berufswelt sowie die Konfusion der Gleichberechtigung mit dem Dogma einer „Macht-Gleichstellung“ thematisiert. Am Ende „outet“ sich der belesene Autor leider als Kreationist: Er glaubt, Gott hätte uns mit guten Absichten ergänzend als Mann und Frau geschaffen. Diese biblische Sicht der Dinge wird unserer evolutiv herausgebildeten „Mann-Frau-Natur“ in keiner Weise gerecht, insbesondere nicht unter Berücksichtigung des „Gender-Paradoxons“.

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