Philosoph Wolfram Eilenberger: „Die integrative Kraft des Sports ist ein Mythos“


Die deutschen Spieler posieren für das Teamfoto vor dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Slowakei am Wochenende. (dpa / Christian Charisius)
Der Philosoph Wolfram Eilenberger sieht in Deutschland ein hohes Maß an Alltagsrassismus. Die angebliche Boateng-Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland nannte er im Deutschlandfunk unverantwortlich. Die „integrative Kraft des Sports“ bezeichnete Eilenberger allerdings als Mythos: „Wir bilden uns ein, dass der Sport eine sehr starke integrative Kraft hat, während das nur in zwei, drei Sportarten der Fall ist.“

Wolfram Eilenberger im Gespräch mit Dirk Müller | Deutschlandfunk

Wolfram Eilenberger ist Chefredakteur des „Philosophie-Magazins“, hat aber auch eine Trainerlizenz des Deutschen Fußball-Bunds und ist als aktiver Spieler Teil der deutschen Autoren-Nationalmannschaft.

Er sagte im Deutschlandfunk: „Die Tatsache, dass Herr Gauland in welcher Form auch immer hier eine rassistische Instrumentalisierung vornimmt, die ist überhaupt nicht überraschend, die liegt in der Kommunikationsstrategie dieser Rechtspopulisten, und wir werden in der Zukunft, in den nächsten Wochen mehr davon sehen.“ Dazu gehöre etwa der Gesinnungstest in der Frage, welcher Nationalspieler vor den EM-Spielen die Hymne mitsinge – der habe allerdings etwas fast schon Terroristisches.

„Nationalmannschaften normativ aufgeladen“

Dass viele Fans Migranten in der Nationalmannschaft begrüßen würden, Migranten in der Realität aber ablehnten, hält Eilenberger für einen Fall von „kognitiver Dissonanz“. Es gebe weiter ein hohes Maß an Alltagsrassismus. Als Beschreibung sei Gaulands kolportierte Aussage wohl nicht falsch; interessant sei aber, dass der AfD-Vizevorsitzende das nicht bedaure, sondern politisches Kapital daraus schlagen wolle: „Wenn Herr Gauland das bestätigend und fast schon hämisch sagt, und sagt, das ist genau das, was unsere Wähler wollen, dann begeht er eine Unverantwortlichkeit. Wenn man anmahnt, dass es in diesem Bereich noch viel zu tun gibt, dann ist es keine Unverantwortlichkeit.“

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