Witwer von Paris-Anschlag-Opfer: „Ich wähle lieber die Freiheit als den Hass“


Antoine Leiris, 35, ist freiberuflicher Journalist in Paris. Sein Buch „Meinen Hass bekommt ihr nicht“, ist im Verlag Blanvalet erschienen, umfasst 114 Seiten und ist als E-Book erhältlich ab 14. April, ab 9. Mai als gedruckte Ausgabe © Lizzie Sadin
Antoine Leiris’ Frau wurde im November bei den Anschlägen in Paris erschossen. Er reagierte mit einem offenen Brief, der um die Welt ging. Ein Gespräch über Trauer und die Weigerung, Terror zu hassen.

Interview: Andrea Ritter | stern.de

Monsieur Leiris, in Brüssel ist es den Terroristen wieder gelungen zuzuschlagen, wieder ist unsere Angst ein Stück größer geworden.

Ich kann jeden Menschen verstehen, der Angst hat. Das ist ein individuelles Gefühl. Jeder geht anders damit um. Der eine zieht sich zurück, der andere reagiert mit Offenheit. Meine Haltung ist, dass ich mich nicht einschüchtern lassen will. Ich verteidige meine Freiheit, meine Werte.

Während der Anschläge von Paris im vergangenen November wurde Ihre Frau Hélène im Musikclub Bataclan erschossen. Sie reagierten darauf mit einem offenen Brief an die Terroristen: „Meinen Hass bekommt ihr nicht.“ Sie schrieben, dass Sie Hass und Wut nicht zulassen werden, dass Sie Ihre Freiheit niemals der Sicherheit opfern. Ihr Brief ging um die Welt – und Sie gelten seitdem als Symbol des Widerstandes gegen den Terror. Ist Ihnen diese Rolle recht?

Ich kann gut damit leben, ein Symbol zu sein. Denn das heißt ja, dass es nicht um mich als Person geht, sondern um meine Worte. Ich bin ja kein Widerstandskämpfer. Ich bin jemand, der versucht, klarzukommen. Wenn jemand wie ich, der vom Terror aufs Härteste getroffen wurde, sagt, ich wähle den Weg der Kultur, des Intellekts; ich wähle Freiheit und Sensibilität, Humanismus, nicht Hass und Rohheit – das ist dann ein Symbol, glaube ich.

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