Selbstversuch eines Atheisten auf dem Katholikentag


Auf dem Katholikentag in Leipzig feiern Tausende ihre Kirche. Dabei ist in Sachsen kaum jemand fromm. Warum eigentlich? Ist Katholizismus nicht die spannendste Religion? Spurensuche eines Atheisten.

Von Felix Zwinzscher | DIE WELT

Als die Email von Papst Franziskus ankommt, stehe ich noch an Gleis 1 im Berliner Hauptbahnhof. „Liebe Brüder und Schwestern …“, schreibt er. Ich bin enttäuscht. Ehrlich. „Meine Schäfchen…“, oder was auch immer das lateinische Äquivalent dazu ist, hätte ich erwartet, sogar erhofft. Einfach etwas weniger Kumpelhaftes, nicht so zugänglich menschelnd. Schließlich spricht hier der irdische Stellvertreter Jesus Christi zu den Menschen, der Pontifex Maximus, der Fels in der Brandung, der oberste Priester der Weltkirche. Ein bisschen mehr Autorität wäre schon drin gewesen, oder?

Sie müssen wissen, dass ich zu diesem Zeitpunkt als ungetaufter, jugendgeweihter und am Ende des Sozialismus gebürtiger Sachse auf dem Weg zum 100. Katholikentag nach Leipzig bin. Ein heidnischer Ureinwohner, der die soeben gestrandeten Exoten bestaunen will. Innerhalb meiner sogenannten Kernfamilie ist lediglich mein Vater getauft, evangelisch. Das hat man auf dem Dorf einfach so gemacht. Konkrete Auswirkungen hatte das keine. Vielleicht war es der Grund, weshalb wir gefühlt ein Drittel aller Italienurlaube in Kirchen und auf Friedhöfen verbracht haben. Nur waren die alle katholisch.

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