Ultraorthodoxe Juden und der Sex: Durch Lust zum Glück


Rabbi Natan Alexander mit einem Objekt aus seinem Online-Shop für Sexspielzeug. (Bild: Jonas Opperskalski)
Streng orthodoxe Frauen geben einem fremden Mann nicht die Hand, Rabbi Natan verkauft Sex-Toys. Willkommen in der vielfältigen Welt des jüdischen Sex.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wegsehen oder hinschauen? Nach einer sündigen Millisekunde senkt der Ultraorthodoxe in Jerusalem den Blick, wenn ihm eine fremde Frau entgegenkommt – um nicht in Versuchung zu geraten. Sex und Juden, das ist schwierig. Man bringt die bärtigen Männer in Schwarz nur schwer in Zusammenhang mit leiblicher Lust. Und dann kommt der junge Rabbi Natan Alexander daher, hält einen rosaroten Vibrator in die Höhe, schaut ihn genau an und erklärt freudig, wo es der Klitoris und wo dem G-Punkt gut tut.

Der koschere Dildo

Widersprüche sind nicht Unvereinbarkeiten. Hier feiern die hochgradig Säkularen von Tel Aviv ihre rauschenden Feste, da beten sich die bärtigen Haredi vor der Klagemauer mit Pendelbewegungen in Trance. Scheu zieht die ultraorthodoxe Frau die Hand zurück, wenn der ungeschlachte Schweizer die seine ausstreckt, barsch wird der Tourist in Mea Shearim, der Hochburg der Orthodoxen in Jerusalem, aufgefordert, sich angemessen «bescheiden» zu kleiden – nicht so, wie es ihm, dem Besucher, passt, sondern so, wie es den Orthodoxen passt, weil sie nun einmal so sind. Und hier oben in Elazar, einer kleinen jüdischen Siedlung im Westjordanland südlich von Bethlehem, betreibt der knabenhafte, aber durch und durch orthodoxe Rabbi seine Website «Bebetter2gether», die koschere Sex-Spielzeuge anbietet, und kümmert sich um die Ratsuchenden, die er durch seine zweite Website – «Inspiring Self Improvement and Relationship Empowerment» – auf sich aufmerksam macht.

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