Die kurdische Verantwortung für den Massenmord an Armeniern


In Deutschland denkt man vor allem an Türken, wenn es um die Verantwortung für den letzte Woche in einer Bundestags-Resulution verurteilten Massenmord an Armeniern im Ersten Weltkrieg geht (vgl. Bundestag verabschiedet Armenien-Resolution). Wirft man einen Blick in historische Dokumente, zeigt sich jedoch, dass ein großer Teil der damaligen Täter Kurden waren, die Armenier als Angehörige von Hamidiye-Stammesmilizen nicht nur töteten, sondern sich auch am Eigentum ihrer vertriebenen Nachbarn bereicherten.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Diese Hamidiye-Stammesmilizen wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Sultan Abdülhamid II. ins Leben gerufen. In ihnen dienten vor allem junge Kurden, deren Familien dafür weitgehend von Steuern befreit wurden. Sie sollten mit Pferden und modernen Waffen dafür sorgen, dass die in Ostanatolien lebenden christlichen Armenier, die Abdülhamid als fünfte Kolonne der Russen und Engländer ansah, Untertanen und Steuerzahler des Sultans blieben.

Straffreiheit bei Plünderungen

Dass man den Hamidiye-Milizionären Straffreiheit bei Plünderungen gewährte, trug dazu bei, dass es 1894 in großem Maßstab zu Massakern an Armeniern kam, nachdem sich armenische Bauern verbotswidrig bewaffnet und einen Aufstand gegen die Doppelbesteuerung durch den Sultan und ihre kurdischen Lehnsherren versucht hatten. Alleine in der Regionen Sasun kamen dabei vom 18. August bis zum 10. September 1894 mindestens 8.000 Armenier ums Leben.

Die liberal-nationalistischen „Jungtürken“, die 1908 faktisch die Macht im Osmanischen Reich übernahmen, schafften die Hamidiye-Milizen kurzfristig ab, belebten sie aber bald wieder, nachdem ihr Staat in den Balkankriegen 1912 und 1913 militärische Niederlagen und Gebietsverluste hinnehmen musste.

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