Kindheit hinter Gittern


heimkinder

Kinder unter drei Jahren dürfen in italienischen Gefängnissen bei ihren inhaftierten Müttern leben. Der beeindruckende Dokumentarfilm „Gefängniskinder“ macht das moralische Dilemma spürbar, indem er die Perspektive eines betroffenen Mädchens einnimmt.

Von Franziska Schuster | Frankfurter Rundschau

Die meisten dokumentarischen Formate, die für die öffentlich-rechtlichen Programme produziert werden, zeigen wenig Interesse an den künstlerischen Ausdrucksformen, die sich im Dokumentarfilmschaffen seit dem Ende des zweiten Weltkriegs entwickelt haben. Die Rhetorik spielt eine größere Rolle als cineastische Gestaltungsmittel; es geht um journalistische Berichterstattung, in denen der gesprochene Kommentar die eigentliche Information vermittelt und von den Bildern hauptsächlich illustriert wird.

Natürlich kann kann diese Herangehensweise trotz ihrer konventionellen Gestaltung ein beachtliches investigatives (und mitunter auch manipulatives) Potential entwickeln. Letztendlich sind es jedoch vor allem die Daten und Fakten, die hängenbleiben – die audiovisuelle ist nur eine unter vielen möglichen Präsentationsformen. Doch auch im Fernsehen gibt es Ausnahmen, in denen eine Produktion etwas anderes sein will als ein »Beitrag« und die Bezeichnung »Film« verdient. GEFÄNGNISKINDER von der italienischen Dokumentarfilmerin Rossella Schillaci ist so ein Fall, der mit den Stilmitteln des Direct Cinema eine kurze Episode aus dem Leben einer Familie erzählt, die einem schier das Herz zerreißen will.

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