«Gott würfelt doch!» – Theologen und Physiker haben in der Atheismusdiskussion gemeinsam was zu sagen


Graphik «Gott würfelt doch!» von Antoine Weis | © 2016 zVg Institut für Ökumenische Studien Freiburg
Die allgemeine Physik schloss die Existenz Gottes aus und deklarierte die Welt als mechanisches Produkt. Die Atomphysik brachte dieses Weltbild ins Wanken und entzog mit der Lehre des «Zufalls» der allgemeinen Physik den Boden als plausible Quelle des Atheismus in der Neuzeit . «Gott würfelt doch», sagte darum der Theologe und Mathematiker Dieter Hattrup, der Dogmatik in Paderborn und Freiburg lehrt, an seiner Abschiedsvorlesung in der Schweiz. Er forderte Theologen und Physiker auf, sich auf das gemeinsame Gespräch einzulassen.

Von Barbara Hallensleben | kath.ch

Ein nicht alltägliche Begegnung fand am Mittwoch, 1. Juni, im grossen Hörsaal der Physik der Universität Freiburg statt: Dieter Hattrup, seit 11 Jahren Gastprofessor der Dogmatik an der Theologischen Fakultät Freiburg, hielt seine Abschiedsvorlesung vor einem gemischten Publikum aus der Theologischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Antoine Weis, Professor der Physik, hatte zum Ereignis eingeladen. Der Physiker präsentierte in gut nachvollziehbarer Weise, welche die Komplexität seines Fachgebiets erahnen liess, einen von Experimenten begleiteten Vortrag zum Thema «Wellen oder Teilchen? Die duale Natur des Lichts». Das Ergebnis hat nicht nur physikalische, sondern auch philosophische, ja theologische Bedeutung.

Sie wissen ja, dass durch die Atomphysik sehr allgemeine Probleme anders aussehen als früher, etwa das Verhältnis von Naturwissenschaft zur Religion.

In der Quantenphysik beruht der Zufall nicht auf unserer Unkenntnis beziehungsweise auf mangelhaften Messmethoden. Hier gilt das Prinzip des «reinen Zufalls», den Physiker im Laufe des 20. Jahrhunderts entdeckten und doch nur widerwillig hinnahmen. In Wissenschaftskreisen hiess es dann neu: «Gott würfelt doch!». Der Ausspruch «Gott würfelt nicht!», der dem Physiker Albert Einstein zugeschrieben wird, wurde abgewandelt.

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