Türkei: Gefängnis für den Wiederabdruck einer Mohammed-Karikatur


Bild. Charlie Hebdo
Bild. Charlie Hebdo
Der Prozess wegen Spionage gegen den Cumhiriyet-Chefredakteur Can Dündar und dem Büroleiter der Zeitung in Istanbul, Erdem Gül, findet hinter verschlossenen Türen statt, nachdem es ausländische Botschafter gewagt hatten, den Prozess zu verfolgen. Präsident Erdogan und der Geheimdienst MIT sind Nebenkläger.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft, weil die Journalisten einen geheimen Waffentransport an Militante in Syrien aufgedeckt hatten. Vorgeworfen wird ihnen nicht nur Verrat von Staatsgeheimnissen, sondern auch die Vorbereitung eines Staatsstreichs und die Mithilfe bei der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Anklage offenbar das Staatsverständnis und die Angst vor den Medien des türkischen Präsidenten und die Willigkeit der Justiz, nachdem selbst noch das oberste Gericht Kritik an dem Verfahren geäußert hatte, was Erdogan erklärtermaßen nicht akzeptiert.

Zwischenzeitlich wurde Dündar schon einmal zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sich einmal wieder Erdogan von dem Journalisten beleidigt fühlte. Der hatte gewagt, über die Korruptionsvorwürfe gegen Erdogan und dessen Sohn sowieso weitere AKP-Minister zu schreiben.

Jetzt wurden wegen eines geringeren Vergehens die Cumhuriyet-Journalisten Ceyda Karan und Hikmet Çetinkaya zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatten in einer Kolumne das Cover des Satiremagazins Charlie Hebdo mit einem Bild des weinenden (!) Propheten Mohammed nach dem islamistischen Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo abgebildet. Mohammed hält ein Schild mit den Worten „Je suis Charlie“ in den Händen. Die Terroristen töteten 12 Menschen, das Ziel war Charlie Hebdo eben auch wegen solcher kritischen Karikaturen zum Islam.

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