Kirche und Politik: Der Glaube handelt, indem er glaubt


Äthiopische christliche Pilger verrichten am Ostersonntag in der Grabeskirche in Jerusalem ihr Gebet. (Bild: Sebastian Scheiner/Reuters)
Ob katholisch oder protestantisch, oft und gern bringt sich die Kirche ein, wenn es um politische und ethische Fragen der Gegenwart geht. Über diesem Aktivismus droht sie die eigene Glaubensbasis zu vergessen.

Von Adrian M. Berger | Neue Zürcher Zeitung

Der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äusserte kürzlich in einer kirchlichen Zeitschrift sein Unbehagen: Er beobachte eine einseitige Politisierung der evangelischen Kirche, «als gehe es in der evangelischen Kirche primär um Politik, als seien politische Überzeugungen ein festeres Band als der gemeinsame Glaube». Religion müsse, so Schäuble, «um politisch zu sein, erst einmal Religion sein».

Auch in der Schweiz meldet sich die Kirche öffentlich dann zu Wort, wenn es um politische oder ethische Themen geht. Wie soll den Migrationsströmen begegnet werden? Wie steht die Kirche zum Fortpflanzungsmedizingesetz? Was hält die Kirche von Reformen des Eherechts? Von der Kirche und von Kanzeln werden Richtlinien fürs menschliche Zusammenleben oder auch politische Stellungnahmen und Handlungsanweisungen verlautbart.

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