Religion auf Staatskosten


Wie Verdruss über Medien entsteht, studiert man am besten an sich selbst. Mich beschäftigt seit der Rushdie-Affäre auch journalistisch das Verhältnis des Westens zum Islam. Wer sich intensiver mit dieser Frage befasst und nicht zum kulturalistischen Heuchler werden will, muss sich allerdings auch mit Religion im weiteren Sinne, also auch den Kirchen auseinandersetzen.

Von Thierry Chervel | DIE WELT

Das Verhältnis der deutschen Politik zum Islam versteht nur, wer den deutschen Burgfrieden mit den Kirchen versteht. Um den einstigen Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken zu entschärfen, nahm der Staat die Kirchen unter seine Fittiche, etwa indem er die Steuern für sie einzieht. Die Kirchen sind bestens alimentiert und schon darum in jener friedlichen Stimmung, die sie ja verbreiten sollen. Kein Wunder, dass muslimische Repräsentanten von einem ähnlichen Status träumen.

Darum wundert es mich, dass die weitgehende Finanzierung des Katholikentags durch die öffentliche Hand so gut wie nirgends Thema war. Wie kommt es, dass Medien an der Frage zum Verhältnis von Staat und Religion so geringes Interesse haben? Wer die Stichwörter „Katholikentag“ und „Finanzierung“ bei Google eingibt, stößt auf die „Leipziger Internetzeitung“ oder den „Humanistischen Pressedienst“. Große Medien streiften das Thema in Nebensätzen.

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