Wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht

 Flüchtlingslager Zaatari, Jordanien. Bild: AP AFP Pool watson.ch
Flüchtlingslager Zaatari, Jordanien.
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Im Mittelmeer soll sich gestern ein neues Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella.

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Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 waren es 3770. Dieses Jahr sind bislang mehr als 1100 Menschen ertrunken.

 

  • Jordanien mit 9,5 Millionen Einwohnern beherbergt fast 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge. Das sind laut BBC weit mehr als ganz Europa 2015 aufgenommen hat.
  • Die Schweiz mit 8,3 Millionen Einwohnern will im Notfall bis zu 50’000 Flüchtlinge beherbergen können. Das wären noch immer 30 Mal weniger als Jordanien aufgenommen hat.

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Sikhs in Deutschland: „Unsere Religion richtet sich gegen niemanden“

Damandeep Singh ist Vorstandsmitglied im Sikh Verband Deutschland. (Foto: Uschi Euler; Euler/BfN)
Über den Glauben der Sikh wissen viele in Deutschland nichts. Damandeep Singh vom Sikh-Verband spricht über den Anschlag auf einen Essener Tempel und erklärt, was es mit den Turbanen auf sich hat.

Interview von Hanna Spanhel | Süddeutsche.de

Damandeep Singh ist Vorstandsmitglied im Sikh Verband Deutschland. Er ist 24 Jahre alt, lebt in Köln und studiert Ingenieurwissenschaften. Eine Woche nach dem Anschlag auf einen Tempel der Religionsgemeinschaft in Essen sind in der Stadt mehrere hundert Anhänger der Sikhs zusammengekommen, die Prozession war bereits seit Monaten geplant. Ein Interview über das Attentat, über Sikhs in Deutschland und wie sie auf die Tat reagieren.

SZ: Herr Singh, in der Öffentlichkeit fallen Sikhs durch lange Bärte und Turbane auf. Schlagen Ihnen viele Vorurteile entgegen?

Damandeep Singh: Anfeindungen oder Hass spüren wir hier in Deutschland eigentlich nicht. Manchmal werden Kinder ausgelacht, weil sie ihre langen Haare in einem Dutt tragen, bedeckt von einem Tuch. Patka nennen wir das. Oder es gibt Schwierigkeiten bei der Jobsuche – wegen des Turbans, den wir tragen. Er führt dazu, dass wir ab und an mit Terroristen verwechselt werden. Das geschieht aber nur deshalb, weil die Menschen kaum etwas über uns wissen.

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AfD-Nachwuchs und Putin-Jugend verbünden sich

Themenbild. DIE WELT/dpa
Themenbild. DIE WELT/dpa
Die Jugendorganisation der AfD stärkt die Beziehungen nach Moskau. Parteivize Gauland begrüßt das Bündnis. Der ukrainische Botschafter in Deutschland reagiert verstimmt.

DIE WELT

Die Kontakte der rechtspopulistischen AfD nach Russland vertiefen sich. Vertreter der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) und der „Jungen Garde“ der Partei „Einiges Russland“ von Präsident Wladimir Putin hätten ein Bündnis beschlossen, berichtete der „Spiegel“ am Samstag.

JA-Chef Markus Frohnmaier sagte dem Nachrichtenmagazin: „Auf dem ganzen europäischen Kontinent werden eurokritische und souveränistische Bewegungen immer stärker“. Deshalb sei es für die Junge Alternative „selbstverständlich, diese Aktivitäten in einem neuen Jugendnetzwerk zu bündeln“. Da dürfe Russland nicht fehlen. In der Außenpolitik müsse Deutschland endlich „seine vitalen nationalen Interessen vertreten“, sagte Frohnmaier weiter.

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Dresdner Sinfoniker: Türkei interveniert gegen Konzert

© dpa Steht hinter seinem Projekt: Der Intendant der Dresdner Sinfoniker Markus Rindt.
Die Dresdner Sinfoniker widmen ihr Konzertprojekt „Aghet“ dem Genozid an den Armeniern vor hundert Jahren. Nun fordert die Türkei, die Produktion nicht weiter zu fördern – und hat bereits einen Teilsieg errungen.

Frankfurter Allgemeine

Die Türkei macht auf europäischer Ebene Druck gegen das Konzertprojekt „Aghet“ der Dresdner Sinfoniker zum Genozid an den Armeniern vor hundert Jahren. Der EU-Botschafter verlange, dass die Europäische Union die Förderung für die internationale Produktion einstellt, sagte Intendant Markus Rindt am Samstag in Dresden. Das sei ein „Angriff auf die Meinungsfreiheit“.

Die zuständige Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur bei der EU-Kommission stehe weiter hinter dem Projekt, berichteten die „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Die Agentur hat laut Rindt der türkischen Seite insofern nachgegeben, dass sie Informationen zu „Aghet“ auf ihrer Internetseite entfernte. „Das finden wir nicht gut.“

Stephen Fry: „Warum sollte ich einen launischen, bösartigen, dummen Gott respektieren?“

Screenshot des berühmten „Gott ist böse“-Interviews mit Stephen Fry. Bild. hpd.de
Im vergangenen Jahr hatte Stephen Frys „Gott ist böse“-Interview in den Sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Nun wurde dieses Interview für den Sandford St. Martin-Preis nominiert, mit dem herausragende Leistungen in religiösen Radio- und Fernsehprogrammen ausgezeichnet werden.

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

Dass ein Interview mit ihm für einen religiösen Medienpreis nominiert wird, dürfte Stephen Fry ziemlich überrascht haben. Der Autor und Schauspieler Fry ist bekennender Atheist und berühmt dafür, dass er mit seiner Meinung zu Themen rund ums Religiöse nicht hinter dem Berg hält. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe für seine Einladung in die Religions-Sendung „The Meaning of Life“ („Der Sinn des Lebens“) des öffentlich-rechtlichen irischen Fernsehsenders RTÉ One im Februar 2015. Im Laufe der Sendung stellte Moderator Gay Byrne seinem atheistischen Gast die Frage, was er denn tun würde, falls er nach seinem Tod doch unerwarteterweise vor der Himmelspforte stünde und den Herrgott träfe. Fry sagte es ihm:

„Ich würde sagen: Knochenkrebs bei Kindern? Was soll das denn bitte? Wie kannst du es wagen! Wie kannst du es wagen, eine Welt zu schaffen, in der es so viel Elend gibt, das wir nicht verschuldet haben? Das ist nicht in Ordnung! Das ist durch und durch böse. Warum sollte ich einen launischen, bösartigen, dummen Gott respektieren, der eine Welt erschaffen hat, die voll Ungerechtigkeit und Schmerz ist? Das ist das, was ich sagen würde.“

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Die Opfer sind entstellt fürs Leben – die Täter bleiben ungestraft

Silvier Nambirige wurde von ihrem Ex-Ehemann in Uganda mit Säure angegriffen. Sie trägt eine Maske und hat Sehschwierigkeiten. © Henry Wasswa/DPA
Säureangriffe sind in Uganda nicht ungewöhnlich. Zornige Ehemänner, eifersüchtige Zweitfrauen – der Angriff dauert nur Sekunden, doch die Folgen währen ein Leben lang. Die Täter werden nur selten bestraft.

stern.de

Gloria Kankunda war im dritten Monat schwanger, als ein Unbekannter sie mit ätzender Säure überschüttete. Sie nannte ihr Kind „Miracle“. Es sei ein Wunder gewesen, dass das Mädchen überlebte, sagt Kankunda. Bei dem Angriff wurden 70 Prozent ihres Körpers verätzt und ihr Gesicht entstellt. Kankunda trägt heute ein künstliches Auge.

Man riet ihr, abzutreiben, um ihr eigenes Leben zu retten, wie die heute 33-Jährige erzählt. „Ich sagte ihnen: „Wenn ich sterben muss, dann lasst mich mit meinem Kind sterben““. Kankunda vermutet, dass eine der vielen Frauen ihres Ehemanns hinter dem Angriff steckte.

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William Shakespeare: Der brutale Humanist

Das sogenannte Chandos-Porträt von William Shakespeare, um 1610. Bild: wikimedia.org/PD

Bei Shakespeare fehlt jegliche Ideologie. Er unterteilt weder in Gut noch in Böse. Sondern zeigt den Menschen in seiner schonungslosen Realität. Deshalb ist Shakespeare noch heute – 400 Jahre nach seinem Tod – ein Klassiker

Von Alexander Grau | Cicero

„Es ist über Shakespeare schon so viel gesagt, dass es scheinen möchte, als wäre nichts mehr zu sagen übrig“ – schrieb Goethe in seinem Aufsatz „Shakespeare und kein Ende!“.

Gut 200 Jahre und viele tausend Bücher und Artikel später könnte man den Eindruck haben, dass zu dem Dichter aus Stratford-upon-Avon nun tatsächlich alles gesagt ist. Aber das ist natürlich ein Irrtum. Denn in großer Literatur, in Weltliteratur finden sich Menschen aller Epochen wieder. Sie hat ihnen etwas zu sagen, was sie unmittelbar angeht, unabhängig von der Kultur, in der sie leben. Deshalb ist das letzte Wort zu großer Literatur nie gesprochen. Und unter diesen ganz wenigen übergroßen Werken der Menschheit sind Shakespeares die größten.

Aber was macht Shakespeare so einzigartig?

Wieso ergreifen seine Dramen und Komödien auch nach 400 Jahren die Menschen mehr als vieles Zeitgenössische, das auf die Bühnen dieser Welt gebracht wird? Die Antwort: Es ist sein gnadenloser menschlicher Realismus.

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Schneeflocken-Babys: Frau will befruchtete Eizellen einer Toten austragen

Tank mit eingefrohreren Eizellen. (Foto: Florian Peljak)
Ein Mann verliert seine Frau an den Krebs. Ihm bleiben nur die befruchteten Eizellen, die Ärzte eingefroren hatten. Inzwischen hat der Mann wieder geheiratet – seine neue Frau möchte die Kinder jetzt bekommen.

Von Christina Berndt | Süddeutsche.de

Die Diagnose traf Martin Sanders und seine Frau Katharina wie ein Donnerschlag. Brustkrebs – mit 32! So sehr die Krankheit das Leben des jungen Paares beeinträchtigte: Sie sollte ihnen wenigstens nicht die Chance auf Kinder nehmen. Deshalb ließen die Beiden befruchtete Eizellen einfrieren, die eines Tages, wenn die Zeiten besser wären, aufgetaut werden und heranwachsen könnten.

Doch die Zeiten wurden nicht besser. Zwei Jahre später starb Katharina an ihrem Krebs. Inzwischen hat Martin Sanders wieder geheiratet – Sophie, die keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Deshalb würde sie gerne die Eizellen ihres Mannes und seiner ersten Frau austragen. Doch das Universitätsklinikum Freiburg, wo die Zellen, die vielleicht schon Embryonen sind, verwahrt werden, verweigert die Herausgabe. Martin und Sophie Sanders können es nicht fassen: „Lieber vernichtet man Embryonen, als dass man sie rettet“, sagt er.

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Bangladesch: Angreifer töten liberalen Professor mit Macheten

Unbekannte haben in Bangladesch den liberalen Universitätsprofessor Rezaul Karim Siddique auf offener Straße erstochen. Die Polizei macht militante Islamisten für den Angriff verantwortlich.

SpON

Professor Rezaul Karim Siddique war gerade auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause als sich die Angreifer von hinten näherten. Mindestens drei Mal stachen sie mit Macheten auf den Hals des 58-Jährigen ein. Dann flohen die Angreifer unerkannt, Siddique verstarb noch am Tatort.

Der Mord ereignete sich in der Stadt Rajshahi im Nordwesten von Bangladesch . Die Stadt gilt als Hochburg militanter Islamisten. In den vergangenen Jahren töteten Extremisten nach Angaben der Behörden mindestens drei weitere Professoren der Universität von Rajshahi. Siddique war dort Englischprofessor und engagierte sich gegen den wachsenden Einfluss religiöser Kräfte. Er leitete Kulturprogramme und gab ein Literaturmagazin heraus.

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Thüringen: Landtag lehnt Antrag zum Schutz christlicher Flüchtlinge ab

Auch die CDU stimmte mit großer Mehrheit gegen den Vorstoß der AfD-Fraktion.
 

kath.net

Der Thüringer Landtag hat am 22. April einen Antrag zum Schutz christlicher Flüchtlinge vor religiös motivierten Übergriffen abgelehnt. Die rot-rot-grüne Regierungskoalition stimmte ebenso wie die CDU gegen den von der „Alternative für Deutschland“ (AfD) eingebrachten Vorstoß mit dem Titel „Religionsfreiheit schützen – Übergriffe auf christliche Asylbewerber verhindern“.
Darin hatte die Fraktion die Landesregierung aufgefordert, „Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung salafistischer Propaganda in den Landeserstaufnahmestellen und Asylbewerberunterkünften zu verhindern“. Ferner solle sie „Fluchträume zum Schutz vor Übergriffen“ einrichten und festgestellte Straftaten konsequent verfolgen. Zur Begründung hieß es, insbesondere zum Christentum übergetretene Muslime seien Diskriminierungen und Übergriffen ausgesetzt.

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Prekariat auf Abwegen

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Warum wenden sich so viele Arbeitslose und Geringverdiener ausgerechnet der neoliberalen AfD zu? Diese Frage beschäftigt kurioserweise vor allem die Vertreter von Parteien, die selbst neoliberale Politik betreiben. Ihre unausgesprochene Antwort lautet: Weil die „sozial Schwachen“ zu dämlich sind, die Komplexität alternativloser Politik zu begreifen. Gegenfrage: Warum sollten die Prekarier Parteien wählen, von denen sie bereits wissen, dass diese sie abgeschrieben haben?

Von Hans-Dieter Rieveler | TELEPOLIS

Ein lang anhaltender und vielfach beklagter Trend wurde bei den drei Landtagswahlen im März gebrochen: Endlich ist die Wahlbeteiligung wieder gestiegen. Jubelarien blieben allerdings aus. Stattdessen bereitet ein merkwürdiges, wenn auch keineswegs neues Phänomen vielen Kopfschmerzen: Manche Wähler wählen gegen ihre Interessen. So gaben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 37 Prozent der Arbeiter und 38 Prozent der Arbeitslosen der AfD ihre Stimme. Damit wurde die AfD dort, wie auch in Baden-Württemberg, in diesen Wählergruppen zur stärksten Partei.

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer Wählerbefragung der Stadt Freiburg: 34 Prozent der dortigen AfD-Wähler haben einen Migrationshintergrund, weit mehr als bei allen anderen Parteien.

Spätestens seit das Recherchezentrum Correctiv einen Entwurf des Grundsatzprogramments der Partei geleakt hat, ist offenbar geworden, dass die AfD keineswegs die Partei „der kleinen Leute“ ist, als die sie sich nach außen hin gerne darstellt. Zwar ist der Programmentwurf inzwischen überarbeitet und für die „kleinen Leute“ ein wenig schmackhafter angerichtet worden, an der neoliberalen Grundausrichtung und der Orientierung an den Interessen der Vermögenden hat sich indes kaum etwas geändert (Was will die AfD?).

Wie konnten nur so viele Niedriglöhner und Arbeitslose auf diese Partei hereinfallen? Nun, vielleicht setzen viele dieser Wähler gar nicht so sehr darauf, dass die AfD für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen wird, sondern erhoffen sich nur eine Begrenzung der Zuwanderung, in deren Gefolge sie Sozialabbau und wachsende Konkurrenz um Arbeitsplätze und bezahlbare Wohnungen fürchten.

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Reinheitsgebot: Als noch Fliegenpilz und Kreide im Bier landeten

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Das Reinheitsgebot feiert seinen 500.Geburtstag. Für Deutschlands Bierbrauer ist das Gesetz ein Alleinstellungsmerkmal. Doch für die junge Craft-Beer-Bewegung ist es längst überholt.

Von Carsten Dierig | DIE WELT

Angela Merkel bekommt ihr eigenes Bier. „Wir haben ein paar Hopfensorten zusammengestellt, aus den wir Ihnen ein Kanzlerinnen-Bier brauen“, kündigte Hans-Georg Eils an, der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes (DBB). Zum einen die Sorte Herkules, damit Merkel auch scheinbar unlösbare Prüfungen absolvieren kann. Zum anderen Hallertauer Magnum für die Widerstandsfähigkeit. Als drittes Relax, damit die CDU-Politikerin Ruhe und Kraft findet. Und schließlich noch die Sorte Perle, deren Name Eils‘ zufolge selbsterklärend ist. Deutschlands Brauer bedanken sich mit dieser Mischung und dem Bier bei der Bundeskanzlerin für ihren Besuch und ihre Festrede zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes.

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Niederlande: Verbot der Beleidigung von Staatschefs fällt

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Im Gefolge der „Böhmermann-Affäre“ in Deutschland wegen eines Spottgedichts über den türklischen Präsidenten Erdogan setzt Den Haag ebenfalls Konsequenzen.

Die Presse.com

Nach der Böhmermann-Affäre in Deutschland werden die Niederlande das Verbot der Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter aus dem nationalen Strafrecht streichen. Dies sei ein überholter Gesetzesartikel, sagte Justizminister Ard van der Steur am Freitag in Den Haag nach einer Kabinettssitzung.

Anlass ist die mögliche strafrechtliche Verfolgung des Satirikers Jan Böhmermann in Deutschland wegen eines offenkundig gründlich misslungenen „Spottgedichtes“ über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der darin unter anderem als „Ziegenficker“ bezeichnet wird.  Mehrere Parteien in Holland hatten daraufhin die Streichung des entsprechenden Artikels im niederländischen Strafgesetzbuch gefordert, um eine ähnliche Affäre im eigenen Land zu verhindern. Auch in Deutschland soll dieser Paragraf demnächst vom Parlament beseitigt werden.

Symbolische Schwelle: In Afghanistan hat der Roboterkrieg begonnen

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Erstmals feuerten die US-Streitkräfte in Afghanistan mehr Raketen und Bomben von Drohnen als von anderen Flugzeugen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Taliban breiten sich mit dem Abzug der Isaf-Truppen und der geschrumpften Präsenz internationaler Truppen immer stärker in Afghanistan aus. Dazu kommen Kämpfer des Islamischen Staats. Die Konkurrenz zwischen beiden islamistischen Gruppen verschärft die Situation und bringt die afghanischen Sicherheitskräfte weiter in Bedrängnis.

Am Dienstag erst haben Taliban-Kämpfer mitten in Kabul vor einem Geheimdienstgebäude eine Lastwagenbombe in die Luft gejagt. Drei Bewaffnete stürmten darauf das Gebäude und schossen wild um sich. 64 Menschen wurden getötet, hunderte verletzt, darunter auch viele Zivilisten. Die geplanten Friedensgespräche sind damit offenbar erst einmal geplatzt. Die Taliban hatten zuvor wieder eine neue Frühjahrsoffensive angekündigt (Afghanistan, das nächste Taliban-Emirat?). Die Bevölkerung ist beunruhigt und kritisiert die Sicherheitskräfte. Geplant ist, vor Kabul Stationen mit Fahrzeugscannern aus China einzurichten, um zu verhindern, dass Lastwagen mit Sprengstoff in die Stadt gelangen.

Der Anschlag markiert eine gefährliche Wende. Bislang haben die Taliban vor allem auf Autobomben mit einer geringeren Sprengkraft gesetzt. Im August 2015 wurde erstmals ein Lastwagen als Autobombe verwendet. Mit Sprengstoff vollgeladene Lastwagen können, wie der Angriff diese Woche zeigte, mehr Tote und größere Schäden verursachen. Die Frage ist nun auch, woher die Taliban die großen Mengen an Sprengstoff beziehen.

Vermutet wird, dass er aus Pakistan kommt. Angeblich sollen die wenigen noch vorhandenen al-Qaida-Kämpfer die Taliban unterstützen, wohl auch im Kampf gegen den IS.

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Tiefsee: Laser soll bei Suche nach Rohstoffen helfen

Vor allem an Schwarzen Rauchern haben sich viele wertvolle Rohstoffe abgelagert. © NOAA Vents Progrram / CC_by-sa 2.0
Tauchendes Chemielabor: Ein neuartiger Tauchroboter könnte künftig das Aufspüren von Bodenschätzen in der Tiefsee erleichtern. Um herauszufinden, welche Rohstoffe vorhanden sind, muss er nicht mehr erst Proben an die Oberfläche schaffen, sondern kann stattdessen den Meeresgrund vor Ort chemisch analysieren – mit einem bordeigenen Laser-Instrument. Ein europäisches Forscherteam will diesen Kombi-roboter bis 2020 fertiggestellt haben.

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Die Tiefsee gilt als ein wichtiger Rohstofflieferant der Zukunft. Denn am Meeresgrund lagern große Mengen von wertvollen Metallen wie Kupfer, Mangan, Gold und Silber, aber auch Selen, Tellur oder Indium. Viele von ihnen kommen als Ablagerungen an hydrothermalen Schloten vor, andere bilden dicke Sulfidkrusten oder liegen als Manganknollen am Grund der Tiefsee verstreut. Unter anderem deshalb hat auch Deutschland bereits ein Lizenzgebiet für einen künftigen Abbau abgesteckt.

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Gericht: Polizeikontrolle aufgrund der Hautfarbe rechtswidrig

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Darf die Polizei Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe kontrollieren? Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz hat jetzt einer deutsch-afrikanischen Familie recht gegeben, die sich durch eine Kontrolle in einem Regionalzug diskriminiert sah.

evangelisch.de

Das Oberwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat die Personenkontrolle von Zugreisenden allein aufgrund ihrer Hautfarbe als rechtswidrige Diskriminierung beurteilt. In dem am Freitag veröffentlichten Urteil des Koblenzer Gerichts ging es um die Kontrolle einer dunkelhäutigen Familie in einem Regionalzug durch Beamte der Bundespolizei. Der Senat habe „nicht die Überzeugung gewinnen können, dass die Auswahl der betroffenen Personen nicht wegen ihrer Hautfarbe erfolgt ist“, erklärten die Richter. Wegen der grundsätzlicher Bedeutung ließen sie Revision zu. (AZ: 7 A 11108/14.OVG)

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Chile: „Wir zünden alle Kirchen an“

Lautaro (* ca. 1535; † 1. April 1557), war ein Kriegshäuptling (Toki) der Mapuche im Arauco-Krieg in Chile. Bild: wikimedia.org/PD

Täter sind offenbar Unterstützer oder Angehörige der Ureinwohner – Gouverneur der Region: „Kirchen anzuzünden ist das Zeichen der größten Intoleranz, die ich bisher erlebt habe“.

 

kath.net

Im Süden Chiles ist es im Siedlungsgebiet des Volkes der Mapuche zu einer Serie von Brandanschlägen auf Kirchen gekommen. Innerhalb eines Tages gingen fünf Gebäude in Flammen auf. Insgesamt seien in den letzten zwei Jahren zwölf Kirchen angezündet worden, heißt es in Medienberichten. Zehn waren römisch-katholisch, zwei evangelikal. Beim jüngsten Anschlag auf die katholische Kirche in Santa Joaquina wurde ein Bekennerschreiben gefunden. Darin heißt es: „Unsere Großeltern und Vorfahren wurden verbrannt.“ Bei dem Anschlag auf das Gemeindehaus der evangelikalen Christlichen Union in Antinao forderten die mutmaßlichen Täter auf einem Flugblatt, alle gefangenen Mapuche freizulassen. Zudem drohten sie: „Wir zünden alle Kirchen an.“ Wie das christliche Hilfswerk „International Christian Concern“ (ICC/Washington) berichtet, handelt es sich bei den Tätern offenbar um Unterstützer oder Angehörige der Mapuche. Sie sind das einzige Volk der Ureinwohner Lateinamerikas, das der spanischen Eroberung standhielt. Nach der Unabhängigkeit Chiles 1818 wurden sie jedoch weithin entrechtet. Ihr Land wurde beschlagnahmt und rund 100.000 Angehörige des Volkes getötet. Schätzungen zufolge gibt es noch rund 600.000 Mapuche im Süden Chiles. Weitere 100.000 leben in der Hauptstadt Santiago.

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Heute zeigt Erdogan, was für ein Feigling er ist

Bild: FB
Bild: FB
In der Türkei stehen die ersten von 1128 Wissenschaftlern vor Gericht, weil sie Erdogans Kurdenpolitik gebrandmarkt haben. Der Fall zeigt, wie sehr der Präsident Kritik fürchtet und wie ungeniert er die Türken ihrer Rechte beraubt.

Eine Analyse von Marc Drewello | stern.de

Recep Tayyip Erdogan hat Angst: Angst vor Kritik, Angst vor Machtverlust, Angst vor der Wahrheit. Deshalb geht der türkische Präsident erbarmungslos gegen jeden vor, der es wagt, seine Politik oder gar seine Person infrage zu stellen. Das trifft Jan Böhmermann, aber vor allem trifft es die Menschen in der Türkei. Ein trauriger Beleg für  Erdogans angstgetriebenes Bestreben, sein eigenes Volk einzuschüchtern und die Meinungsfreiheit abzuschaffen, ist der Prozess gegen vier Akademiker, der jetzt in Istanbul beginnt. Die Angeklagten müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie mit 1124 weiteren Wissenschaftlern einen öffentlichen Aufruf unterzeichnet haben, in dem sie die Kurdenpolitik der Regierung kritisieren. Der Vorwurf gegen die Angeklagten: Propaganda für eine terroristischen Vereinigung. Die mögliche Höchststrafe: siebeneinhalb Jahre Gefängnis.

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Zitat des Tages: „Lex Gauck“

Gauck_Ratzinger„Vielleicht machen sich nicht alle Menschen bewusst, dass die höchste Repräsentanz einer Republik, einer Demokratie doch mindestens so viel Ehrerbietung verdient, wie es ein gekröntes Haupt verdient.“ Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich skeptisch zu der diskutierten Abschaffung des Paragrafen 90, der den Bundespräsidenten vor Verunglimpfung schützen soll.

evangelisch.de

Climate Change Is Fueling Violence, and Women Bear the Brunt

On March 28, over 6,000 agricultural workers and indigenous peoples gathered to blockade a highway in the Philippine state of Cotabato. For last three months, these men and women had been unable to farm as a result of a protracted drought brought on by an unprecedented El Niño in the region. Their water reservoirs had long since gone dry and many of them were beginning to starve.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

To make matters worse, their pleas for assistance from their government had been falling on deaf ears—a federal relief subsidy existed for just this scenario, but the subsidy, for reasons that remain unclear, was not being distributed.

The Cotabato farmers camped out on the interstate for four days, vowing not to leave until the government distributed 15,000 sacks of rice they were entitled to. On the morning of April 1, the government finally showed up—and opened fire on the peaceful crowd.

By the time the dust settled, three farmers lay dead where they fell. Seven others would die soon after from injuries sustained during the massacre.

Women are disproportionately at risk from climate change.

“This is a climate change-fueled food crisis,” said Tess Vistro, the Deputy Secretary General of the National Federation of Peasant Women who has spent the last 20 years in the Philippines working to empower women in agriculture and documenting the fallout from climate change in the region. “The farmers came to the government for help, but instead of giving them rice, the government gave them bullets. If we are unable to address the spiraling greenhouse gas emissions into the atmosphere, this will continue to happen—we’ll continue to see this kind of violence against rural people.”

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