Christi Himmelfahrt: „Religion wird immer mehr zu einem Unwort“


Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Wenn Menschen früherer Jahrhunderte hinauf schauten, erblickten sie das Firmament. Dort wohnte ein strenger Gott, der nur die Braven hineinließ. Diese Vorstellungen sind passé. Der Himmel sei verloren gegangen, er passe nicht mehr zu den Ideen von Markt und Machbarkeit, sagte der Soziologe und Theologe Reimer Gronemeyer im Deutschlandfunk.

Reimer Gronemeyer im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: „Imagine, there’s no heaven“, singt John Lennon, und viele singen mit in der Hoffnung, dass eine Welt ohne Religionen, ohne gottgesteuerten Himmel besser wäre. Wäre sie besser, Herr Gronemeyer?

Reimer Gronemeyer: Das, was wir im Moment sehen, ist, dass wir in einer Welt leben, die den Himmel abgeschrieben hat. Da ist die Frage, was ist an die Stelle getreten? Mein Eindruck ist, dass es vor allem der Markt ist, der Ehrgeiz, der Erfolg, die Konkurrenz. Das klingt für meine Ohren nicht so, als würde das Verschwinden des Himmels die Welt sehr viel besser gemacht haben.

Florin: Wie kam der Himmel in die Welt?

Gronemeyer: In allen Kulturen, bei allen Menschen, ist die Frage aufgetaucht: Wie ist es zu der Welt, wie ist es zu mir gekommen? Deswegen gibt es in allen Kulturen, die wir kennen, so etwas wie eine Erzählung über die Schöpfung. In unserer abendländischen, antiken christlichen Kultur gibt es da ganz viele Geschichten. Für mich ist immer sehr einleuchtend diese Theorie, dass der blaue Himmel bei den Menschen die Frage hat aufkommen lassen: Warum ist es da oben blau? Eine der Theorien besagt, das sei alles Wasser da oben. Deswegen die Angst, dass der Himmel brechen könnte und eine neue Sintflut die Welt hinwegschwemmt.

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