Türkische Politiker und ihre Abstammungsvorstellungen


In Zentralanatolien lebten in römischer Zeit Kelten. Karte: QuartierLatin1968. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Letzte Woche kritisierte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan den deutschen Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir auf einer Rede vor Dorfbürgermeistern im Zusammenhang mit dessen Äußerungen zum Massenmord an Armeniern im Ersten Weltkrieg mit den beiden Worten „kani bozuk“. Wörtlich übersetzt bedeuten sie „verdorbenes Blut“, weniger wörtlich „charakterlos“. Später betonte Erdoğan, er habe die Kombination im übertragenen Sinne verwendet. Drei Tage vorher hatte er Özdemir allerdings aufgefordert, sein Blut in einem Labor untersuchen zu lassen.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Über den Charakter eines Menschen lässt sich in solch einer Laboruntersuchung bislang nur sehr bedingt etwas herausfinden – außer, man rechnet die Neigung zu erblichen Geisteskrankheiten wie Schizophrenie oder den Blutalkoholwert mit ein. Dafür lassen sich Informationen über die Abstammung von Menschen gewinnen, auf die Erdoğan mit gewisser Wahrscheinlichkeit anspielte.

Die Türken sind jedoch ein Mischvolk, das nicht nur physisch, sondern auch genetisch weitaus mehr mit den sie umgebenden Völkern gemein hat, als mit seinen sprachlichen Stammvätern aus der Baikalseegegend (vgl. Jakutenpferde durchliefen Instant-Evolution). Zu 94,1 Prozent gehören sie zu den in Europa und dem Nahen Osten verbreiteten Haplogruppen E3b, G, J, I, L, N, K2 und R1. Zentralasiatische Anteile der Haplogruppen C, Q und O machen mit 3,4 Prozent nur wenig mehr aus als indische (1,5 Prozent) und afrikanische (1 Prozent).

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