William Shakespeare: Der brutale Humanist


Das sogenannte Chandos-Porträt von William Shakespeare, um 1610. Bild: wikimedia.org/PD

Bei Shakespeare fehlt jegliche Ideologie. Er unterteilt weder in Gut noch in Böse. Sondern zeigt den Menschen in seiner schonungslosen Realität. Deshalb ist Shakespeare noch heute – 400 Jahre nach seinem Tod – ein Klassiker

Von Alexander Grau | Cicero

„Es ist über Shakespeare schon so viel gesagt, dass es scheinen möchte, als wäre nichts mehr zu sagen übrig“ – schrieb Goethe in seinem Aufsatz „Shakespeare und kein Ende!“.

Gut 200 Jahre und viele tausend Bücher und Artikel später könnte man den Eindruck haben, dass zu dem Dichter aus Stratford-upon-Avon nun tatsächlich alles gesagt ist. Aber das ist natürlich ein Irrtum. Denn in großer Literatur, in Weltliteratur finden sich Menschen aller Epochen wieder. Sie hat ihnen etwas zu sagen, was sie unmittelbar angeht, unabhängig von der Kultur, in der sie leben. Deshalb ist das letzte Wort zu großer Literatur nie gesprochen. Und unter diesen ganz wenigen übergroßen Werken der Menschheit sind Shakespeares die größten.

Aber was macht Shakespeare so einzigartig?

Wieso ergreifen seine Dramen und Komödien auch nach 400 Jahren die Menschen mehr als vieles Zeitgenössische, das auf die Bühnen dieser Welt gebracht wird? Die Antwort: Es ist sein gnadenloser menschlicher Realismus.

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