Warum eine Juristin mit Kopftuch den Freistaat Bayern verklagt


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Aqilah Sandhu hat ihr Erstes Staatsexamen überdurchschnittlich gut abgeschlossen. Aber die Augsburgerin bekommt keine Ausbildung wie alle anderen.

Von Dunja Ramadan | Süddeutsche.de

Als am 21. Juli 2014 eine E-Mail vom Oberlandesgericht München (OLG) in ihrem Posteingang auftaucht, ist Aqilah Sandhu für einen kurzen Moment sprachlos. In Sekundenschnelle ruft Sandhu ihre innere Gesetzessammlung ab. Sie findet nichts, keine Rechtsgrundlage, keine Rechtfertigung. Sandhu denkt an ein Missverständnis. Sie will keine Probleme machen. Sie will nur eins: eine Ausbildung wie alle anderen.

Sandhu blickt noch einmal auf die Mail am Bildschirm. Das OLG schreibt, dass sie nur unter einer Auflage in den juristischen Vorbereitungsdienst aufgenommen wird. Während ihres Referendariats dürfe sie keine Zeugen vernehmen, keine richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Aufgaben übernehmen. Acht Monate Zuschauerbank statt Richtertisch. Die Begründung: „Kleidungsstücke, Symbole oder andere Merkmale“ können das „Vertrauen in die religiös-weltanschauliche Neutralität der Dienstausübung beeinträchtigen“. Aqilah Sandhu ist Muslimin. Auf ihrem Bewerbungsbild trägt sie ein Kopftuch.

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