Pathos der Nüchternheit


Willy Hochkeppel hat die seltene Gabe, philosophische Sachverhalte klar und präzise darzustellen und einzuordnen – mit dem Pathos der Nüchternheit. Sein neues Buch enthält „Philosophische Traktate abseits des Geläufigen“.

Von Julian Nida-Rümelin | Süddeutsche.de

Der Wissenschaftsjournalismus ist in Deutschland nicht in bester Verfassung. Es gibt einige Wissenschaftler, die gute, allgemein lesbare Bücher und gelegentlich auch Zeitungsartikel verfassen, und es gibt einige wenige Journalisten, die von der Wissenschaft, über die sie schreiben, profunde Kenntnis haben. Aber die Wissenschaftsjournalistik als Ganze ist in Deutschland, etwa auch im Vergleich zu den USA, schwach ausgeprägt.

Wie andere wissenschaftliche Disziplinen hat auch die zeitgenössische Philosophie Spezial-Disziplinen ausgeprägt, die selbst von Fachleuten kaum noch überschaut werden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich unterschiedliche Methoden gegenüberstehen, die sich in der Auffassung, was gute Philosophie ausmacht, fundamental unterscheiden. Eine Philosophie, die nahe an den Kulturwissenschaften angesiedelt ist, hat es leichter, in den Feuilletons Beachtung zu finden. Sie ist aber oft im Fach selbst eher randständig. So entsteht ein verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit, für das zum Beispiel Peter Sloterdijk als Repräsentant der deutschen Philosophie gilt, während er mit seinen Schriften im philosophischen Fach so gut wie keine Rolle spielt.

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