Islamforscher Kepel: „Der Salafismus bietet ein Lebensmodell“


foto:tim dirven / reporters / picturedesk.com Gilles Kepel befürwortet intensive Forschung, um Motive radikalisierter Muslime besser zu verstehen.
Der französische Wissenschafter ortet die Gründe für Radikalisierung und Terrorismus unter anderem in einer misslungenen Sozialpolitik.

Interview Stefan Brändle | derStandard.at

STANDARD: Herr Kepel, wie schätzen Sie die Terrorbedrohung in Frankreich mehr als ein halbes Jahr nach den Pariser Attentaten ein?

Kepel: Klar ist, dass die Umstände und die tieferen Beweggründe des Terrorismus nicht beseitigt wurden. Als Ziele gelten unter anderem die Fußball-Europameisterschaft und danach die Tour de France. Bis zu deren Ende wird der Ausnahmezustand in Kraft bleiben.

STANDARD: Sind Sie wegen der Fußball-EM beunruhigt?

Kepel: Man weiß aufgrund der Quellenlage, dass Jihadisten immer wieder Anschläge auf Sportevents planen. Im Stade de France drangen sie am 13. November letzten Jahres zum Glück nicht ins Innere vor; sie sprengten sich draußen in die Luft, wobei es ein Todesopfer gab. Im Stadioninneren hätten sie unter den 80.000 Zuschauern zahlreiche Opfer verursachen können.

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