Slavoj Zizek: Gedanken zum Brexit – Unordnung unter dem Himmel


Slavoj Žižek bei der Vorstellung seines Buches „Blasphemische Gedanken“ auf der Leipziger Buchmesse 2015. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/Amrei-Marie
Europa hängt fest zwischen Brüsseler Trägheit und brennendem Nationalismus – der Brexit ist nur Symptom. Doch er könnte der Weckruf für ein neues, echtes, paneuropäischen Projekt sein.

Von Slavoj Žižek | SpON

Freud war kein ganz junger Mann mehr, als er mit der berühmt gewordenen Frage: „Was will das Weib?“ zu erkennen gab, dass die weibliche Sexualität ihm Rätsel aufgab. Eine ähnliche Ratlosigkeit befällt uns heute angesichts des Brexit-Referendums: Was will Europa?

Worum es bei diesem Referendum wirklich geht, wird klar, wenn wir es in einen größeren historischen Kontext einordnen. Sowohl in West- als auch in Osteuropa sind Anzeichen für eine langfristige Neuordnung des politischen Raums zu erkennen. Bis vor Kurzem war dieser im Wesentlichen geprägt von der Gegenüberstellung zweier großer Parteien: einer rechts der Mitte (Christdemokraten, Liberalkonservative, „Volkspartei“), einer links der Mitte (Sozialisten, Sozialdemokraten …).

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