Die Linke und der Leipziger Katholikentag – ein Paradox


Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Sachsens Linke wollen einerseits eine strikte Trennung von Staat und Kirche, sich andererseits aber auch auf dem Katholikentag wohlfühlen.
 

Von Gerhard Besier | kath.net

Seit Jahren macht der stärkste Landesverband der Partei „Die Linke“ – der sächsische – entschlossen Front gegen das deutsche Staatskirchen-System. In der vordersten Reihe der klaren Trennungsbefürworter stehen nicht die älteren, noch in der DDR sozialisierten Genossen, sondern die jungen, ehrgeizigen Berufspolitiker – allen voran der Rechtsanwalt und Landtagsabgeordnete André Schollbach. Seit seiner Wahl in den Sächsischen Landtag im Herbst 2014 hat Schollbach systematisch „Kleine Anfragen“ an die Sächsische Staatsregierung gestellt, um die in der Tat massiven staatlichen Zahlungen und weitere Vergünstigungen für die Kirchen offenzulegen.

Seit 1993 580 Millionen Euro an die Kirchen

Seinen Recherchen zufolge haben die evangelische und katholische Kirche im Freistaat Sachsen seit 1993 mindestens 580 Millionen Euro aus der Staatskasse erhalten (evangelische Kirche: 549,3 Millionen Euro; katholische Kirche: 30,7 Millionen Euro). Hierin sind u. a. pauschalisierte Staatsleistungen des Freistaates Sachsen enthalten, die 2015 ein Rekordniveau erreichten. So erhielten im vergangenen Jahr die evangelische Kirche 23.463.736,00 Euro (Jahr 2014: 22.894.987,23 Euro) und die katholische Kirche 938.549,34 Euro (Jahr 2014: 915.799,41 Euro) an pauschalisierten Staatsleistungen aus öffentlichen Kassen. Seit der erstmaligen Zahlung im Jahr 1993 haben sich diese Gelder nahezu verdoppelt. Damals bekamen die evangelische Kirche 25.000.000,00 DM (12.782.297,03 Euro) und die katholische Kirche 1.000.000,00 DM (511.291,88 Euro). Von 1993 bis 2015 zahlte der Freistaat insgesamt 427.582.616,62 Euro an Staatsleistungen an die Kirchen.
100.000 Minuten kostenlose Hörfunksendezeit

Zudem erhielten die Kirchen weitere Zahlungen aus dem Staatssäckel, zum Beispiel für den Religionsunterricht (49,86 Millionen Euro) oder für kirchliche Kulturdenkmale (80,78 Millionen Euro). Weiterhin bekamen die Kirchen erhebliche geldwerte Vergünstigungen, so etwa allein im Zeitraum von 2000 bis 2015 über 100.000 Minuten kostenlose Hörfunksendezeit und über 3.800 Minuten kostenlose Fernsehsendezeit.

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