Kirchenrecht: Ex-Priester oder nicht?


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„Die einmal gültig empfangene heilige Weihe wird niemals ungültig“, heißt es im Kirchenrecht. Was bedeutet es dann, wenn von der Suspendierung eines Priesters die Rede ist? Oder wenn er gar „laisiert“ wird? Katholisch.de erklärt die Begriffe.
 

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Suspendierung

Bei einer Suspendierung wird dem Diakon oder Priester die Ausübung von Amtshandlungen untersagt. Sie wird vom Ortsbischof verhängt und ist als vorübergehende Maßnahme gedacht. Als sogenannte Beugestrafe soll sie bezwecken, dass der Betroffene die Verhaltensweisen oder Auffassungen, die mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar sind und zu der Suspendierung geführt haben, aufgibt. Dazu gehört etwa die Einladung evangelischer Christen zur Kommunion. Zudem werden Priester und Diakone von ihrem Dienst suspendiert, wenn Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht. Auch Kleriker, die ihrem Bischof gegenüber oder öffentlich bekunden, dass sie entgegen ihrem Enthaltsamkeitsversprechen in einer Partnerschaft leben wollen, werden suspendiert. Suspendierte Kleriker sind weiter an ihre Weiheversprechen wie etwa den Zölibat und das Stundengebet gebunden. Der Ortsbischof hingegen muss in der Regel weiterhin für den Unterhalt des Suspendierten sorgen.

Verlust des klerikalen Standes

Auch wenn die Weihe niemals ungültig wird, hält der Codex des kanonischen Rechts (CIC) in den Canones 290 bis 293 drei Möglichkeiten zum Verlust des klerikalen Standes fest (siehe Grafik). Bei der sogenannten Laisierung handelt es sich um eine Entlassung aus dem Klerikerstand. Sie wird auf Antrag gewährt (etwa bei Liebesbeziehungen) oder als höchste Kirchenstrafe verhängt (etwa bei Missbrauch). Bei der Entlassung aus dem Klerikerstand werden im Normalfall alle mit der Weihe empfangenen Rechte und Pflichten eines Diakons oder Priesters auf null gesetzt.

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