Indogermanen: Unsere Urahnen sprachen gegendertes Semitisch


Dieses 4000 Jahre alte Skelett, das 2004 im niederbayerischen Altdorf gefunden wurde, gehörte möglicherweise einem frühen indogermanischen Einwanderer der ersten Welle aus dem Osten Foto: picture-alliance / dpa/ Armin Weigel
Drei Milliarden Menschen sprechen eine der 300 indogermanischen Sprachen. Deutsch gehört dazu. Forscher sammeln, was wir über den Ursprung der Sprachfamilie vor 7000 Jahren wissen. Es ist verstörend.

Von Matthias Heine | DIE WELT

Oh Schreck, vor 7000 Jahren war Gender Mainstreaming schon Alltag in der prähistorischen Steppe. Die Ur-Indogermanen kannten in der Frühzeit nur zwei grammatische Geschlechter: Ein Genus commune, also eine Art Unisex-Form statt unseres Maskulinum und Femininum, und ein Neutrum. Sprachlich drückten sie also nicht den Gegensatz männlich/weiblich aus, sondern nur den zwischen Belebtem und Unbelebtem.

Männliche Anführer auf Pferden

Die Mehrheit aller Forscher geht heute davon aus, dass sich das grammatische Femininum erst am Ende der gemeinsprachlichen Zeit entwickelt habe, kurz bevor das Proto-Indogermanische sich in verschiedene Sprachen aufzuspalten begann. Das Fehlen einer Männlich-Weiblich-Unterscheidung sollte aber nicht mit einer geschlechtergerechten Sprache verwechselt werden. Die Abwesenheit des Femininums war wohl eher Ausdruck der Geringschätzung der Frau: Die ur-indogermanische Kultur war von männlichen Anführern beherrscht, während ihre Vorgängerkultur in Europa als matriachalisch und egalitär gilt.

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