Erlebtes und das Wissen darüber


Michael Pauen Die Natur des Geistes Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016 ISBN: 9783100024084
Michael Pauen
Die Natur des Geistes
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016
ISBN: 9783100024084

Sich mit der Philosophie des Geistes zu beschäftigen, ist ein undankbares Geschäft. Denn mit Hilfe des Geistes über den Geist nachzudenken, ähnelt dem Versuch, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Baron Münchhausen soll das angeblich gelungen sein, und so versucht der Philosoph Michael Pauen, es ihm gleichzutun.

Von Eckart Löhr | Spektrum.de

Wir glauben im Allgemeinen, dass wir zu unseren mentalen oder phänomenalen (auf die Wesenserscheinung der Dinge bezogenen) Erfahrungen einen privilegierten Zugang haben und diese dadurch über einen erkenntnistheoretischen Sonderstatus verfügen. Das heißt, wir sind davon überzeugt, Schmerzen zu haben, sobald wir sie fühlen – und somit der Ansicht, mit dieser phänomenalen Erfahrung auch schon etwas über ihren Wahrheitsgehalt ausgesagt zu haben. Diese Gleichsetzung von mentaler Erfahrung und dem Wissen darüber hält der Autor für historisch gewachsen und ungerechtfertigt, und er widerspricht ihr auf gut 300 Seiten nachdrücklich.

Fehleranfällige Introspektion

Pauen plädiert für eine Trennung der beiden, wobei er einige interessante Gedankenexperimente zu Hilfe nimmt. Das Wissen um eine phänomenale Erfahrung, die so genannte Introspektion, basiert ihm zufolge „auf einer ganzen Reihe von kognitiven Fähigkeiten, insbesondere setzt es Gedächtnis, Sprache und Selbstbewusstsein voraus. (…) Da die zu Grunde liegenden kognitiven Operationen prinzipiell fehlerbehaftet sind, muss man davon ausgehen, dass introspektive Überzeugungen falsch sein können.“

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