Pragmatische Islamisten: Marokkos stille Konsolidierung

Ein Pragmatiker der Macht: Abdelilah Benkirane bei einer Rede in London. (Bild: Reuters)
Unter dem islamistischen Premierminister Benkirane ist Marokko vergleichsweise stabil geblieben. Die Rückkehr zur Scharia steht für seine Partei nicht mehr im Vordergrund.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Ohne viel Aufhebens zu machen, bereitet sich Marokko auf seinen nächsten nationalen Urnengang vor. Die führende politische Kraft, der Parti Justice et Développement (PJD), hat Ende Mai in Rabat einen ausserordentlichen Kongress abgehalten und Abdelilah Benkirane als Vorsitzenden bestätigt. Benkirane ist der erste islamistische Premierminister Marokkos. An die Macht gekommen war er 2011, als sein PJD mit dem Angebot, gesellschaftlichen Konservativismus mit Wirtschaftsliberalismus zu kombinieren, bei den Wählern besser ankam als jede andere Partei. Vier Tage nach der Wahl ernannte ihn König Mohammed zum Regierungschef.

Denkzettel in den Regionen

Der Monarch hat wenig Grund, seinen Entscheid zu bereuen. Im Vergleich zu Ägypten, Libyen, Syrien oder Jemen hat Marokko den Arabischen Frühling ohne tiefgreifende Umwälzungen überstanden. Die konstitutionelle Monarchie hat den Druck der Strasse durch ein paar Verfassungsänderungen abgefedert und ist intakt geblieben. Mit geschicktem Lavieren hat Benkirane der Demokratiebewegung «20. Februar», die 2011 noch Hunderttausende von Menschen auf die Strasse gebracht hatte, viel Wind aus den Segeln genommen.

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48.000 von Genitalverstümmelung betroffene Frauen

beschneidung

In Deutschland werden immer mehr Frauen und Mädchen Opfer von Genitalverstümmelungen.

evangelisch.de

Die Zahl der Betroffenen und Gefährdeten steige hierzulande drastisch an, teilte die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ am Montag in Berlin mit.

Derzeit gebe es über 48.000 von Genitalverstümmelung betroffene Frauen sowie mehr als 9.300 gefährdete Mädchen in der Bundesrepublik. Im Vergleich zu 2014 sei das ein Anstieg um 37 Prozent bei den Betroffenen und um 57 Prozent bei den Gefährdeten, rechnete „Terre des Femmes“ vor. Zurückzuführen sei das vor allem auf verstärkte Migration aus Ländern wie Eritrea oder Somalia, wo weibliche Genitalverstümmelung besonders häufig vorkomme. In Eritrea seien 89 Prozent aller Frauen davon betroffen, in Somalia 98 Prozent.

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AfD-Politiker hält „Die Protokolle der Weisen von Zion“ für echt

Foto: pa/akg,Archiv Kellerhoff Auch NS-Chefideologie Alfred Rosenberg brachte 1923 eine Ausg
Die AfD streitet über den Ausschluss des baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Der hält die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion“ für ein „geniales Herrschaftskonzept“.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Lügen haben mitunter ein erstaunlich langes Leben – selbst wenn sie ohne Zweifel als Unwahrheiten überführt sind. Etwa die „Protokolle der Weisen von Zion“. Über dieses antisemitische Pamphlet, auf Deutsch erstmals erschienen 1920, schreibt der Konstanzer AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon auch 2016 auf seiner Website allen Ernstes: „Bei objektivem Vergleich der widerstreitenden Ansichten über diese ,Protokolle‘ sieht es eher nicht nach Fälschung aus.“ Vor allem deshalb wird in der AfD gestritten, ob Gedeon aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen werden soll.

Angeblich handelt es sich bei den „Protokollen der Weisen von Zion“ um die Zusammenfassung einer streng geheimen Versammlung der „jüdischen Weltregierung“, die 1897 anlässlich der ersten Zionistenkongresse in Basel ihre Pläne für die Übernahme der Weltmacht beraten hätte. In dem wirren Text ist beispielsweise von künstlicher Verknappung der Weltfinanzen die Rede, durch die Wirtschaftskrisen ausgelöst werden sollten, bis alles Geld in den Händen weniger Juden sei.

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Bundeslandwirtschaftsminister: Ohne Gott und Gewissen droht das Chaos

DerverzweifelteJesusDer Bundeslandwirtschaftsminister und Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CSU, Christian Schmidt, betont den Stellenwert christlicher Feiertage und des Glaubens in unserem Alltag. Wer einen wertegebundenen Dialog mit anderen kulturellen oder religiösen Anschauungen führen will, braucht einen Standpunkt, an dem er sich orientieren kann.

Von Christian Schmidt | Bayernkurier

Was bedeutet Pfingsten? Laut einer Umfrage des evangelischen Magazins „Chrismon“ konnte im Jahr 2012 nur geringfügig mehr als die Hälfte der Deutschen erklären, was der geistlich-religiöse Hintergrund des Pfingstfestes ist. Es ist zu befürchten, dass dieses und andere christlichen Feste zwar durch den Feiertagseintrag im Kalender, aber nicht durch ihre religiöse Bedeutung wahrgenommen werden. Ob die Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten) oder die Auferstehung Christi (Ostern): Geht uns in unserer Zeit das Skelett des Wertegerüsts verloren, in der wir es zur Stabilität besonders brauchen?

Am Ostersonntag war in Bremen zu einer vom bremischen Senat geförderten Veranstaltung eingeladen worden, bei der über den Islam informiert und für seine Bräuche geworben werden sollte. In der Berichterstattung war zu sehen, dass „Ostersonntag“ lediglich als Datumskennzeichnung gebraucht worden ist. War denn niemand auf den Gedanken gekommen, umgekehrt die Muslime einzuladen, über unser christliches Festjahr und das höchste Fest, Ostern, zu reden? Oder – noch viel schlimmer – hat es nicht mehr viele gegeben, die das hätten erklären können?

Unsere Informationskampagne des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CSU hat erfreulicherweise in Bayern bessere Erfahrungen zutage gefördert. Der aber durchaus wahrnehmbare Trend, die Benennung unserer Feiertage zu ändern (z.B. Sankt-Martins-Tag zu Lichterfest, Weihnachten zu einem Jesus-losen Winterfest oder Ostern zum Frühlingsfest) und der zurückgehende Anteil von Menschen mit Kirchenmitgliedschaft in unserem Land, sind Zeichen für gesellschaftliche Verflachung und Beliebigkeit.

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Wenn „Reichsbürger“ sich mit Kalaschnikows bewaffnen

Foto: picture alliance / dpa „Spinnerte Ideologie“: Mit der Reichsflagge besticktes Sofakiss
Leben im Deutschen Reich und in der BRD GmbH? „Reichsbürger“ erkennen den Staat nicht an und versuchen Justiz und Behörden auszubremsen. Und langsam werden sie hierzulande zu einem echten Problem.

Von Heinz Krischer | DIE WELT

Der Anruf bei dem Luxemburger Waffenhändler war schon außergewöhnlich. Am Telefon erkundigte sich ein Kunde nach einer Kalaschnikow. Einer AK47, einem Sturmgewehr. Nicht, dass der Luxemburger Händler so etwas nicht im Sortiment hätte. Eine AK47 aus Rumänien kann man momentan zum Preis von 455 Euro bei ihm erstehen, eine gebrauchte Kalaschnikow aus DDR-Beständen, „wie neu“, für 485 Euro. Problematisch war nur, dass der Interessent aus Deutschland anrief, das sah der Luxemburger an der internationalen Telefonvorwahl. Und in die BRD dürfe er keine Kriegswaffen liefern, informierte der Händler den Anrufer.

Dann wurde es merkwürdig. „Der Anrufer sagte, er sei gar kein Bürger der Bundesrepublik, er sei vielmehr ein Bürger des Deutschen Reiches. Und als solcher befugt, Waffen zu kaufen“, erinnert sich der Inhaber des Waffenhandels an den weiteren Verlauf des Telefonats. Die AK 47 solle nur eine erste Bestellung sein – weitere würden folgen.

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Erzbistum München hat ein Vermögen von 5,5 Milliarden Euro

Bild: tilly
Bild: tilly
  • Das Erzbistum München hat sein Vermögen bewertet und ist auf fünfeinhalb Milliarden Euro gekommen – ein Spitzenwert in Deutschland.
  • Einen großen Teil der Summe hat die Kirche Stiftungen zugewiesen, die dem direkten Zugriff des Erzbistums entzogen sind und von unabhängigen Experten kontrolliert werden.

Von Christian Krügel, Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Das Erzbistum München und Freising hat am Montag erstmals sein Vermögen offengelegt und dabei eine Bilanzsumme von etwa 3,3 Milliarden Euro präsentiert. Hinzu kommen allerdings noch Vermögen von drei Stiftungen, die für die verschiedenen Aufgabengebiete des Erzbistums gegründet wurden. 1,3 Milliarden Euro übertrug das Erzbistum auf diese Stiftungen, zusätzlich zu deren bereits vorhandenen Vermögen.

So hat die Korbinian-Stiftung, die sich um die Seelsorge-Arbeit kümmern soll, nun ein Vermögen von 620 Millionen Euro. Die kirchliche Wohlfahrtspflege ist Aufgabe der Antonius-Stiftung, die 679,7 Millionen Euro hat. Die Bischof-Arbo-Stiftung, die sich der Bildungsarbeit widmet, ist mit 632,8 Millionen Euro ausgestattet. Hinzu kommen 236,6 Millionen Euro in der Emeritenanstalt, die für die Zahlung von Priesterpensionen zuständig ist. Der Erzbischöfliche Stuhl von Kardinal Reinhard Marx verfügt über 56,3 Millionen Euro.

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Die Muslimin, die in Atheisten Verbündete sieht

Rechtsprechung dürfe nicht auf Gruppen von Menschen zielen, sagt Elham Manea, «jedes Individuum ist für sich zu betrachten». Bild: Franziska Rothenbühler
Die Berner Politologin Elham Manea hat in Grossbritannien geforscht, wie sich muslimische Scharia-Gerichte auf die Gesellschaft auswirken.

Von Dölf Barben | DER BUND

Es scheint nicht so ganz zusammenzupassen: Am Montagabend hält Elham Manea bei der Freidenkervereinigung Bern einen Vortrag. Eine Muslimin bei Atheisten. Auf den zweiten Blick sieht es anders aus: «Es ist kein Widerspruch», sagt die 50-jährige Politologin, die an der Universität Zürich lehrt, «wir haben ein gemeinsames Ziel».

Dieses Ziel sei eine Gesellschaft, in der Religion und Staat voneinander getrennt sind. Ob Atheistin oder Muslimin: «Ich will ein Konzept, das uns alle schützt.» Elham Manea lebt seit über zwanzig Jahren in Bern – mit Mann und 16-jähriger Tochter, in einem unauffälligen Mehrfamilienhaus am Altenberg.

Die schweizerisch-jemenitische Doppelbürgerin ist in der arabischen Welt als Menschenrechtsaktivistin bekannt. So koordiniert sie etwa die Kampagne für den saudischen Blogger Raif Badawi, der im Gefängnis sitzt und zu 1000 Stockhieben verurteilt wurde. Zur Geschlechterfrage im Islam hat sie mehrere Jahre «Feldforschung» betrieben, wie sie sagt.

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Katholische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen geben Kirchen ab

Bild: tilly
Bild: tilly
Katholische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen trennen sich wegen sinkender Mitgliederzahlen von Kirchengebäuden.
 

kath.net

So steht in Lüdenscheid die Pfarrkirche St. Petrus und Paulus im Stadtteil Honsel zum Verkauf. Sie könnte von der Friedenskirchengemeinde übernommen werden, die zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) gehört. „Die Verhandlungen sind soweit gediehen, dass wir uns das vorstellen können. Es ist aber noch nichts entschieden“, sagte Leitungsmitglied Christoph Niedermeyer der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ein Gemeindebeschluss werde wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte gefasst werden. Zurzeit prüfe die Leitung noch, ob die Finanzierung gesichert werden könne. Der bisherige Gottesdienstraum sei für 150 Menschen ausgelegt, zu den Gottesdiensten kämen aber durchschnittlich 160 Besucher. „In den vergangenen Jahren sind immer mehr junge Familien zu uns gestoßen“, erklärt Niedermeyer. Auch für das Gemeindeleben unter der Woche werde es in den bisher genutzten Räumen eng. Die baptistische Gemeinde zählt 160 Mitglieder und neben verschiedenen Gruppen – etwa für Kinder, Jugendliche, Frauen und Senioren – 17 Hauskreise.

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EU: Heimliche Einführung von Netzsperren während der EM

Die Europaabgeordneten Sabine Verheyen (CDU) und Monika Hohlmeier (CSU). Foto: DEEEP Project. Lizenz: CC BY-Sa 2.0
Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier hat als Richtlinienberichterstatterin im Innenausschuss das Straßburger Parlaments einen Entwurf für eine Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung eingebracht, der vorsieht, dass Mitgliedsstaaten „den Zugang zu illegalen Inhalten, die zu terroristischen Delikten aufhetzen, blockieren sollen“, wenn sie im Ausland gehostet sind und nicht „prompt“ gelöscht werden können. In einer älteren Fassung war diese Regelverpflichtung noch als Kann-Vorschrift in das Ermessen der Mitgliedsländer gestellt.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Markus Beckedahl von Netzpolitik.org erkennt in dieser hinsichtlich der zu blockierenden Seiten sehr unbestimmt formulierten Regelung „ein großes Potenzial für willkürliche Sperrungen“. Kommt der Entwurf durch, dann hat die Franz-Josef-Strauß-Tochter seiner Einschätzung nach „geschafft, was Ursula von der Leyen 2009 bereits versucht hatte, aber woran sie damals gescheitert ist: Den Aufbau einer umfassenden Zensur- und Kontrollinfrastruktur auf den Weg zu bringen“.

Dass die für Dienstag angesetzte Abstimmung im Innenausschuss bislang ohne größere Debatte in den Medien stattfindet, dürfte auch damit zu tun haben, dass viele Redaktionen ihre Ressourcen derzeit eher für Fußball-Europameisterschafts-Themen einsetzen, die besser geklickt werden (oder – wie der Spiegel – Kampagnen gegen Donald Trump und einen Brexit fahren).

Dass die Abstimmung im Innenausschuss in deutlich größerem Umfang eine Vorentscheidung ist als bei anderen Richtlinienentwürfen, liegt daran, dass die EU-Kommission die sonst übliche Folgenabschätzung gestrichen hat, weshalb weder ermittelt wird, ob die zugrunde liegenden Vorstellungen wirklich der Realität entsprechen, noch, welche anderen und möglicherweise weniger grundrechtsübergriffigen Möglichkeiten es gäbe, um die Terrorgefahr zu verringern. In diesem Schnellverfahren wird der Entwurf ohne Umweg über eine Debatte im Plenum direkt aus dem Innenausschuss in den „Trilog“ mit der EU-Kommission und dem EU-Rat geschickt.

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Vereinte Nationen: Niemals gab es mehr Flüchtlinge

Sie flohen vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung: Nie zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht. Besonders viele kommen aus Syrien, Afghanistan und Somalia.

evangelisch.de

Die Zahl der Menschen auf der Flucht hat laut den Vereinten Nationen einen Höchststand erreicht. Mehr als 65 Millionen Frauen, Männer und Kinder waren Ende 2015 vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung geflohen, wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf anlässlich des Weltflüchtlingstages am Montag mitteilte.

UN-Hochkommissar: Fluchtursachen bekämpfen

Im Vergleich zu Ende 2014 sei die Zahl der Menschen auf der Flucht um fast sechs Millionen gestiegen. Das UNHCR erklärte den Anstieg mit den vielen anhaltenden Konflikten wie in Syrien und Afghanistan. Die Vereinten Nationen begehen den 20. Juni alljährlich als Gedenktag für Flüchtlinge weltweit.

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Bernd Kammmermeier: Luthers Skandalbuch „Von den Juden und ihren Lügen“

Am vergangenen Freitag lud die Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft (RDF) ins beschauliche Bremen zu einem Vortrag von Bernd Kammermeier über Martin Luthers Skandalbuch: „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543. Zum ersten Mal seit 1937 liegt es wieder als vollständige Ausgabe vor, darüber hinaus erstmals in einer Übertragung ins moderne Hochdeutsch.

Von Fabian Krahe | Richard Dawkins-Foundation

Trotz Konkurrenz durch das Straßenfestival „La Strada“ und die „Lange Nacht der Kirchen“ fanden sich rund 30 Personen im Haus der Wissenschaft in Bremen ein. Zu vielen Bremern gesellten sich im Publikum auch Interessierte aus Braunschweig und Hamburg. Trotz kleiner technischer Probleme begann der Vortrag angenehm pünktlich noch innerhalb des akademischen Viertels. Begleitet von Gesängen aus dem auf der anderen Straßenseite liegenden Bremer Dom stieg Bernd Kammermeier mit einer Audioaufzeichnung Julius Streichers vom NS-Kriegsverbrecherprozess in sein Referat ein: „Wenn Martin Luther heute lebte, dann säße er hier an meiner Stelle als Angeklagter.“ Eine Aussage, die wohl so manchen im Publikum überraschte und nur allzu gut in den Vortrag einzustimmen vermochte.

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Kurden: „Werden Erdogan nie vergessen, was er uns angetan hat“

In der Kleinstadt Yüksekova wurden nach Kämpfen zwischen der türkischen Regierung und der radikalen PKK viele Häuser zerstört und beschädigt. „Welt“-Türkeikorrespondent Deniz Yücel war vor Ort. Quelle: Die Welt
Die Kämpfe zwischen der türkischen Regierung und der radikalen PKK haben Hass entzündet. Städte liegen in Trümmern. Die Schuld geben nun alle der HDP – der Kurden-Partei, die Versöhnung vorantrieb.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Es müssen einige Hundert Tonnen Schutt sein, die in den vergangenen Wochen am Rand des Universitätsgeländes von Diyarbakir abgeworfen wurden. Zwischen den Trümmern und Stahlträgern sind bunte Fetzen zu erkennen: Teppiche, Bettzeug, Möbelstücke. Was hier aufgehäuft liegt, waren Häuser der Altstadt der kurdischen Metropole. Viele sagen: Es ist das Herz von Diyarbakir, das hier begraben wird.

Im Spätsommer wurde in rund einem Dutzend kurdischer Städte die „Selbstverwaltung“ ausgerufen, so auch in Sur, wie die Altstadt von Diyarbakir heißt. Angeleitet von PKK-Kadern aus den Bergen, verschanzten sich Kämpfer der YPS, der militanten Jugendorganisation der PKK, hier hinter Barrikaden und Sprengfallen. Wochenlang wurde geschossen; am 2. Dezember wurde schließlich für die östliche Hälfte von Sur eine Ausgangssperre verhängt. Sie dauerte 102 Tage, in denen Sondereinheiten von Polizei und Armee schwere Waffen einsetzten. Tag und Nacht war der Geschützdonner auch außerhalb der Stadtmauern aus spätrömischer Zeit zu hören – im Rest der Millionenmetropole ging der Alltag währenddessen auf bizarre Weise weiter.

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Zukunft Kirche

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
Wie wird unsere Kirche in zehn Jahren aussehen? Eine Zukunftskonferenz der bayerischen Landeskirche brachte neue Impulse.

Von Heiko Kuschel | evangelisch.de

Die Kirche wird immer kleiner! Rekord-Austrittszahlen bei der katholischen Kirche! Bei der evangelischen aber wohl auch! Und Ostdeutschland – wohl eines der säkulärsten Gebiete der Welt. Christen sind da in der absoluten Minderheit. Und parallel dazu gehen immer mehr Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch Mitarbeitende anderer Berufsgruppen, in den Ruhestand – und es kommt kaum noch was nach. Die Studierendenzahlen für Theologie oder Religionspädagogik haben einen beängstigend niedrigen Stand erreicht. Gut, das war in den 70er Jahren schon mal so, hat sich wieder gegeben, aber wer mag darauf schon bauen?

Da kann man als kirchlicher Mitarbeiter, als kirchliche Mitarbeiterin schon mal ins Grübeln kommen: Wie soll das weitergehen? Wohin wird das führen? Wie wird unsere Kirche in zehn, zwanzig Jahren dastehen? Und durchaus auch die sehr persönlich-existentielle Frage: Wird diese Kirche mein Gehalt, meine Rente noch zahlen können?

Eine mögliche Reaktion ist es, wie gebannt auf das Problem zu starren und in Depression zu verfallen. „Das bringt doch alles eh nix mehr. Die Kirche geht den Bach runter. In ein paar Jahren sperren wir hier zu.“ Vielleicht werden noch ein paar Arbeitsgruppen gegründet, die irgendwas bewirken sollen, und die dann nach drei Jahren einfach vergessen, den nächsten Besprechungstermin auszumachen und keiner merkt’s.

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Deutschland ist östlicher, nördlicher und protestantischer geworden

Glückwunsch, Berlin! Der Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen nimmt am 20.6.1991 die Glückwünsche von Abgeordneten entgegen….Foto: Tim Brakemeier/dpa
Der Streit um die Bundeshauptstadt war vor 25 Jahren auch einer um die Deutungshoheit – die bis dahin vom deutschen Westen und Süden geprägt war.

Von Gerd Appenzeller | DER TAGESSPIEGEL

Nein, um die Hauptstadt ging es nicht, heute vor 25 Jahren im Bundestag in Bonn, in dessen provisorischem Quartier im alten Wasserwerk.

Berlin als Hauptstadt war festgeschrieben im Vertrag über die Deutsche Einheit, in Kraft getreten am 3. Oktober 1990. Am 20. Juni 1991 ging es um mehr. Es ging darum, ob dieser Begriff Hauptstadt eine dekorative, aber lediglich repräsentative Hülle bleiben würde, oder das Gefäß für alles werden, was die entscheidenden Funktionen einer Hauptstadt in einem demokratischen Staat ausmacht: Wo tagt das Parlament, wo arbeitet der Bundeskanzler, wo die Ministerien.

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Austria: Araber wollen Wahl des neuen IGGiÖ-Präsidenten anfechten

Olgun als neuer IGGiÖ-Präsident gewählt / Bild: APA/IGGIÖ
Der 28-jährige Ibrahim Olgun wurde zu neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich gewählt. Der Vorsitzende der Arabischen Kultusgemeinde ortet eine „undemokratische, ungesetzliche Wahl“.

Die Presse.com

Zu heftigen internen Turbulenzen hat am Sonntag die Wahl des 28-jährigen Theologen Ibrahim Olgun zum neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) geführt. Hassan Mousa, Vorsitzender der Arabischen Kultusgemeinde in Österreich und Mitglied des Schurarates der IGGiÖ, spricht von einer „undemokratischen, gesetzeswidrigen Wahl“ und will sie beim Bundeskanzleramt als oberste Behörde anfechten.

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Im Paradies warteten auch zarte Jünglinge

Heute ein weitgehend homophobes Milieu: Muslime beten in einer Moschee in Kairo
Der arabischen Welt war über Jahrhunderte vollkommen egal, ob jemand homo- oder heterosexuell war. Heute ist das vollkommen anders. Wie kam es zum Schwulenhass der modernen islamischen Extremisten?

Von Eva Marie Kogel | DIE WELT

Der Imam kam aus dem Staunen nicht heraus. Im Jahr 1826 war der Ägypter Rifa al-Tahtawi für einen Studienaufenthalt nach Paris gereist. Die Regierung in Kairo hatte ihn gesandt mit dem Auftrag, die französische Sprache und alles Wissenswerte über den Westen zu erforschen. Al-Tahtawi schickte seitenweise Berichte in die Heimat, die man dort mit großer Aufmerksamkeit las. Denn der Imam wunderte sich über allerlei – das seltsame Essen, den unter Europäern verbreiteten Hang zur Pünktlichkeit und die Tatsache, „dass man Philosophen hier mehr glauben schenkt als Propheten“.

Am allermeisten aber verblüffte den Korangelehrten der Sex der Europäer: „Sie haben keinerlei Neigung zur Knabenliebe“, schrieb er aufgeregt nach Hause. „Dies ist eine Regung, die sie nicht kennen und die ihrer Moral zutiefst widerstrebt.“ Mehr noch: „Die Franzosen halten den gleichgeschlechtlichen Akt für eine der widerwärtigsten Obszönitäten.“ Das kannte al-Tahtawi von zu Hause anders. Ein Jahrtausend lang war die islamische Welt extrem schwulenfreundlich.

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Erz-Apostel Schick: „Eine Schwangerschaft reicht nicht“

FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
Der Papst erklärt die meisten kirchlichen Ehen für ungültig – was denken deutsche Geistliche darüber? Bambergs Erzbischof Ludwig Schick begründet, warum er manche Paare lieber nicht traut.

Interview von Oliver Das Gupta | Süddeutsche.de

Von „Schnellschussehen“ hat Papst Franziskus in der vergangenen Woche gesprochen, und eine „Kultur der Vorläufigkeit“ bei jungen Verheirateten kritisiert. Wie bewerten katholische Geistliche hierzulande diese Äußerungen aus Rom? Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, ist nicht nur über seinen Twitter-Account nah dran an seinen Gläubigen – im Gespräch erklärt der 66-Jährige, warum es sinnvoll sein kann, dass Paare mit Kindern ohne Trauschein zusammenleben.

SZ: Herr Erzbischof, haben Sie schon ungültige Ehen geschlossen?

Ludwig Schick: Soweit mir bekannt ist, wurden zwei Ehen, die ich getraut habe, von einem kirchlichen Gericht später für ungültig erklärt. Also habe ich „ungültige Ehen geschlossen“.

Papst Franziskus hält ziemlich viele kirchlich geschlossene Ehen für ungültig. Was sagen Sie zu seinem Befund?

Dieses Phänomen gibt es leider in der Welt. Aber für katholische Trauungen in Deutschland trifft das in den letzten 30 bis 40 Jahren sicherlich nicht so häufig zu. Es gibt ja neben der liturgischen Zeremonie vorher intensive Gespräche zur Ehevorbereitung, sodass die Trauworte und die innere Haltung meist übereinstimmen.

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Humans Weren’t the Only Cause of the Woolly Mammoth’s Extinction

 Woolly mammoths (Mammuthus primigenius) in a late Pleistocene landscape in northern Spain. (Information according to the caption of the same image in Alan Turner (2004) National Geographic Prehistoric Mammals, Washington, D.C.: National Geographic. Image: Wikimedia Commons
Woolly mammoths (Mammuthus primigenius) in a late Pleistocene landscape in northern Spain. (Information according to the caption of the same image in Alan Turner (2004) National Geographic Prehistoric Mammals, Washington, D.C.: National Geographic. Image: Wikimedia Commons
A long-held theory about why great beasts like the woolly mammoth or saber-toothed tiger went extinct is the overkill hypothesis, which argues that early human predation took out the giant mammals roaming the Earth during the Late Pleistocene period. But new research suggests the mammals‘ demise isn’t entirely on our distant ancestors’ shoulders after all.

By Steve Huff | MOTHERBOARD

Research from a multinational team of scientists studying the vanishing of large mammals (the study team focused on animals weighing 100 pounds or more) from South America indicates that an unfortunate collision between rapid climate warming and the expansion of humans drove the creatures out of existence.

The study, recently published in the journal Science Advances, used genetic data and carbon-dated bone samples to determine that a striking number of animals had died around the same time period, about 12,300 years ago. Humans had arrived around 3,000 years before the mass deaths and apparently lived for a time in a relatively balanced existence with the great animals.

It was only when a sudden and rapid warming period caused changes in plant growth and rainfall around the world that notable extinctions occurred. The research suggests these major climate shifts and hungry, predatory humans combined to spell the end.

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