Irren ist menschlich

Michael Pauen bietet mit seinem Buch einen erfrischenden Blickwinkel über die Natur des Bewusstseins. (imago / Science Photo Library)
Heftig wird über die Natur des Bewusstseins gestritten. Für die einen gibt es nichts als komplexe Muster von Nervenerregungen, für die anderen schwebt das Erleben in einer eigenen Sphäre, abgetrennt von den Gesetzen der Physik. Jetzt mischt sich Michael Pauen mit „Die Natur des Geistes“ in die Debatte ein.

Von Volkart Wildermuth | Deutschlandradio Kultur

Philosophen und Neurowissenschaftler streiten – oft mit viel Begeisterung – über die Natur des Bewusstseins. Für die einen gibt es nichts als komplexe Muster von Nervenerregungen, für die anderen schwebt das Erleben in einer eigenen Sphäre, abgetrennt von den Gesetzen der Physik. Kompromisse werden nicht gemacht. Die Debatte ist polarisiert. Umso erfrischender, dass der Berliner Philosoph Michael Pauen in seinem Buch „Die Natur des Geistes“ für mehr Gelassenheit plädiert. Trotz aller Forscheranstrengungen ist es seiner Meinung nach zu früh, um endgültige Antworten zu geben. Entscheidend sei, zunächst die relevanten Fragen zu formulieren und Denkblockaden aus dem Weg zu räumen.

Denkprozesse als „Rechenleistung“

Sein Buch beginnt Pauen mit einem informativen Schnelldurchlauf durch die Geschichte der „Philosophie des Geistes“. Angefangen in der Antike und im Mittelalter, wo die Seele als eine besondere Substanz galt und die entscheidende Frage noch lautete: Woher kommt sie, wohin geht sie? In der Neuzeit ging es dann immer mehr darum, welche Funktionen der Geist hat und wie diese Funktionen realisiert werden. Gerade der rationale Verstand galt als Rätsel, während Emotionen und Empfindungen als vergleichsweise einfach erschienen, weil auch Tiere sie besitzen. Mit dem Aufkommen der Computertechnik kehrte sich das Bild um: Denkprozesse waren plötzlich als „Rechenleistung“ vorstellbar.

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Unsere Rechtsgemeinschaft

© dpa Hinter Europa steckt mehr als eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft – Nur in gemeinsam verantworteter europäischer Politik liegt eine Chance.
Die Grundlagen der europäischen Lebensweise sind keine bürokratischen Konstruktionen, sondern in Jahrhunderten erstritten worden. Eine Widerrede gegen den defätistischen Geist der Europaskepsis.

Von Michael Stolleis | Frankfurter Allgemeine

Nun, da alle über die „Krise Europas“ sprechen, scheint es fast überflüssig, nochmals an ihre Geschichte zu erinnern. Die Spannungen zeigen sich nicht nur an der Peripherie, in der Ukraine und in der Türkei, in Syrien und Israel. Sie sind ebenso präsent im Inneren der EU, in den Ausstiegsdebatten in Griechenland und England, in den Autonomiewünschen Schottlands und Kataloniens, in den Verlautbarungen von Front National oder AfD. Die EU-Mitgliedsländer Ungarn und Polen weisen inzwischen deutliche Züge von autoritären Nationalismen auf, erst recht Russland, Weißrussland und die Türkei. Xenophobe Züge gibt es nicht nur in den EU-Mitgliedern Slowakei, Kroatien und Österreich, sondern mitten in Deutschland.

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Syrer verriet seine Terror-Komplizen aus Liebe zur Tochter

Der Anschlag war nahe der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt von Düsseldorf geplant © Maja Hitij/DPA
Drei Syrer hatten den Auftrag für ein Attentat in Düsseldorf im Namen des IS – einer von ihnen hatte aber offenbar Gewissensbisse. Aus Liebe zu seiner Tochter hat er die Pläne für den Terroranschlag verraten.
 

stern.de

Die französische Justiz hat Details zu dem Syrer bekannt gegeben, dessen Aussage zur Festnahme von drei mutmaßlichen Dschihadisten in Deutschland geführt hat. Der 28-jährige Saleh A. sei über die von Flüchtlingen genutzte Balkanroute nach Europa gekommen, habe sich am 1. Februar freiwillig auf einem Pariser Kommissariat gemeldet und umfassend über die Pläne für einen Anschlag in Düsseldorf berichtet, hieß es am Donnerstagabend in Paris.

Die Aussage des Syrers in Frankreich vereitelte offenbar ein Attentat von Aktivisten der Dschihadistenmiliz IS in Deutschland. Am 1. Februar sei Saleh A. auf einem Kommissariat im Pariser Viertel La Goutte d’Or erschienen, hieß es am Donnerstagabend in Justizkreisen der französischen Hauptstadt. Er habe ausgesagt, dass er „Informationen über eine Schläferzelle“ habe, die bereit sei, „in Deutschland zuzuschlagen“.

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Religion auf Staatskosten

Wie Verdruss über Medien entsteht, studiert man am besten an sich selbst. Mich beschäftigt seit der Rushdie-Affäre auch journalistisch das Verhältnis des Westens zum Islam. Wer sich intensiver mit dieser Frage befasst und nicht zum kulturalistischen Heuchler werden will, muss sich allerdings auch mit Religion im weiteren Sinne, also auch den Kirchen auseinandersetzen.

Von Thierry Chervel | DIE WELT

Das Verhältnis der deutschen Politik zum Islam versteht nur, wer den deutschen Burgfrieden mit den Kirchen versteht. Um den einstigen Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken zu entschärfen, nahm der Staat die Kirchen unter seine Fittiche, etwa indem er die Steuern für sie einzieht. Die Kirchen sind bestens alimentiert und schon darum in jener friedlichen Stimmung, die sie ja verbreiten sollen. Kein Wunder, dass muslimische Repräsentanten von einem ähnlichen Status träumen.

Darum wundert es mich, dass die weitgehende Finanzierung des Katholikentags durch die öffentliche Hand so gut wie nirgends Thema war. Wie kommt es, dass Medien an der Frage zum Verhältnis von Staat und Religion so geringes Interesse haben? Wer die Stichwörter „Katholikentag“ und „Finanzierung“ bei Google eingibt, stößt auf die „Leipziger Internetzeitung“ oder den „Humanistischen Pressedienst“. Große Medien streiften das Thema in Nebensätzen.

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Menschenrecht auf Religionsfreiheit zunehmend unter Druck

Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Bild: hpd.de

Das Recht auf Religionsfreiheit gilt Wissenschaftlern zufolge für alle Religionen gleich und lässt sich entgegen Anti-Islam-Positionen der AfD nicht verschiedenen Religionen unterschiedlich stark zusprechen.

hpd.de

„Wer die Religionsfreiheit für politische oder religiöse Einzelinteressen vereinnahmt, unterläuft ihren menschenrechtlichen Charakter“, sagte die Sozialethikerin und Menschenrechtsexpertin Prof. Dr. Heimbach-Steins vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster am Dienstagabend in der Ringvorlesung „Religionspolitik heute“. Die Religionsfreiheit diene gerade nicht dazu, „eine bestimmte Religion unter ‚Artenschutz‘ zu stellen“ oder andere auszuschließen. Sie lasse sich auch nicht unter einen Kulturvorbehalt stellen, wie es AfD-Mitglieder für den Islam versuchten, nach deren Auffassung Religionen nur dann von der Religionsfreiheit profitieren könnten, wenn sie in der entsprechenden Kultur „nicht fremd“ seien.

In der weltanschaulich und religiös zunehmend vielfältigen Gesellschaft werde das Menschenrecht auf Religionsfreiheit künftig noch mehr in Frage gestellt, prognostizierte die Wissenschaftlerin. Die Religionsfreiheit gerate gerade dort unter Druck, wo der Verdacht bestehe, sie diene „bloßen Partikularinteressen oder Privilegien“. Wer glaube, der Staat solle eine bestimmte Religion schützen und ihre Dominanz sichern, verfehle jedoch den Anspruch der Religionsfreiheit im Kern. Diese Position, die die katholische Kirche früher vertreten habe, sei heute noch in islamischen Staaten anzutreffen. „Stattdessen sollten Gesellschaften sich der Herausforderung der Vielfalt stellen und den Streit über Weltanschauungen kultivieren“, sagte die Wissenschaftlerin. „Weltanschauliche und religiöse Spannungen sind nicht durch staatlich verordnete Privatisierung oder Verbannung irritierender Überzeugungen und deren Äußerung aus dem öffentlichen Raum zu lösen.“

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Judenhass als Teil der Erziehung

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Kann es sein, dass Geschichtsunterricht an deutschen Schulen antiisraelische und auch antisemitische Haltungen unter Jugendlichen verstärkt, fragt unser Gastautor Burak Yilmaz. In Duisburg arbeitet er als Gruppenleiter beim Projekt “Junge Muslime in Auschwitz”. Wie arbeitet man mit Jugendlichen, die zum Judenhass erzogen wurden?
 

Von Burak Yilmaz | DIE KOLUMNISTEN

“Es gibt Menschen, die dein Land wollen!”, sagt Cem zu seinem Sohn Musa. “Mit furchtbaren Hackennasen. Es sind keine Menschen, es sind Kreaturen!”, schreit Cem ihn weiter an. Musa ist ein kleines Kind, spricht seinem Vater die Worte nach und bekommt von diesem eine Waffe in die Hand gedrückt. “Diese widerlichen Juden! Ich hasse sie abgrundtief, ich hasse sie!”, verabschiedet sich Cem aus der Szene. Sein Sohn Musa hat die Waffe in der Hand, richtet sich auf und wiederholt in einer Beschwörungsformel mehrmals die Worte seines Vaters: “Juden, Ich hasse sie! Ich hasse sie! Ich hasse sie!” Der Hass ist übertragen.

Botschaft des Hasses

Diese Szene aus unserem Theaterstück “Coexist” zeigt ein Grundmuster der Erziehung, das sich in abgeschwächter Form auch in patriarchalen Familien in Teilen der muslimischen Community wiederfindet. Das Kind bekommt eine Verheißung auf Macht und Besitz, während man sich gemeinsam auf einen Feind einschwört. Hass wird hier begriffen als Notwendigkeit das Eigene zu bewahren und zu schützen. Der Vater grenzt seinen Sohn gegen das Andere ab, das als das absolut Böse vermittelt wird. Er kreiert ein Feindbild, an dem man seine Aggressionen auslassen kann und gibt auf subtile Art und Weise seinem Kind die Einstellung mit: “Wenn du mich liebst, dann folgst du meiner Hassbotschaft!”

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Hindu-Sekte in Nordindien: 17 Tote nach Räumung eines Parks

In der nordindischen Stadt Mathura sind mindestens 17 Menschen getötet worden, als die Polizei versuchte, einen besetzten Park zu räumen. Das bestätigte die örtliche Polizei am Freitag.

Neue Zürcher Zeitung

Mehr als 2000 politische Aktivisten einer Hindu-Sekte hatten den Park seit mehr als zwei Jahren besetzt gehalten. Als Polizisten am späten Donnerstag am Park eingetroffen seien, um die Besetzer über die Räumung zu informieren, hätten diese geschossen, erklärte die Polizei.

«Einige der Besetzer hatten Gewehre und Pistolen und eröffneten das Feuer auf die Polizei», sagte der Beamte Arun Kumar der Deutschen Presse-Agentur. «Mindestens 15 Besetzer und zwei Polizisten wurden beim anschliessenden Feuergefecht getötet.» Zu den Verletzten könne die Polizei zunächst keine Angaben machen. Auch am Freitagmorgen sei die Situation immer noch angespannt.

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Islam-Zentrum in Münster wird zur Fakultät aufgewertet

Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Bild: MiGAZIN
In Münster soll der bundesweit erste „Campus der Religionen“ entstehen. Die Katholisch- und Evangelisch-Theologische Fakultät sowie das Zentrum für Islamische Theologie sollen zusammengelegt werden. Die neue Zusammensetzung solle auch den interreligiösen Austausch fördern.

MiGAZIN

Die Universität Münster plant den ersten bundesweiten „Campus der Religionen“. Der Senat der Westfälischen Wilhelms-Universität stimmte am Mittwochabend in Münster geschlossen dem Rektoratsvorhaben zu, die Katholisch- und Evangelisch-Theologische Fakultät mit dem Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) zusammenzulegen. In diesem Zusammenhang soll das Islam-Zentrum, an dem derzeit 600 Studierende eingeschrieben sind, zu einer Islamisch-Theologischen Fakultät aufgewertet werden, wie es hieß. Der erste Gebäude auf dem neuen Campus soll Mitte 2021 fertig sein. Ein Architektenwettbewerb soll demnächst ausgeschrieben werden.

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„Die Geschichte von 9/11 muss neu geschrieben werden“

wtc_911Haben saudische Regierungsbeamte die Attentäter des 11. September finanziert? In der ARD redet einer, der es wissen könnte, erstaunlich offen. Es geht um ein bis heute streng geheimes Dokument.

Frankfurter Allgemeine

Schwere Vorwürfe gegen einen der wichtigsten Verbündeten Amerikas im Nahen Osten: Es habe „systematische Unterstützung“ aus Saudi-Arabien für die Attentäter des 11. September 2001 gegeben, sagte der frühere Senator Bob Graham dem ARD-Magazin Monitor. Die saudische Regierung sowie in Amerika stationierte Diplomaten seien an der Finanzierung der Terroristen beteiligt gewesen.

Der Verdacht gegen Saudi-Arabien steht schon seit Jahren im Raum, kann aber unter anderem deshalb nicht belegt werden, weil ein brisantes Dokument seit 2002 teilweise unter Verschluss gehalten wird. Es geht um den Abschlussbericht einer Untersuchungskommission von Senat und Repräsentantenhaus, deren Vorsitzender Graham war. 28 Seiten aus diesem Bericht waren auf Anweisung des damaligen Präsidenten George W. Bush nur geschwärzt veröffentlicht worden. Laut Inhaltsangabe soll es darin um die „ausländische Unterstützung“ einiger Attentäter gehen.

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Esoterik: Aberglaube nimmt immer mehr zu

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Was macht Menschen empfänglich für Übersinnliches? Aberglaube und Esoterik spielen auch im Alltag des 21. Jahrhunderts eine Rolle. Eine Spurensuche bei Fans und Forschern.
 

Frankfurter Rundschau

Bis auf die Toilette des englischen Fußballvereins FC Chelsea hat es der Aberglaube geschafft. Kapitän John Terry schwört auf die erfolgbringende Wirkung, wenn er in der heimischen Umkleidekabine nur ein bestimmtes Pinkelbecken benutzt. So erzählt es der 35-Jährige. Einige Teamkollegen zogen nach. Das Ritual soll helfen, den Sieg herbei zu pinkeln.

Glauben an höhere Kräfte spielte auch im oberpfälzischen Willmering eine Rolle, als eine Serie tödlicher Verkehrsunfälle gestoppt werden sollte. Dabei entschied der Gemeinderat schon vor Jahren, einen Wunderheiler zu engagieren. Dieser installierte drei Boxen an der gefährlichen Strecke der Bundesstraße 22. Zur „Entstörung“ gegen Strahlen. Kosten: 1677,90 Euro. Die Reihe der Todesfälle riss ab – warum auch immer.

Unabhängig davon, dass manche von Humbug reden, zeigt beides: Esoterik hat sich im Alltag des 21. Jahrhunderts festgesetzt. Und die Vielfalt der Angebote wächst. Ob Schamane, Schutzengel oder Heilstein – jeder entscheidet längst für sich alleine, wo die Grenze zwischen Sinn und Unsinn liegt.

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Kirche und Flüchtlinge: Die Drohbotschaft ist zurück

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki: Parteigänger in einer weltanschaulich umkämpften Debatte. picture alliance
Der richtige Umgang mit der Flüchtlingskrise ist umstritten. Die Kirchen haben sich festgelegt: Wer für eine begrenzte Aufnahme plädiert, kann kein guter Christ sein. Nur eine unbedingte Willkommenskultur sei christlich. Auf diese Weise werden Kirchenfunktionäre zu Parteigängern und treiben ihren Bedeutungsverlust voran

Von Alexander Kissler | Cicero

Bisher schien die Sache klar: Die Kirchen haben sich in einem mühsamen, teils selbstkritischen, teils aufgezwungenen Prozess von der „Drohbotschaft“ zur „Frohbotschaft“ durchgekämpft. Die Protestanten überwanden das protestantische Tugendregiment mit seiner rigiden Sozialkontrolle, die Katholiken Ablass, Sündenbüchlein und Flagellantentum. Heute – heißt es – gebe es in den Kirchen nur Friede und Lebenswirklichkeit, Dialog und Augenhöhe, free hugs for everyone. Im Zuge der Flüchtlingskrise kehrt nun die drohende, ausgrenzende Kirche zurück. Die Drohbotschaft ist wieder da.

Kirchen fallen hinter den eigenen Anspruch zurück

Natürlich war die lineare Fortschrittserzählung nicht ohne historische Flickschusterei zu haben, und natürlich ist die nachträgliche Gegenüberstellung von Gemeindefreude nun und Kanzeldrohung einst arg schematisch. Man frage Mentalitätshistoriker, ob bei den Menschen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts immer Heulen und Zähneklappern angesagt waren, wenn das Dorf sich zum Gottesdienst versammelte. Doch die Erfolgsgeschichte vom kirchlichen Weg ans Licht bezieht gerade aus dem Triumphalismus der Gegenwärtigen ihren Reiz. Sie wurde und wird von derselben Klientel vertreten, die heute ins Fuchteln, Drohen und Aburteilen zurückfällt – in der Überzeugung, das Gegenteil zu tun. Die Kirchen sind neben Pro Asyl die letzten Vertreter einer unkonditionierten, unbegrenzten Willkommenskultur. Unter den Christen, die da zweifeln und zögern, machen sie keine Gefangenen. Die Skeptiker werden ausgemeindet.

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Gegen die Verstocktheit der Türkei hilft nur Druck

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Hrant Dink, der ermordete türkisch-armenische Publizist, meinte einst, Türken und Armenier seien klinische Fälle, die der Therapie bedürften. Dagegen kann der Bundestag mit seiner Resolution helfen.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Der deutsch-türkische Autor Tayfun Guttstadt hat kürzlich den verquasten Blick vieler Türken auf den Völkermord an den Armeniern, Aramäern und Pontosgriechen ausgedrückt: „Wir haben sie nicht umgebracht, aber wir würden es wieder tun!“, zitierte er aus einem Gespräch mit einem türkischen Nationalisten. Das ganze Elend in einem Bonmot: Die hysterische Abwehr wie das ins Unterbewusstsein verdrängte Wissen um das Gründungsverbrechen der Republik.

Kein Wunder, dass der armenisch-türkische Publizist Hrant Dink meinte, Türken wie Armenier seien „klinische Fälle“, die der Therapie bedürften. „Das einzige Rezept ist der Dialog“, sagte Dink, weshalb er die in Frankreich beschlossene Resolution als kontraproduktiv kritisierte und die Fixierung der armenischen Diaspora auf den Begriff „Völkermord“ zurückwies, weil dies nur Abwehrreflexe erzeuge.

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V-Mann-Material als „privates Eigentum“ getarnt

Ein Verfassungsschützer hielt Akten, ein Handy und SIM-Karten seines V-Manns unerkannt unter Verschluss. Der Chef des Amtes, Hans-Georg Maaßen, gibt zu, das Material sei noch nicht ganz ausgewertet.

Von Stefan Aust, Helmar Büchel, Dirk Laabs | DIE WELT

Mehrere Dutzend V-Männer verschiedener Verfassungsschutzbehörden waren über Jahre im Umfeld des NSU eingesetzt. Niemand kam nach jetzigem Wissensstand der Terrorgruppe näher als die V-Männer des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) mit den Tarnnamen Corelli und Primus. Corelli alias Thomas Richter berichtete von Halle an der Saale aus, Primus alias Ralf Marschner kam aus Zwickau, dort, wo Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zehn Jahre gelebt haben.

Die Führung des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte in den letzten Jahren verschiedenen Vertretern des Bundestages mehrfach versprochen, alle Fakten, Akten und Erkenntnisse über diese V-Männer offenzulegen. Doch am Donnerstag wurde im Bundestag abermals offensichtlich, dass Mitarbeiter des Amtes noch immer Informationen über die V-Männer des Amtes zurückhalten.

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Currents Are the Secret to an Antarctic Climate Change Mystery

Mackenzie Bay, Antarctica. Image: NASA Goddard Space Flight Center
Mackenzie Bay, Antarctica. Image: NASA Goddard Space Flight Center
Is Antarctica melting or not? This question has been asked time and time again by scientists and climate change deniers alike. Climate models and ice records have shown that for some reason, warming in the Southern Ocean is happening at a significantly delayed rate.

By Sarah Emerson | MOTHERBOARD

For skeptics, Antarctica’s sea ice growth in the face of global warming has provided false ammunition against the existence of anthropogenic climate change. But for scientists, the southernmost continent’s seeming resilience has offered an invaluable opportunity to examine a relatively untouched ocean ecosystem before it succumbs to rising temperatures.

A study published this week in Nature Geoscience provides new insights into why the waters surrounding Antarctica stand to be the last places on Earth affected by climate change. What researchers discovered was that centuries-old ocean currents—seawater that hasn’t touched the planet’s atmosphere since long before the Industrial Revolution—are responsible for keeping the Southern Ocean cold. For now.

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Juden empört über Veröffentlichung von AfD-Politiker Gedeon

Jüdische Spitzenrepräsentanten reagieren empört auf Veröffentlichungen des baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Barbara Traub, die Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, nannte Textauszüge eines 2012 von Gedeon veröffentlichten Buchs „einen krassen Fall von Antisemitismus“.

evangelisch.de

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte der „Bild“-Zeitung, die die Passagen am Donnerstag veröffentlicht hatte, Gedeon müsse aus der Fraktion ausgeschlossen werden. Traub erklärte: „Solch ein Politiker sollte im Landtag eines demokratischen Landes keinen Platz haben.“ Lars Neuberger, Vorstandsreferent der Religionsgemeinschaft, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), rechtliche Schritte gegen den Buchautor würden geprüft.

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AKP-Politiker droht deutschen „Verrätern“

Erdo_IS

Die Reaktionen auf die Bundestag-Resolution zu Armenien sind scharf: Die Türkei zieht ihren Botschafter ab, ein Abgeordneter von Erdogans AKP droht türkischstämmigen Abgeordneten.

Von Steven Geyer | Frankfurter Rundschau

Solche Mehrheiten sind selten im Deutschen Bundestag – bei einem monatelang derart umstrittenen Gesetz gibt es sie sonst nie: Mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat das Parlament an diesem Donnerstag der Resolution zugestimmt, die des osmanischen Völkermords an den Armeniern von 1915 gedenkt und die deutsche Mitschuld einräumt.

Auf der Besuchertribüne verfolgten die beiden Botschafter der Türkei und Armeniens noch die Debatte – die dritte  zum Thema im Bundestag –, kurz nach der Abstimmung  kündigte die türkische Regierung dann schon an, den eigenen Botschafter aus Berlin zurückzurufen. Damit seien die deutsch-türkischen Beziehungen ernsthaft beschädigt, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan während einer Kenia-Reise.

Der AKP-Abgeordnete Burhan Kuzu bezeichnete türkischstämmige Unterstützer der Resolution als „Verräter“ und warnte sie vor Reisen in die Türkei. Kuzu ist Mitglied des Vorstands der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP.

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Diaspora leaders warn PM of ‘major rift’ if Western Wall plan collapses

Conservative Jews pray at the temporary egalitarian Robinson’s Arch prayer pavilion at the southern end of the Western Wall in Jerusalem’s Old City on July 30, 2014. (Robert Swift/Flash90)
As ultra-Orthodox parties stymie implementation of pluralistic prayer pavilion, Diaspora Jewish heads hold crisis talks at PMO, look to Netanyahu to prove his leadership

By Amanda Borschel-Dan | The Times of Israel

Disappointment and frustration” characterized the mood at the end of Wednesday’s high-level meeting on a planned pluralistic prayer pavilion at the Western Wall with top Liberal Jewish leaders at the Prime Minister’s Office, said Rabbi Rick Jacobs, president of the Union for Reform Judaism.

Prime Minister Benjamin Netanyahu’s office issued a statement after the meeting saying that he continues to work on the issue and is committed to resolving the matter. Netanyahu attended about a third of the 90-minute meeting.

Jacobs said he expected to see progress in a matter of weeks. “There is a deep concern, bordering on disbelief, that this deal may not be implemented,” Jacobs said.

The Western Wall compromise, passed in a January 31 cabinet decision that reflected the work of years of negotiations, called for a permanent prayer platform to be built along the southern end of the Western Wall in an area of the Davidson Archeological park, otherwise known as Robinson’s Arch. There is currently a temporary prayer platform set up there in two distinct areas of the park.

The plan was heralded as a symbol of “Jewish unity” throughout most of the Jewish Diaspora. But within days of its jubilant announcement — a headline which splashed across international media — the cabinet decision drew the ire of the ultra-Orthodox parties in Prime Minister Benjamin Netanyahu’s tenuous coalition who view the Western Wall pavilion as an open-air Orthodox synagogue. Its implementation has been stymied for the past four months.

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