Gemeinwohl und Seelenheil sind zweierlei


Kuba ist zwar kein demokratischer Rechtsstaat, die Gefahr einer Verschmelzung von Politik und Religion besteht aber gewiss nicht – auch wenn die im Bild festgehaltene Begegnung des kubanischen Präsidenten Raúl Castro mit Papst Franziskus in Holguín im September 2015 es einen Augenblick lang suggerieren mag. (Bild: Tony Gentile / Reuters)
Für die Trennung von Religion und Politik in liberalen Demokratien gibt es verschiedene Modelle. Der Politikwissenschafter Ahmet Cavuldak zeichnet sie in einer Studie historisch und systematisch nach

Von Hans Maier | Neue Zürcher Zeitung

Staat und Kirche bilden keine Einheit, Religion wird nicht politisiert und Politik nicht «vergeistlicht» – das unterscheidet den Westen von den Gottesstaaten und Sakralreichen, die sich in der heutigen Welt ausbreiten. Seit Zaccaria Giacomettis Klassiker, den «Quellen zur Geschichte der Trennung von Staat und Kirche» (1926), hat sich kaum mehr ein Autor die systematische Darstellung der Trennungssysteme der modernen westlichen Staaten zugetraut. Der Politikwissenschafter Ahmet Cavuldak, Schüler von Peter Graf Kielmansegg und Herfried Münkler in Berlin, wagt es nun in einer neuen Studie. Er kommt mit seiner opulenten Dissertation schon im Umfang nahe an die siebenhundertdreissig Seiten des verdienten Zürcher Rechtsgelehrten heran.

weiterlesen