Toxische Pflanzen: Das Gift aus dem Garten


Brugmansia aurea, Engelstrompete. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Engelstrompeten und Stechäpfel enthalten giftige Alkaloide. Immer wieder werden diese Pflanzen verzehrt. Dabei rufen sie gefährliche psychotische Schübe.

Von Kurt de Swaaf | derStandard.at

er Fall erregte Aufsehen. Im Sommer 2006 wurde im Universitätsklinikum Halle an der Saale ein schwer verletzter junger Mann eingeliefert. Der 18-Jährige hatte sich mit einer Rosenschere den eigenen Penis und einen Teil der Zunge abgeschnitten: Wiederannähen ausgeschlossen. Der Patient war im Toilettenhäuschen im Garten seiner Großmutter zur Tat geschritten. Was ihn zu der Selbstverstümmelung veranlasst hatte, blieb zunächst unklar. Erst am nächsten Tag konnte ihn ein Psychiater befragen. Der Betroffene litt zwar unter Gedächtnisverlust, erinnerte sich aber noch daran, dass er rund fünf Stunden vor der blutigen Tat einen Tee getrunken hatte, selbstgebrüht aus zwei Engelstrompetenblüten. Das Gebräu löste offensichtlich eine akute Psychose aus.

Nicht nur die Zeitungen griffen die Geschichte auf. In den einschlägigen Internetforen experimentierfreudiger Drogenkonsumenten gruselte und empörte man sich. Vom Vorwurf der Panikmache war da die Rede, manche Forenteilnehmer zogen gar den Wahrheitsgehalt der Berichterstattung in Zweifel. Die Hallenser Ärzte indes veröffentlichten eine kurze Meldung im Fachjournal European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience (Bd. 256, S. 458), damit wurde der Fall zu den Akten gelegt. Ein juristisches Nachspiel gab es nicht. Denn weder die Selbstverstümmelung noch der Verzehr von Engelstrompeten sind strafbar.

weiterlesen