Zerstörtes Diyarbakir


Bild: Stadtverwaltung von Diyarbaki
Einschusslöcher in Häuserfassaden, abgeriegelte Stadtviertel: In Diyarbakir im Südosten der Türkei verschwindet ein historischer Stadtteil hinter Absperrungen. Und mit ihm bedeutende Kirchen, Moscheen, Gebäude.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Der Stadtteil Sur innerhalb der historischen Stadtmauer wurde zu fast 100% von der türkischen Regierung enteignet. Die Stadtverwaltung von Diyarbakir veröffentlichte eine differenzierte Karte, auf der in rot die enteigneten Parzellen markiert sind.

Das bei den Touristen beliebte Gassengewirr, welches der Altstadt ihren besonderen Flair verlieh, ist auch für die Bewohner nicht zu betreten. Sie haben alles verloren, leben nun zum Teil in öden Neubauten am Stadtrand oder sind bei Verwandten im Umland untergekommen. Ein kleiner Teil der Altstadt wurde inzwischen vom Militär wieder freigegeben.

Die Zerstörungen dort lassen erahnen, wie es im abgeriegelten Teil von Sur aussieht: „Dort wo einst Dutzende Familien in einem Gassengewirr lebten, klafft jetzt eine große Freifläche neben der ausgebrannten Ruine der Kursunlu-Moschee. Die zerschossenen Wohnhäuser wurden abgerissen; der Bauschutt abtransportiert.“

Sur gehört seit 2015 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zülfü Livaneli. der ehrenamtliche türkische UNESCO-Botschafter, warf Ende Mai das Handtuch und trat zurück. Er empörte sich darüber, dass die UNESCO sich nicht schützend vor ihr Weltkulturerbe gestellt habe, als das türkische Militär begann den Stadtteil zu zerstören.

In einem offenen Brief an die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova warf er der Organisation Heuchelei vor. Weil diese von UN-Mitgliedsstaaten finanziert werde, verschweige sie die Verstöße der türkischen Regierung. Das Verschweigen solcher Verstöße widerspräche den grundlegenden Idealen der UNESCO, so der bekannte türkische Regisseur, Komponist und Sänger Livaneli, der seit 1996 Botschafter der UNESCO ist.

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