Wie die Evolution Männer und Frauen dirigiert


Leichte Beute. Die Existenz des Pfaus widerspricht auf den ersten Blick den Gesetzen der Evolution.Foto: picture alliance / dpa
Charles Darwin erkannte, worauf die Geschlechterunterschiede beruhen. Seine Theorie hat sich bestätigt, trotz Kritik aus der Genderforschung.

Ein Kommentar von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

Warum unterscheiden sich Mann und Frau? Wer dieser Frage nachgeht und sie nicht gleich als „falsch“ einstuft, weil die Geschlechter angeblich nur sozial erwünschte Rollen spielen und alle Unterschiede (bis auf die biologischen) gesellschaftlich bedingt sind, der stößt auf die Theorie der sexuellen Auslese. Sie geht auf Charles Darwin zurück, den Begründer der Evolutionstheorie. Darwin bereitete der prächtige Pfauenschwanz Kopfzerbrechen. Der konnte eigentlich unmöglich die Überlebenschancen vergrößern. Er verbrauchte Ressourcen, machte die Tiere unbeweglich und auffällig und so zu einer leichten Beute. Der Pfauenschwanz verstieß gegen elementare Regeln der von Darwin formulierten Theorie der natürlichen Auslese – die Natur müsste den Blender längst ausgemustert haben.

Darwins geniale Lösung: Der Pfau vermehrte sich nicht trotz, sondern wegen seines Federschmucks. Die Theorie der sexuellen Auslese (Selektion) war geboren. Je makelloser der Radschlag, umso größer die Erfolgschancen bei den Pfauenweibchen. Im Zentrum des Gedankengebäudes steht die fundamentale Ungleichheit der Keimdrüsen. Sie produzieren bei weiblichen Tieren die großen, wenigen Eizellen und bei männlichen die kleinen, vielen Spermien. Ein Unterschied mit Folgen. „Billige“ Spermien werben um „kostbare“ Eizellen. Männchen investieren in die Balz und konkurrieren untereinander, Weibchen kümmern sich um die Brutpflege. Männchen mit mehr Partnerinnen haben mehr Nachkommen, bei Weibchen gilt das nicht.

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