Die Hölle: Ort der Verdammnis und der Fantasie


Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Der Glaube an eine Hölle ist in allen Religionen zu finden. Am systematischsten ist die Vorstellung von einer Hölle im Christentum, aber schon lange vorher haben sich andere Religionen Gedanken über das Leben nach dem Tod gemacht.
 

Von Christian Sepp | Bayern 2

Die Geburt der Hölle

In den archaischen Kulturen stellte man sich die Unterwelt als einen tristen Aufenthaltsort für alle Toten vor, wo man seine irdischen Tätigkeiten in einer Schattenwelt als Gespenst fortsetzte. So war beispielsweise die Unterwelt der germanischen Völker eine finstere und neblig kalte Welt unter der Erde, „Hel“ genannt. Von der Bezeichnung „Hel“ leitet sich auch das Wort Hölle im Deutschen ab. Anscheinend erst sehr spät und wahrscheinlich unter Einfluss von außen wurde ein Unterschied zwischen den Geschicken der einzelnen Toten gemacht. Laut Forschungen von Religionswissenschaftlern scheint die Vorstellung einer Verdammung nach dem Tod eng verbunden zu sein mit dem Auftreten des Konzepts eines Staates, also eines politisch organisierten Systems. So stammen die ältesten Texte, die über die Unterwelt berichten, auch aus Mesopotamien. Die Vorstellung von der Unterwelt im Alten Ägypten lässt sich aufgrund zahlreicher überlieferter Texte und Malereien schon relativ präzise erfassen. Hier begegnen wir einem Totengericht, das über die Verstorbenen urteilt. Wer die Weltordnung, die Maat, verletzt hat, wird durch verschiedene Qualen bestraft, die allerdings nicht ewig sind. Einige dieser ägyptischen Martern im Jenseits tauchen in den ersten christlichen Vorstellungen auf, wo sie Ewigkeitscharakter annehmen.

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