Jerusalem: Revolution an der Klagemauer


Ein Ultraorthodoxer betet an der Klagemauer. (picture-alliance / dpa / Atef Safadi)
Die israelische Organisation Women of the Wall kämpft seit 27 für die Gleichberechtigung von Frauen im Judentum. Für ihren Einsatz wurden sie belächelt, beschimpft – und verhaftet. Unterkriegen ließen sie sich nicht. Jetzt planen Sie eine Revolution: am heiligsten Ort der Juden.

Von Lissy Kaufmann | Deutschlandradio Kultur

Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Auch an Pessach beten die Women of the Wall wieder an der Klagemauer. Seit 27 Jahren kämpfen sie hier für Gleichberechtigung. Und in diesem Jahr auch für den traditionellen Priestergruß, den Birkat Kohanim.

Zum ersten Mal, so der Plan, sollten Priesterinnen den Gruß singen und die Gemeinde segnen. So, wie es die Männer traditionell an Chol Hamoed, den Pessachtagen, tun. Die Priester, Kohanim genannt, sind die Nachfahren der früheren Tempeldiener aus dem Stamm Aarons. Doch der Generalstaatsanwalt stoppte den Plan wenige Tage vorher auf Druck des ultraorthodoxen Rabbiners der Klagemauer.

Lautstarke Proteste orthodoxer Juden

„Wir mussten ein Dokument unterzeichnen, dass wir die Arme nicht zum Himmel strecken, nicht den Tallit über den Köpfen halten und den Priestergruß nicht sprechen. Wir sind hier in einem Käfig, wir dürfen keine Thora-Rollen mitbringen und mussten die Zahl der Teilnehmerinnen von 500 auf 200 verringern. Das ist drakonisch! Der Rabbiner der Klagemauer kann uns vielleicht dieses Jahr aufhalten, aber es wird hier irgendwann einen Priestergruß geben“,

sagt Anat Hoffman. Die Mitgründerin der Women of the Wall, heute Anfang 60, mit blonden Haaren und einem wachen Blick, ist zur Leitfigur der Gruppe geworden. Sie ist auch nach Jahren der Auseinandersetzung nicht müde. So sind Frauen trotz des Verbots an die Klagemauer gekommen – zumindest für das reguläre Morgengebet. Doch allein die Ankündigung, die Segenszeremonie abhalten zu wollen, hat die Ultraorthodoxen aufgestachelt. Sie machen ihre Ablehnung an diesem Morgen lautstark deutlich

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