AfD-Forderung nach Abschaffung der Kirchensteuer


Bild: tilly
Bild: tilly
Keine Kirchensteuer mehr! Dass ein Politiker solch eine Forderung wieder einmal laut ausspricht. Darauf haben wir lange gewartet. Doch was tun, wenn diese Parole ausgerechnet aus den Reihen der AfD kommt?

Von Dennis Riehle | Richard Dawkins-Foundation

Beatrix von Storch, die zuerst auf Kinder an den Grenzen schießen lassen wollte, dann doch nur auf die Frauen – und die hinter den Kulissen die federführende Triebkraft für das Anti-Islam-Parteiprogramm gewesen sein soll, das kürzlich erst auf dem Parteitag beschlossen wurde, ausgerechnet sie ist es, die nun argumentiert, dass die Kirchen ihre Steuern gefälligst selbst eintreiben sollen.

Man könnte nun triumphieren, hört sich das doch alles nach einer areligiösen Partei an, die auf der einen Seite Minarette und den Muezzin als Machtsymbole des Islam ablehnt, andererseits den Staat verdonnern will, die Privilegien des Christentums aus Artikel 140 Grundgesetz langsam, aber sicher abzuschaffen. Daneben möchte sie auch keine Beschneidungen mehr tolerieren, kein Schächten und keine religiösen Rituale, die mit hiesigen Gesetzen nur durch Umwege vereinbar sind. Juden, Muslime, Christen, eigentlich alle müssen bluten, wenn man die Entwicklung der „Alternative für Deutschland“ in den letzten Monaten so betrachtet. Doch ist sie damit tatsächlich eine säkulare Kraft, der man als Atheist, Konfessionsloser oder Freidenker guten Gewissens seine Stimme geben kann?

Wer Kirchensteuer zahlt, ist noch nicht automatisch ein guter Christ – das hat spätestens Luther gelehrt. Und so ist auch noch kein guter Humanist, wer allein auf den Populismus hört, den selbst manch Atheist als lautes Geschrei in die Massen wirft. Denn eine Stärke hat die AfD: Taktisch klug erfasst sie eine nach der nächsten gesellschaftlichen Schicht, ohne sich dabei bei oberflächlichem Hinsehen selbst zu widersprechen. Denn es sind nicht die klassische Anhänger der römisch-katholischen Kirche oder der evangelischen Landeskirchen, die die „Alternative“ in ihren Reihen weiß – und um dessen Zustimmung sie fürchten müsste, würde sie sich nun mit Bischöfen und Finanzreferenten um die Taler anlegen.

weiterlesen

1 Comment

  1. Der deutsche Wähler, und hier hauptsächlich der wählende (Weihnachts-) Kirchgänger, hat in der Masse noch gar nicht gemerkt was mit ihm gespielt wird. Der ist bedauerlicherweise so doof und zahlt für den von ihm nicht erkannten Unfug. Leider ist es so, selbst bei Abschaffung der Kirchensteuer bläst der Staat, u.a. bedingt durch unsere Wahnsinnsgesetze, den Kirchen das Geld, auf vielfältigen anderen Wegen, wie Puderzucker in den Hintern. Auf der anderen Seite ist es so, dass jeder der dieses sauteure Prunkvergnügen und den ganzen Humbug zur angeblichen Errettung seiner Seele unbedingt braucht, dies bitteschön aus seiner Privatschatulle finanzieren soll. Den Kirchen ist es letztlich sicher wurscht woher sie ihren Mammon beziehen, hauptsache es ist sehr, sehr, … viel.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.