Ukraine ehrt Pogrom-Verantwortungsverdächtigen


Symon Petlura, Bild wikimedia.org/PD

Am 25. Mai unterbrach das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Ukraine seine Sendungen für eine Minute und strahlte während dieser Zeit die Aufnahme einer brennenden Kerze aus. Anlass der Unterbrechung war keine technische Störung, sondern ein öffentliches Gedenken an den ukrainischen Nationalisten, ehemaligen Kriegsminister und Präsidenten Symon Petliura, der vor 90. Jahren im Pariser Exil von einem Anarchisten erschossen wurde.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dieser Anarchist – Scholom Schwartzbard – wurde darauf hin zwar vor Gericht gestellt, aber nicht verurteilt. Grund dafür war, dass Schwartzbards Verteidiger Henri Torrés erfolgreich argumentierte, sein Mandant habe die Tat nicht etwa als russischer Agent, oder aus anderen niederen Motiven begangen, sondern um fünfzehn Familienangehörige zu rächen, die bei Pogromen ums Leben kamen.

Für diese Pogrome, bei denen insgesamt 35.000 bis 60.000 Juden ermordet wurden, machte nicht nur Schwartzbard Petljura verantwortlich. Auch Historiker glauben, dass seine Milizen in der Zeit zwischen 1917 und 1921 trotz einer offiziellen Strafandrohung für Gewalt gegen Zivilisten faktisch nicht mit Strafe rechnen mussten und dass dies dem Kosakensohn bewusst war.

In israelischen Medien kam die öffentliche Ehrung für den Ex-Präsidenten deshalb eher nicht gut an und löste eine Debatte über die Vergangenheit anderer Nationalhelden der Ukraine aus, die unter anderem die NS-Kollaborateure Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch betrifft, die während des Zweiten Weltkrieges an der Ermordung von Tausenden Juden beteiligt gewesen sein sollen.

weiterlesen