Wallfahrtsphänomen Ajvatovica: „Die Leute hatten kein Geld, um nach Mekka zu reisen“


wölfl Ajvatovica ist die größte Wallfahrt der Muslime auf dem Balkan und damit in Europa.
Ajvatovica ist das größte Treffen von Muslimen in Europa und wirkt ein wenig wie eine PR-Veranstaltung für die Türkei

Von Adelheid Wölfl | derStandard.at

Einbeinige und andere Versehrte sitzen am Wegrand und betteln. Die meisten Pilger gehen nicht an ihnen vorbei. Sie sind mit Bussen in aller Herrgottsfrühe angereist. Die Frauen tragen lange Röcke und Kopftücher, wie Bäuerinnen. Vom Ort Prusac auf den Berg hinauf, sind es etwa sieben Kilometer. Die Träger der blumengeschmückten Stangen, an denen grüne islamische Fahnen hängen, gehen mit den Imamen voran. Der Holunder blüht. Wem zu heiß wird, der setzt sich einfach ins Gras. In Bosnien-Herzegowina sieht man das oft: Menschen, die seelenruhig in der Wiese sitzen.

Ajvaz Dede dürfte es vor 500 Jahren etwas eiliger gehabt haben. Der Derwisch, der im 15. Jahrhundert aus Anatolien nach Zentralbosnien gekommen sein soll, ging der Legende nach im Jahre 1510 zu einem Felsen, der eine Quelle vom Weiterfließen abhielt. Angeblich soll Ajvaz Dede 40 Tage Allah um Wasser gebeten haben. In der vierzigsten Nacht soll er geträumt haben, dass zwei Widder mit ihren Hörnern den Stein zerschlagen. Und als er erwachte, soll der Fels gespalten gewesen sein.

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