Rassismus statt Religionskritik


Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Vor ihrem Bundesparteitag hat die AfD einen Programmentwurf veröffentlicht, in dem Islamkritik ein hoher Stellenwert zukommt. Die Partei betreibt jedoch keine Religionskritik, sondern die rassistische Verteidigung ihres Deutschtums.

Von Richard Gebhardt | Jungle World

Der stellvertretende Vorsitzende der »Alternative für Deutschland« (AfD), Alexander Gauland, sagte unlängst der Zeit, er wolle nicht »in einer muslimischen Gesellschaft leben«, denn »dafür haben wir schließlich 1683 die Türken vor Wien aufgehalten«. Gaulands historisch überhöhte Klage war ein schillerndes Beispiel für den Versuch der AfD, sich als »Anti-Islam-Partei« zu profilieren. Die Stichworte hierfür liefert die christliche Lebensschützerin und stellvertretende Vorsitzende der Partei, Beatrix von Storch. Bekanntlich liegt der Europaabgeordneten der AfD der Schutz des geborenen Lebens nicht unbedingt am Herzen. Die christliche Tugend der Nächstenliebe wird bei ihr im Wortsinne interpretiert – als Liebe zum eigenen Volk. Die Unterstützung muslimischer Flüchtlinge wird hingegen als »Fernstenliebe« geschmäht.

Dabei könnte die AfD gerade erzkonservative Muslime eigentlich als Stammwähler umwerben. Denn Gender Mainstreaming und gleichgeschlechtliche Ehe haben die führenden Islamverbände ebenso wenig im Programm wie die rechte Partei. Doch die Warnung vor der Islamisierung trifft den Nerv der Bevölkerung. Zwar hindert kein Freitagsgebet in einer Moschee einen Katholiken am Besuch des sonntäglichen Hochamtes. Aber der Islam gilt der AfD nicht als Weltreligion, sondern als politische Ideologie. Der muslimische Glaube ist für die Partei kein Gegenstand der Theologie, sondern ein Fall für den Verfassungsschutz.

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