Technik und Theologie: Gott ist online


Ein Kirchenfenster im Petersdom mit der Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube. (Foto: dpa)

„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, dass er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“

(Rudolf Bultmann)

Technologie und Theologie schließen sich aus? Das Gegenteil ist der Fall. Überlegungen zu einem digitalen Pfingstwunder.

Von Johan Schloemann | Süddeutsche.de

Ist das jetzt das Pfingstwunder der globalen Verständigung? Wenn die ersten Smartphone-Hersteller eine Sättigung am Markt erreicht haben, also bald jeder eines hat? Wenn, wie jetzt auch in Deutschland, überall die letzten Hürden fallen für ein freies Wlan für alle Menschen und alle Dinge? Die unendliche Kommunikation erfasst die universale Netzgemeinde wie eine Zungenrede, wie ein Brausen, ein mal lautes, oft aber auch eher stilles, unsichtbares Brausen. Und nein, die Leute sind gar nicht betrunken, wie der Apostel Petrus zu Pfingsten versicherte – sie erfüllen nur eine alte Prophetie: „Ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch.“

Digitalisierung und Erweckung sind immer schon eng verwandt. Das geht über einschlägig religiöse Zonen im Internet weit hinaus – also etwa Koran- oder Bibel-Apps, virtuelle Friedhöfe, „Chat-Andachten“, twitternde Päpste und Ähnliches mehr. Der ganze kalifornische Digitalkapitalismus, der nunmehr vielen gnadenlos erscheint, ist aus Erlösungshoffnungen der Hippiebewegung und der New-Age-Spiritualität hervorgegangen. Der kultische Charakter von Apple-Store-Eröffnungen entgeht inzwischen niemandem.

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