Zerstörtes Diyarbakir

Bild: Stadtverwaltung von Diyarbaki
Einschusslöcher in Häuserfassaden, abgeriegelte Stadtviertel: In Diyarbakir im Südosten der Türkei verschwindet ein historischer Stadtteil hinter Absperrungen. Und mit ihm bedeutende Kirchen, Moscheen, Gebäude.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Der Stadtteil Sur innerhalb der historischen Stadtmauer wurde zu fast 100% von der türkischen Regierung enteignet. Die Stadtverwaltung von Diyarbakir veröffentlichte eine differenzierte Karte, auf der in rot die enteigneten Parzellen markiert sind.

Das bei den Touristen beliebte Gassengewirr, welches der Altstadt ihren besonderen Flair verlieh, ist auch für die Bewohner nicht zu betreten. Sie haben alles verloren, leben nun zum Teil in öden Neubauten am Stadtrand oder sind bei Verwandten im Umland untergekommen. Ein kleiner Teil der Altstadt wurde inzwischen vom Militär wieder freigegeben.

Die Zerstörungen dort lassen erahnen, wie es im abgeriegelten Teil von Sur aussieht: „Dort wo einst Dutzende Familien in einem Gassengewirr lebten, klafft jetzt eine große Freifläche neben der ausgebrannten Ruine der Kursunlu-Moschee. Die zerschossenen Wohnhäuser wurden abgerissen; der Bauschutt abtransportiert.“

Sur gehört seit 2015 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zülfü Livaneli. der ehrenamtliche türkische UNESCO-Botschafter, warf Ende Mai das Handtuch und trat zurück. Er empörte sich darüber, dass die UNESCO sich nicht schützend vor ihr Weltkulturerbe gestellt habe, als das türkische Militär begann den Stadtteil zu zerstören.

In einem offenen Brief an die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova warf er der Organisation Heuchelei vor. Weil diese von UN-Mitgliedsstaaten finanziert werde, verschweige sie die Verstöße der türkischen Regierung. Das Verschweigen solcher Verstöße widerspräche den grundlegenden Idealen der UNESCO, so der bekannte türkische Regisseur, Komponist und Sänger Livaneli, der seit 1996 Botschafter der UNESCO ist.

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Paul Mason: „Wir werden das Ende des Kapitalismus erleben“

Paul Mason, Jahrgang 1960, war zunächst Musiklehrer, ist heute Autor und Fernsehmoderator. Seit 2007 hat er fünf Bücher veröffentlicht, vor allem über das Thema globaler wirtschaftlicher Veränderungen. Foto: imago/Wassilis Aswestopoulos
Frei zugängliche Information zerstört Eigentum und Märkte, sagt der Publizist Paul Mason. Ein Gespräch über den Weg in eine neue Welt und die möglichen Hindernisse.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Herr Mason, Sie bringen gute Nachricht für die Linke: Sie sagen, der Kapitalismus ist kaputt. Warum?
Ja, das sind gute Nachrichten für die politische Linke. Aber ganz so habe ich es nicht gemeint. Es läuft etwas falsch, und ich beschreibe in meinem Buch, warum das so ist. Ich denke nicht, dass es sich um ein vorübergehendes Problem handelt. Der Kapitalismus hat in den entwickelten Ländern die beste Zeit hinter sich. In den anderen Staaten werden Sie und ich sein Ende zu Lebzeiten noch erleben.

Eine mutige Behauptung. Wie kommen Sie darauf?
Die Informationstechnologie ist die treibende Kraft seines Untergangs. Sie schafft es nicht, neue Jobs und einen hohen Konsum zu schaffen, deshalb kann der Kapitalismus nicht wieder Fahrt aufnehmen. Er stagniert vollständig. Information ist heute für alle zugänglich, das zerstört Märkte und Eigentum. Die Informationstechnologie ist mit der heutigen Form des Kapitalismus nicht vereinbar.

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Pro Asyl: Asylrecht bald nur noch auf dem Papier

Pro Asyl warnt vor einer Aushöhlung des Asylrechts in Europa. „Bald wird es nur noch auf dem Papier existieren, faktisch für Schutzsuchende aber nicht mehr erreichbar sein“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt am Sonntag anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstages am Montag.

evangelisch.de

Pro Asyl warnt vor einer Aushöhlung des Asylrechts in Europa. „Bald wird es nur noch auf dem Papier existieren, faktisch für Schutzsuchende aber nicht mehr erreichbar sein“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt am Sonntag anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstages am Montag. Auch die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik werde zunehmend in den Dienst der Flüchtlingsabwehr gestellt.

Mit dem Abkommen zwischen der EU und der Türkei sei das Recht auf eine faire Prüfung von Asylanträgen in Europa ausgehebelt worden, kritisierte Pro Asyl. Die Türkei solle verhindern, dass Schutzsuchende Europa überhaupt erreichen. Die Zahl der Ankünfte in Griechenland sei seitdem von über 57.000 im Februar auf rund 1.700 im Mai gesunken.

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Armenien-Resolution: „Ditib lehnt Drohungen ab“

Bekir Alboğa, Generalsekretär der DITIB Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0
Ist die Türkisch-Islamische Union Ditib nur der verlängerte Arm des türkischen Präsidenten Erdogan? Generalsekretär Bekir Alboga über den alten Vorwurf und eigene Fehler.

Von Felix Firme | Frankfurter Rundschau

Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) sorgt derzeit immer wieder für Schlagzeilen. Erst ging der Verband türkische Abgeordnete scharf an, die für die Armenien-Resolution stimmten. Dann lud er Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und am Donnerstag die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) von einem gemeinsamen Fastenbrechen wieder aus. Im Interview spricht der Generalsekretär Bekir Alboga über die Drohung gegen Abgeordnete und die Nähe seines Verbandes zur türkischen Politik.

Herr Alboga, die Morddrohungen an türkischstämmigen Abgeordneten im Zug der Armenienresolution haben Sie und andere Gemeinschaftsmitglieder bereits verurteilt. Für viele Politiker kommt das aber zu spät. Warum haben Sie so lange gebraucht, sich davon zu distanzieren?
Dieses stimmt so nicht. Die Ditib hat sich bereits frühzeitig durch seinen Syndikus Herrn Kayman dazu auch schriftlich geäußert und ebenfalls bereits am 8. Juni, also in einer sehr frühen Phase auch eine offizielle Pressemitteilung veröffentlicht.

Hat Ditib die Debatte nicht unnötig verschärft?
Nichts liegt der Ditib ferner, als eine Debatte zu verschärfen. Allerdings ist es auch Fakt, dass die Menschen, die uns legitimieren, von uns erwarten, dass wir auch ihnen eine Stimme geben. Wir haben bei der Debatte mehr inhaltlichen Austausch und Dialog gefordert. Diese Passagen wurden leider im Rahmen des ARD Beitrages, der zu dem erwähnten Eindruck führte, nicht verwendet. Lediglich eine, wie wir finden, legitime Antwort bezüglich der Empfindung der Gemeindemitglieder wurde nach dem Beitrag über die Drohungen und der Forderung nach Distanzierung manipulativ eingespielt. Ditib hat sowohl in seiner Pressemitteilung, als auch durch seine Vertreter stets zu mehr Sachlichkeit und Mäßigung aufgerufen und tut dies auch weiterhin.

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AfD-Buch über Islam kenntnisreich und verzerrend

Foto: dpa
Das von der Thüringer AfD-Landtagsfraktion verteilte Islam-Buch ist aus Sicht des Jenaer Wissenschaftlers Tilman Seidensticker kenntnisreich, aber stellenweise mit islamfeindlicher Tendenz geschrieben.

DIE WELT

Es vermittle auf den ersten 30 bis 40 Seiten den Eindruck, dass sich um eine sachkundige und ausgewogene Darstellung handele, sagte Seidensticker der «Thüringer Allgemeinen» und der «Ostthüringer Zeitung» (Samstagausgaben). Diesen Teil würde er AfD-Sympathisanten empfehlen. Die Fraktion hat das Buch «Der Islam. Fakten und Argumente» in Eigenregie verfasst und verteilt es nach eigenen Angaben seit dieser Woche.

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Grüne wollen Massentierhaltung komplett verbieten

Arme Schweine: Weil es im Handel vor allem auf den niedrigen Preis ankommt, werden die Tiere meistens nicht artgerecht gehalten. (Foto: Friso Gentsch/dpa)
  • Die Grünen wollen in den kommenden 20 Jahren ein Verbot von Massentierhaltung durchsetzen.
  • In diesem Zeitraum wolle man laut Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter eine „100 Prozent faire Tierhaltung“ erreichen.
  • Einen Mindestpreis für Fleisch hält Hofreiter jedoch für falsch.

Süddeutsche.de

Die Grünen wollen der Massentierhaltung in Deutschland ein Ende setzen. „In Deutschland brauchen wir keine Ställe mit 10 000 Schweinen oder 40 000 Hühnchen“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der Bild am Sonntag. Stattdessen wolle seine Partei eine „100 Prozent faire Tierhaltung“ durchsetzen.

Bis die großen Ställe vollständig abgeschafft werden, wird es aber auch nach Ansicht des Grünen-Politikers aber noch eine Weile dauern. Hofreiter nannte einen Zeitraum von etwa 20 Jahren.

Die höheren Preise von Biofleisch scheinen dem Fraktionsvorsitzenden keine Sorgen zu bereiten. Schon heute sei Fleich aus fairer Tierhaltung nur drei bis sechs Prozent teurer als die konventionell produzierte Massenware, so Hofreiter.

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Erster Diplomstudiengang ‘Schutz von Minderjährigen’ beendet

missbrauch_kathol

Kirche nimmt besondere Verantwortung wahr gegen sexuellen Missbrauch bei Minderjährigen proaktiv vorzugehen.

kath.net

Am Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana haben die ersten 19 Teilnehmer den Studiengang «Schutz von Minderjährigen» erfolgreich absolviert. Die Studierenden aus vier Kontinenten erhielten am Dienstag ihr Abschlusszeugnis vom Leiter des Kinderschutzzentrums, Hans Zollner. Das einsemestrige Qualifikationsprogramm bildet internationale Studenten geistlicher und säkularer Fachrichtungen zu Präventionsfachleuten für den Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch aus.
An einigen Orten auf der Welt sei die Kirche beim Kinderschutz federführend, trotzdem werde sich «jetzt nicht alles auf magische Weise ändern», so Zollner, Psychologie-Professor und Vizerektor der Gregoriana. Es gebe immer noch viel zu tun und die Kirche habe «auch eine besondere Verantwortung».

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Jetzt erst recht – Es lebe die Spaßgesellschaft!

Foto: dpa Der Christopher Street Day durch Oldenburg verlief trotz des Attentats in Orlando bunt – und das soll auch so bleiben
Das Bataclan, eine Schwulenbar – Islamisten töten Jugendliche, die das Leben feiern. Der Terror macht klar, was es zu verteidigen gilt: eine Gesellschaft, in der jeder auf seine Weise glücklich wird.

Von Hannes Stein | DIE WELT

Die Vokabel „Spaßgesellschaft“ ist heute nicht mehr ganz so geläufig, wie sie es einmal war. Sie kam kurz vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 auf und war abschätzig gemeint: Die „Spaßgesellschaft“ – das waren diese jungen Leute, die nichts als ihr Vergnügen im Kopf hatten und sich nicht um tiefere Werte beziehungsweise höhere Kulturgüter scherten. Früher hätte man „Dekadenz“ dazu gesagt – nun war es die „Spaßgesellschaft“, die angeblich geradewegs zum Untergang des Abendlandes führte.

Wenn man nun aber eine Liste der Ziele Revue passieren lässt, auf die islamische Massenmörder es im Westen abgesehen haben, so fallen zwei Konstanten ins Auge. Die erste Konstante ist der Antisemitismus: Die Terroristen bringen mit Vorliebe Juden um.

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Gezi-Park: Osmanenkaserne und Moschee

In Istanbul kam es zu Protesten mit der Polizei nachdem am Freitag Islamisten einen Plattenladen gestürmt hatten, in dem Kunden…Foto: AFP
Am Wochenende gab es in Istanbul wieder Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Spannungen könnten nach einer Ankündigung von Präsident Erdogan weiter zunehmen.

DER TAGESSPIEGEL

Drei Jahre nach den heftigen Protesten gegen die Umgestaltung des Gezi-Parks in Istanbul lässt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Pläne für das Bauprojekt wieder aufleben. „Einer der Bereiche, in dem wir mutig sein müssen, ist der Taksim Gezi Park“, sagte Erdogan am Samstag bei einer Veranstaltung in Istanbul. Er bekräftigte seinen Wunsch, dort unter anderem eine Kaserne aus der Zeit des Osmanischen Reichs nachzubauen sowie eine Moschee zu errichten.

2013 war das Bauvorhaben Ausgangspunkt für landesweite Proteste, die sich nicht nur gegen das Projekt, sondern zunehmend auch gegen die Regierung allgemein richteten.

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Zarenschlamm und ukrainische Gesänge

Blick auf den Hafen von Jalta. Bild: U. Heyden
Die Krim wird zum Magneten für russische Touristen. Auch Ukrainer kommen immer noch, als Urlauber und – wegen der höheren Löhne auf der Halbinsel – als Arbeitsmigranten.

Von Ulrich Heyden | TELEPOLIS

Wer am Ostrand von Jalta wohnt hat es gut. Aus dem angrenzenden Park klingt ein ganzes Vogel-Orchester. Eine Nachtigall, oder sind es gar mehrere?

Von der Pension Massandra, einem preisgünstigen Hotel, sind es bis zum Strand nur 15 Minuten zu Fuß. Auf dem Weg komme ich mit einem jungen Bauarbeiter ins Gespräch, der Säcke mit Zement auf eine Schubkarre lädt. Er verdiene 800 Rubel am Tag, das sind im Monat 24.000 Rubel (320 Euro), sagt der etwa 28jährige. Das ist doppelt so viel wie der Durchschnittslohn in der Ukraine.

Der junge Mann kommt aus einem Ort in der Ukraine, der 300 Kilometer von der Krim entfernt liegt. Er habe nur einen ukrainischen Pass, wohne aber schon seit sieben Jahre in Jalta. Sein Aufenthaltsrecht auf der Krim müsse er nun vor Gericht erstreiten, erzählt der junge Mann. Zurück in die Ukraine wolle er auf keinen Fall. Seine Eltern erzählten Schreckliches, die Preise würde steigen, es gäbe keine Arbeit und junge Soldaten würden in ihren Panzern eingeschweißt, damit sie im Donbass für die Ukraine kämpfen.

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Streit um genetische Hochpräzisions-Schere

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com
Eine neue gentechnische Methode erlaubt den präzisen Eingriff in das menschliche Erbgut. Der Deutsche Ehtikrat beschäftigt sich mit den aufkommenden Fragen.

Frankfurter Rundschau

Der Deutsche Ethikrat befasst sich auf seiner Jahrestagung am Mittwoch (22. Juni) mit dem Thema „Zugriff auf das menschliche Erbgut“. Im Mittelpunkt steht die neue gentechnische Methode CRISPR/Cas9, die nach Einschätzung von Experten zu einer gentechnischen Revolution führen könnte. An die Stelle grobschlächtiger, aufwendiger und fehleranfälliger Verfahren könnte eine neue Gen-Chirurgie bei Pflanzen, Tieren und Menschen treten, die einfach, punktgenau und hoch effizient ist. Allerdings lauern auch Gefahren.

Was bedeutet CRISPR/Cas9?
Das Kürzel steht für ein neues, 2012 entdecktes molekularbiologisches Verfahren, um DNA-Bausteine im Erbgut zu verändern. Abgeschaut haben sich die Wissenschaftler die neue Methode von den zelleigenen Reparaturmechanismen. Bei CRISPR/Cas9 handelt sich nach den Worten des Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, um eine „genetische Hochpräzisions-Schere“, die gentechnische Veränderungen mit größerer Genauigkeit und kostengünstig durchführen kann. Gene oder kleinste DNA-Bausteine können dabei mit Hilfe zelleigener Enzyme eingefügt, entfernt, verändert oder ausgeschaltet werden – vergleichbar mit der Funktion „Suche – Ersetze“ im Computer.

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Apokalypse und Nostalgie: Ewig lockt der Untergang

Die Karambolage mutet noch ganz idyllisch an und gibt doch einen Vorschein späterer Katastrophen. Arnold Odermatt: Stansstad, 1967. (Bild: Urs Odermatt, Windisch / © Pro Litteris)
In der Vernichtung von Gegenwart sind nostalgische Wehmut und apokalyptische Vision mächtige Verbündete. Der heutige Selbstmordattentäter ist das perfekte Werkzeug dieses Bündnisses.

Von Roman Bucheli | Neue Zürcher Zeitung

Ein halbes Leben lang hat der Polizist Arnold Odermatt fotografiert. Wurde er zu einem Verkehrsunfall gerufen, nahm er seine Kamera mit und hielt mit ihr fürs Protokoll fest, was er vorfand: schroff ineinander verkeilte Wagen, von der Strasse in den Graben gestürzte Fahrzeuge, umgekippte Laster, um Laternen gefaltete Karosserien, an Geländern hängende und über Abgründen schwebende Automobile. Arnold Odermatt war längst im Ruhestand und sein stilles Lebenswerk schon fast vergessen, als sich seine Fotografien plötzlich in Kunst verwandelten.

Nicht als Phänomenologe des Missgeschicks und auch nicht als Diagnostiker des mobilisierten Zeitalters wurde der Polizist zum Künstler. Odermatts präzise Bilder erzählen nichts über die Menschen, die bei den Unfällen zu Schaden kamen oder die Karambolagen verursacht hatten. Die knochentrockene Nüchternheit dieser Bildsprache schuf eine Poesie, die sich erst ausserhalb des ursprünglichen Zusammenhangs artikulierte und gedeutet werden konnte.

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Todbringende Geschäfte, grüne Camouflage

Bild: greenpeace magazine
Die Deutsche Bank schaltet seit Monaten Werbeanzeigen, auf denen seltsame technisch-botanische Säulenkonstruktionen zu sehen sind. Dem Betrachter soll das Gefühl vermittelt werden, die Bank investiere vornehmlich in grüne, moderne Unternehmen. Stimmt aber nicht – deshalb haben wir den Anzeigentext einfach mal korrigiert.
 

Von Wolfgang Hassenstein | greenpeace magazine

Manchmal genügt schon der Austausch von drei Buchstaben, um der Wahrheit ein Stück näherzukommen. „Das Wissen zu den Anlagetrends von morgen“ heißt es in einer Anzeige, die die Deutsche Bank seit Monaten immer wieder in großen Magazinen und Zeitungen schaltet. Wahrscheinlich verspricht sie sich von dem schwer zu deutenden Motiv einen Imagegewinn. Inzwischen wissen wir dank der Enthüllung der Panama Papers, dass die Bank mithilfe der Kanzlei Mossack Fonseca 426 Offshore-Briefkastenfirmen gegründet hat, offenbar um Geldströme zu verschleiern oder ihren Kunden bei der Steuervermeidung zu helfen. Und so haben wir in der überarbeiteten Anzeige aus den Anlagetrends „Anlagetricks“ gemacht – schon passt der Slogan viel besser.

Es überrascht natürlich nicht, dass die Deutsche Bank in der Panama-Affäre wieder einmal ganz vorne mit dabei ist. Das größte deutsche Geldinstitut ist derzeit weltweit in 7800 Prozesse verwickelt, schon seit Jahren lässt es keinen Finanzskandal aus. Gerade hat das Frankfurter Landgericht einen ehemaligen Manager zu drei Jahren Haft und fünf weitere zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie den Handel mit CO2-Zertifikaten zur millionenschweren Steuerhinterziehung genutzt oder dazu Beihilfe geleistet hatten. Und erst im März attestierte die britische Finanzaufsicht der Deutschen Bank „schwerwiegende“ und „systematische“ Versäumnisse im Kampf gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und mögliche Sanktionsverstöße.

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Lebenslang für Ägyptens Ex-Präsidenten Mursi

Bild: (c) Reuters
Mohamed Mursi habe während seiner Zeit an der Macht heikle Informationen weiter gegeben, so das Gericht. Im Vorjahr war er schon zum Tode verurteilt worden.

Die Presse.com

Ein Gericht in Kairo hat den ägyptischen Ex-Präsidenten Mohamed Mursi wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Richter sah es am Samstag als erwiesen an, dass der Islamist während seiner Zeit an der Macht (2012/13) heikle Informationen an das Emirat Katar weitergab.

Mursi hatte bereits vor einem Jahr wegen Verschwörung zu einem Gefängnisausbruch während der Tahrir-Aufstände die Todesstrafe erhalten. Das Urteil löste damals international scharfe Kritik aus.

Der 64 Jährige war der erste frei gewählte Präsident Ägyptens, nach dem Sturz von Langzeit-Staatschef Hosni Mubarak im Zuge des Arabischen Frühlings. Im Sommer 2013 hatte das Militär Mursi nach erneuten Massenprotesten gegen ihn ein Jahr nach seinem Amtsantritt gestürzt. Seitdem geht Ägypten – nun unter der Präsidentschaft von Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi – massiv gegen die unter Mubarak und nun wieder verbotenen Muslimbrüder vor, aus deren Reihen Mursi kam.

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GOP congressman cites Bible verses calling gays ‘worthy of death’

Image: religionnews.com
God’s wrath will pour down on sinners including supporters of LGBT rights, a Georgia congressman told shocked fellow Republicans during their regular policy meeting Thursday (May 26).

By Cathy Lynn Grossman | religionnews.com

And the Human Rights Campaign is calling for an apology.

Rep. Rick W. Allen, from Georgia’s 12th District, led the GOP group’s opening prayer by reading Bible passages that condemn homosexuality and those “who by their unrighteousness suppress the truth.”

Allen, a small businessman in the building industry, didn’t make any mention of the energy spending bill coming up for a vote that day, or an amendment to it that would prohibit federal contractors from sexual orientation or gender identity discrimination.

He just focused on sin, reading from Revelation 22:18-19, an Allen aide told Roll Call.  The passage warns that those who don’t heed God’s Word will lose their share in the book of life.

Then he fueled up hellfire a notch with Romans 1:18-32, which elucidates a long list of “reprobate” acts including men who “burn with lust for one another.” Such people and those who support them are “worthy of death,” the verse says.

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Türkei: Erdoğans Alleinherrschaft fast vollendet

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Mit Präsident Erdoğan an der Spitze der Türkei gebe es keine Notwendigkeit für alle anderen im Land, sich in der Politik zu engagieren, verkündete der Präsidentenberater Yigit Bulut.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

„Keiner sollte Politik in der Türkei machen außer Erdoğan, sagt Chefberater Yigit Bulut“ – die Headline in der englisch-sprachigen Ausgabe der Hurriyet bringt auf den Punkt, wohin viele die Türkei steuern sehen: in Richtung Diktatur.

Mit Präsident Erdoğan an der Spitze der Türkei gebe es keine Notwendigkeit für alle anderen im Land, sich in der Politik zu engagieren, verkündete der Präsidentenberater Yigit Bulut. Im regierungsabhängigen Staatsfernsehen TRT Haber sagte Bulut allen Ernstes, es gebe in der Türkei schon einen Führer, der in der Politik im In- und Ausland engagiert sei. Die Aufgabe seiner Anhänger sei es lediglich, ihn zu unterstützen.

Yigit Bulut, ein ehemaliger Nachrichtensprecher des Privatsenders 24 TV, wurde im Juli 2013 zum Chefberater des damaligen Ministerpräsidenten Erdoğan benannt. Angeblich soll er eine große internationale Verschwörung aufgedeckt haben: die Ermordung Erdoğans durch Telekinese.

Ob er der Gülen-Bewegung damit die Fähigkeit der Telekinese zusprach, ist unbekannt. Zeitlich würde dies passen, denn 2013 kam es zum Zerwürfnis der Gülen-Leute mit der AKP, bzw. Erdoğan. Die konservativ-islamische Bewegung des in den USA im Exil befindlichen Fethullah Gülen stellte in der Tat damals die Machtfrage und war ein ernstzunehmender Gegner von Erdoğans Machtplänen zur Alleinherrschaft. Nach Erdoğans Wahl zum Präsidenten im August 2014 wurde Bulut zu seinem Wirtschaftsberater benannt.

Langsam scheint auch die kemalistische CHP aufzuwachen und zu erkennen, dass nicht nur die ihnen verhassten Kurden über den Jordan springen sollen, sondern sie auch.

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Erster „godspot“ am Gendarmenmarkt

In der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt startet heute das freie WLAN.

evangelisch.de

Heute startet Bischof Dr. Markus Dröge mit dem „godspot“ das freie WLAN in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt. Die Einrichtung von „godspots“ geht auf einen Beschluss der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zurück.

Das WLAN kann innerhalb und außerhalb der Kirchengebäude von Besuchern und Passanten kostenlos genutzt werden – eine Registrierung oder Anmeldung ist nicht notwendig. Bis zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 werden weitere Kirchen, Pfarrhäuser und kirchliche Einrichtungen das freie WLAN „godspot“ erhalten. Vorstellbar ist, allen 3000 Kirchen und kirchlichen Gebäuden in der EKBO „godspot“ zur Verfügung zu stellen.

Behold: The World’s First 1,000 Processor Chip

Image: Baas et al
Image: Baas et al
Engineers at the University of California at Davis have built the world’s first „KiloCore“ chip. Featuring 1,000 independently programmable processors, the chip, which was presented this week at the 2016 Symposium on VLSI Technology and Circuits, is capable of 1.78 trillion instructions per second and contains 621 million transistors. The partially Department of Defense-funded KiloCore chip was ultimately built by IBM using existing 32 nanometer semiconductor fabrication technology.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

Unfortunately, a 1,000 core chip isn’t something that could just be plugged into the next line of MacBook Pros. It wouldn’t even really suffice as a graphics processor, where massively parallel computation is the norm. In fact, many GPUs exceed the 1,000 cores of the UC Davis chip, but with the caveat that the individual cores are directed according to a central controller. The KiloCore, by contrast, is built from completely independent cores capable of running completely independent computer programs.

That makes for an intense architecture requiring specialized programming. Writing a program that can take advantage of such a huge array of cores means not just dissecting that program into many, many small computations, but also ensuring that those computations don’t depend the results of other computations other to properly execute. Managing this problem is the essence of truly parallel programming.

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