Jüdisches Leben blüht im Iran


Wer ist wer? Ein Jude (mit Fez) und ein Muslim in einer Straße in Casablanca in den 1960er Jahren. Gabriel-Axel Soussan und sein…Foto: Gabriel-Axel Soussan
Das kulturelle Erbe der Juden im islamischen Kulturraum – von Marokko bis Iran – wird neu entdeckt. Sowohl Juden als auch ihre islamischen Heimatländer beginnen sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Es ist schwer geworden, über das Verhältnis von Juden und Muslimen zu sprechen, ohne die Bilder des Nahostkonflikts im Kopf zu haben – und damit Feindbilder, die unüberwindlich scheinen. Und es liegt nahe, dafür die Geschichte beider Religionen zu bemühen, auch in Europa, wo die Debatte um muslimischen Antisemitismus und Islamophobie immer öfter eine, je nach Standpunkt, verteufelte oder verklärte Vergangenheit jüdisch-muslimischen Zusammenlebens aufruft.

„Mythen und Gegenmythen“ nennt sie der Historiker Mark R. Cohen, wohl einer der wichtigsten Kenner dieser Vergangenheit. Die Geschichte der Juden unter Osmanen und Kalifen ist aus seiner Sicht zwar nicht das fleckenlose Gegenbild zur jahrhundertelangen „Geschichte der Tränen“ in Europa – das übrigens im 19. Jahrhundert Europas Juden erfanden, die aus Enttäuschung über ihre schleppende Emanzipation ein Goldenes Zeitalter in der Vergangenheit suchten. Am Anfang der islamischen Geschichte steht sogar blutige Gewalt gegen Juden, Mohammeds Massaker an den Juden von Medina, die der neuen Religion Widerstand geleistet hatten und sie lächerlich machten. Und es gab den antijüdischen Terror der Almohaden-Dynastie, die im 12. und 13. Jahrhundert den Maghreb und Andalusien beherrschte – niemand sonst habe dem Volk Israel Schlimmeres angetan und es stärker dezimiert, schrieb der Philosoph Maimonides, selbst ein Überlebender.

weiterlesen