Warum es OK ist, dass keine Nackten im Rathaus hängen


Hier keine Aktbilder. Glauben Sie uns, Sie wollen die wirklich nicht sehen!Foto: Kitty Kleist Heinrich
Im Rathaus Köpenick werden Aktfotos abgehängt – als Grund müssen Menschen mit Migrationshintergrund herhalten. Die könnten sich dadurch ja verletzt fühlen. Daran sind gleich zwei Sachen falsch. Mindestens!

Von Ulrike Scheffer | DER TAGESSPIEGEL

Vorige Woche gab es mal wieder einen kleinen Skandal in der Berliner Verwaltung: Das Rathaus Köpenick hatte doch tatsächlich zwei Aktfotos aus einer Ausstellung eines Fotoklubs entfernt. Als Begründung gab die Kulturamtsleiterin an, Rathausbesuchern mit Migrationshintergrund – im Klartext: Muslimen – seien solche Bilder nicht zuzumuten. Allerdings hatten sich gar keine Muslime über die Bilder beschwert, sondern drei nicht-muslimische Frauen. Fragen wir uns vielleicht zunächst, was hier genau skandalträchtig ist. Ist es a), dass eine Behörde es wagt, die Kunstfreiheit zu beschneiden? Oder b), dass die Gefühle von Zuwanderern über die Kunstfreiheit gestellt werden? Oder c), dass Zuwanderer als Alibi missbraucht werden, um die Kunstfreiheit zu beschneiden? Oder doch eher d), dass wir Zuwanderer vorschieben müssen, wenn wir keine Nackten im Rathaus wollen, uns aber wegen der Kunstfreiheit nicht trauen, das auch zu sagen?

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