Missbrauch: Wie transparent und unabhängig ist der Vatikan?


Headquarter des Konzerns.
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Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche ist es nicht damit getan, die Täter zur Verantwortung zu ziehen, sagt Pater Klaus Mertes. Im Interview mit katholisch.de lobt er daher das Motu proprio von Papst Franziskus, wonach Bischöfe für Vertuschung leichter bestraft werden können. Die eigentliche Frage sei jedoch noch immer nicht beantwortet, moniert der Jesuit Mertes.

Von Kilian Martin | katholisch.de

Frage: Pater Mertes, der Papst hat mit seinem Motu proprio bekräftigt, dass Bischöfe, die Missbrauchsfälle verschleiern, ihres Amtes enthoben werden können. Was bringt das aus Ihrer Sicht den Opfern?

Klaus Mertes: Für sie ist das eine wichtige Entscheidung. Gerade die Opfer haben ja ein tiefes Gespür dafür, dass der Missbrauch nicht nur in der Tat im engeren Sinne besteht, sondern auch in der Vertuschung oder im unangemessenen Umgang der Institution damit. Sie fühlen sich von der Institution Kirche im Stich gelassen – und waren es vielen Fällen ja auch. Deswegen sind strukturelle Entscheidungen notwendig.

Frage: Muss es bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nicht in erster Linie um die konkreten Taten gehen?

Mertes: Für die Opfer ist die Aufklärung so entscheidend, weil damit die Anerkennung ihrer Geschichte verbunden ist. Selbstverständlich ist es da relevant, auch solche Personen zu belangen, die nicht selber Täter im unmittelbaren Sinne des Wortes waren, aber die die Opfer abblitzen ließen und vertuscht haben. Zudem ermöglicht die Verschleierung weitere Taten; damit machen sich die Vertuscher mitverantwortlich. Es ist doch selbstverständlich, dass auch die Verantwortung dieser Personen ernst genommen werden muss.

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