„Religion ist Revolte aus der Perspektive der Freiheit“


Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Der Zweifel an der Endlichkeit ist der Kerngedanke von Religion. So die Kernthese von Volker Ladenthin. „Religion revoltiert gegen die Auffassung, unser menschengemachtes Leben sei das endgültige Leben“, sagte der Bonner Erziehungswissenschaftler im Deutschlandfunk. In diesem Sinne sei das Religiöse in jedem Menschen verankert.
 

Volker Ladenthin im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Volker Ladenthin ist Professor für Historische und Systematische Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn. Er unterscheidet Religion von Konfessionen. Wenn Konfessionen den Zweifel zurückdrängen wollen, sind sie nicht mehr Religion, sondern Ideologie. Denn: Ohne Zweifel keine Religion. Konfessionen können aus vielen Gründen „unreligiös“ werden. „Wenn Konfessionen glauben, uns Regeln geben zu können, wie wir politischen Alltag gestalten, dann werden sie übergriffig“, so Ladenthin im Deutschlandfunk.

Andreas Main: Volker Ladenthin ist  Professor für Historische und Systematische Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn. Er hat ein kleines Buch geschrieben, mit dem Titel „Zweifeln, nicht verzweifeln! Warum wir Religion brauchen.“ Es ist keinesfalls ein Bekenntnisbuch – aber auch keine wissenschaftliche Studie. Eher ein Essay. Ladenthin schreibt dieses Buch als Bürger, als Erziehungswissenschaftler, als Vater. Nicht als Theologe oder Religionswissenschaftler. Womöglich eine Perspektive, die neu ist und überrascht. Das wollen wir jetzt überprüfen im Gespräch mit dem Autor, der uns in Bonn zugeschaltet ist. Guten Morgen, Herr Ladenthin.

Volker Ladenthin: Guten Morgen, Herr Main.

Main: Ich nehme den Untertitel Ihres Buches auf, packe den Stier bei den Hörnern und frage Sie ganz direkt, weil wir dann beim Kern dessen sind, worüber Sie nachdenken: Warum, Herr Ladenthin, warum brauchen wir Religion?

Ladenthin: Wir brauchen Religion als Bewusstsein über Religion, weil wir immer schon in Religion sind. Wir handeln schon immer unter Voraussetzungen, die nicht die Voraussetzungen unserer Vernunft sind, sondern die den Glauben an unsere Vernunft ausmachen. Insofern brauchen wir Religion, weil wir immer schon in ihr sind.

weiterlesen