Grabeskirche Jesu: Hasskirche mit Gottesliebe


Von Berthold Werner CC BY-SA 3.0, wikimedia.org
Die Grabeskirche in Jerusalem ist der heiligste Ort des Christentums. Sechs Konfessionen streiten deshalb um jeden Quadratzentimeter. Die Renovierung soll Harmonie stiften – eine trügerische Hoffnung.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Als der Fußtritt Andrew Hayworth in den Bauch traf, vergaß er alle seine guten Vorsätze: „Ich hätte zurückschlagen müssen“, sagt er. Der Ärger steht ihm eine Woche nach dem Zwischenfall ins Gesicht geschrieben. Und was ist mit der Aufforderung Jesu, einem Angreifer die andere Wange hinzuhalten? „Ach ja, vielleicht habe ich es deswegen nicht getan“, antwortet er beiläufig. Was überrascht, schließlich ist der aus Ghana stammende Diakon katholischer Hauptmesner der Grabeskirche in Jerusalem. Aber im wichtigsten Gotteshaus des Christentums gibt es armenische, griechisch-orthodoxe, syrisch-orthodoxe, koptische und äthiopische Mönche und Franziskaner. Und die ignorieren dort seit Jahrhunderten die Leitsätze ihres Glaubens und schlagen aufeinander ein, wie jener armenische Mönch, der Hayworth vor einer Woche mit einer Eisenstange angriff.

Die Kirche, unter der Jesus begraben liegen soll, ist der heiligste Ort des Christentums – und Symbol für die Spaltung der Glaubensgemeinschaften. Für jene Eifersucht und Machtgier, die seit 2000 Jahren zwischen den Strömungen wuchert. Nun aber sollte aus dem Gotteshaus des Hasses ein Ort der Harmonie werden. Mithilfe einer Renovierung der Kirche. Sie soll ein Symbol werden für die Kooperation der drei großen Kirchen – den Griechen, den Katholiken und den Armeniern. Zusammen mit Jordaniens König Abdullah II. haben sie rund drei Millionen Euro bereitgestellt für die Arbeiten an der Kirche, deren Grundstein 325 nach Christus vom römischen Kaiser Konstantin gelegt worden war.

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