Atheismus: Der Feind fehlt


Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (Deutschlandradio / Michael Borgers)
In Italien ist die katholische Kirche noch immer einflussreich, aber die Zahl der Gläubigen geht zurück. Die organisierten und politisch aktiven Atheisten werden allerdings ebenfalls weniger. Radikale Kirchenfeindlichkeit kommt nicht mehr gut an, mancher atheistische Kirchenkritiker ist zum Papstfan geworden. Es bilden sich überraschende Allianzen.

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Ich denke, dass es in diesem Land leider immer noch unerlässlich ist, über bestimmte Anomalien nachzudenken, die typisch für Italien sind und die wir bekämpfen. Das Kruzifix in den Schulklassen ist ein Unding, denn unsere Verfassung ist laizistisch. Auch die Pflichtlehrstunde Religion gehört abgeschafft, unterrichtet doch ein Lehrer, der nicht vom Staat sondern vom Bischof ernannt wird“, sagt Adele Orioli. Wenn man sie auf den Einfluss der katholischen Kirche in Italien anspricht, ist die junge blonde Frau nur schwer zu stoppen. Dass sie von den Medien immer wieder gern als die „ungläubige Kreuzritterin“ genannt wird, ist angesichts ihres kämpferisch-laizistischen Auftretens leicht nachzuvollziehen: „Sobald einem Bischof der jeweilige Religionslehrer nicht mehr passt, weil der zum Beispiel etwas unterrichtet, was der kirchlichen Doktrin auch nur ein bisschen widerspricht, kuschen der Staat und das Bildungsministerium. Ach, wie viele konfessionelle Anomalien gibt es da in Italien!“

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