Warum die Theologie keine Wissenschaft ist


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Die Theologie gilt als eine der ältesten Wissenschaften, die an unseren Universitäten etabliert sind. Von jeher war die Glaubenslehre jedoch auch von Kritik begleitet. Schon im Neuen Testament ist die Mahnung von Paulus zu lesen: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21 EU).
 

Von Bernd Vohwinkel | Richard Dawkins-Foundation

Durch die Aufklärung und die gewaltigen Fortschritte der Naturwissenschaften ist die Anerkennung der Theologie als Wissenschaft immer mehr ins Wanken geraten. Die meisten heutigen Wissenschaftstheoretiker sprechen der Theologie, nicht zuletzt aufgrund ihrer Bekenntnisgebundenheit, die Wissenschaftlichkeit ab und kritisieren ihre weitere Anwesenheit an staatlichen Universitäten und die damit verbundene Finanzierung.

Selbstverständnis der Theologie

Die Position der Theologie ist die, dass der religiöse Glaube einen Zugang zur Wahrheit eröffne, der den Naturwissenschaften verschlossen sei. Diese könnten nur den messbaren Teil der Wirklichkeit erforschen und beschreiben und sie seien daher in eine größere, höhere Wahrheit eingebettet. Als Quellen religiöser Erkenntnisse werden neben Metaphysik und Transzendenz auch subjektive Offenbarungserlebnisse anerkannt. Grundlage der Heilsgeschichte sind die überlieferten Schriften, die in ihren Kernaussagen als wahr angesehen werden. Insgesamt sieht die Theologie ihre eigenen Methoden als überwiegend objektiv an und hält sich daher selbst für eine Wissenschaft.

Die Idee, dass es sich bei der Theologie um eine Wissenschaft handelt, stammt von Thomas von Aquin (1225-1274). Er sah im Glaubensbekenntnis die gleiche Rolle wie die der Axiome in der Mathematik. Sein Wissenschaftsanspruch ging auf Aristoteles zurück, der Axiome für so evident hielt, dass sie keiner weiteren Begründung mehr bedürfen. Was hier allerdings meistens übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Axiome der Mathematik für alle einsichtig sind, die über ein gewisses Maß an Intelligenz und Bildung verfügen. Bei den Glaubensgrundsätzen scheint diese Einsicht aber irgendwie ortsabhängig und von der Erziehung abhängig zu sein. Außerdem gibt es einen erheblichen Prozentsatz von gebildeten Leuten, die diese Grundsätze restlos ablehnen, weil sie ihnen völlig unvernünftig erscheinen.

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