Gleichheit kommt von Glauben


Impressionen aus Olten: Blick vom Stadthaus Richtung katholische Kirche. (Bild: Annick Ramp / NZZ)
Angeblich liberale und offene Zeitgenossen sehen einen Gegensatz zwischen Aufklärung und christlichem Glauben. Sie irren. Und machen damit auch den Muslimen das Leben schwer. Ein Vorschlag zur Güte.

Von Martin Grichting | Neue Zürcher Zeitung

Die Widersprüche sind nicht länger zu übersehen: Auf der einen Seite schneidet sich die Schweizer Bevölkerung zusehends von ihren christlichen Wurzeln ab. Die neuesten statistischen Meldungen aus Zürich bestätigen hier jedenfalls einen langjährigen Trend. Der Anteil der Kirchenmitglieder an der Kantonsbevölkerung hat sich 2015 wiederum um ein gutes Prozent reduziert. Waren in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch über 95 Prozent reformiert oder katholisch, so sind es vierzig Jahre später noch 57 Prozent. Wenn man den Sinkflug mit dem Lineal weiterzieht, wird 2023 die 50-Prozent-Marke unterschritten werden.

Andererseits haben zwei aus religiösen Gründen den Handschlag verweigernde Halbwüchsige führenden Politikern die Aussage entlockt, die Schweiz sei ein christliches Land. Das scheint die These des Grossimams von Bordeaux, Tareq Oubrou, zu bestätigen, dass die neuerdings offensiv vertretene ethnisch-religiöse Sichtbarkeit des Islam in Europa zu einer Welle der Rechristianisierung führe.

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