Richard David Precht: „Wir haben keinen Anspruch auf Frieden“


Der 51-jährige Richard David Precht. FOTO: Andreas Endermann
Seine Bücher erreichen ein Millionenpublikum und wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Jetzt wird Richard David Precht auf der vierten Phil.Cologne gleich dreimal zu erleben sein. Wir sprachen mit dem Philosophen über die Globalisierung, Demokratie und die Suche nach Schuldigen in Krisenzeiten.
 

Von Lothar Schröder | RP ONLINE

Was können wir von den alten griechischen Philosophen heute lernen?

Precht Na ja, es gibt einiges, was heute frappierend aktuell ist. Dazu gehört die Tugendethik des Aristoteles. Nach unserem ethischen Verständnis scheint es nicht mehr auf uns selbst anzukommen, da es ja für alles Gesetze gibt und alles durch Institutionen geregelt wird. Die Moral ist eine Sache des Staates und nicht mehr der persönlich Lebensführung. Dazu gehören aber auch ökonomische Überlegungen. Nach Platon und Aristoteles sollte die Wirtschaft so konstruiert sein, dass sie möglichst nicht auf quantitatives Wachstum angewiesen ist. Das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was wir heute unter Wirtschaft verstehen. Das griechische Ideal war es, einen ökonomischen Kreislauf zu schaffen, der sich selbst genügt. Dazu gehörte auch, die Geldwirtschaft einzudämmen. Angesichts einer aus den Fugen geratenen Finanzwirtschaft ist das ein Aspekt, den wir heute wieder diskutieren.

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2 Comments

  1. Mir ist er unsympathisch. Gerade das antike Griechenland fur doch einen maximalen Expansionskurs. Aber die Situation ist möglicherweise ähnlich verlogen wie damals: Eine Elite Gedanken macht sich Gedanken um das gute und gerechte Leben, während sie sich von einer Horde Sklaven rundum versorgen lassen. Auf dem Niveau lässt sich gut Diskutieren, obs denn noch Wachstum braucht..

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  2. Fazit, der Mensch ist entweder in seiner Entwicklung noch nicht ausgereift (was ja noch auf Besserung hoffen ließe) oder er ist letztlich eine evolutionäre Fehlkonstruktion. Wie die Natur auf so etwas reagiert, sollte beim heutigen Stand der wissenschaftlichen Forschung, in Hinsicht auf Leben und Lebensformen auf unserem Planeten, eigentlich weitläufig bekannt sein. Es wird spätestens dann jedermann wissen, wenn es für alle Bemühungen zur Erhaltung unserer Spezies keine Möglichkeit mehr gibt. Der Erde schadet das nicht, im Gegenteil, für neue (hoffentlich erfolgsversprechendere) Experimente der Evolution steht kosmologisch gesehen, unendlich viel Zeit für Neukonstruktionen zur Verfügung.

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