„Christentum braucht neue Strategien“


Tillmann Bendikowski. Bild: Frankfurter Neue Presse
Glaubenskriege, wie der zwischen Katholiken und Protestanten, haben schon in früheren Zeiten die Welt herausgefordert. Mit dem Buchautoren und Historiker Tillmann Bendikowski sprach Dieter Hintermeier über die Gefahren des Islam und religiösen Rassismus.

Von Dieter Hintermeier | Frankfurter Neue Presse

Sie haben ein Buch über die Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten geschrieben. Wie haben sich diese Kriege dargestellt, was waren die Auslöser?

TILLMANN BENDIKOWSKI: Ich spreche im Singular vom „Deutschen Glaubenskrieg“, mit dem ich die mentale, soziale und politische Spaltung der Deutschen in unterschiedliche christliche Konfessionen beschreibe. Dieser über Jahrhunderte hinweg anhaltende Dauerkonflikt kannte verschiedene Dimensionen; Kriege unter religiösen Vorzeichen wie der Schmalkaldische Krieg oder der Dreißigjährige Krieg gehörten ebenso dazu wie die unzähligen Konflikte des deutschen Alltags. Bei kirchlichen Prozessionen konnte es zu Prügeleien auf der Straße kommen, Kinder gingen getrennt nach Konfessionen in die Schule, und mancher familiäre Frieden zerbrach an dem Thema der leidigen konfessionellen „Mischehe“.

Gab es Vorurteile gegenüber der anderen Religionsgemeinschaft?

BENDIKOWSKI: Man gewöhnte sich daran, die Mitmenschen einzuteilen in Rechtgläubige und Ungläubige, man beurteilte die Fähigkeiten eines Menschen entlang seiner Religionszugehörigkeit – so waren für den deutschen Protestantismus des 19. Jahrhunderts die Mehrheit der Katholiken „mittelalterlich“ und „dumm“. Die Deutschen waren sich entlang der Religionszugehörigkeit fremd geworden und lebten bis weit ins 20. Jahrhundert wie selbstverständlich in einer Kultur der Unversöhnlichkeit mehr neben- als miteinander.

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