Papst-Entschuldigung reicht Homosexuellen nicht


Papst Franziskus (Bild: AP)
Papst Franz (Bild: AP)
Papst Franziskus fordert die Kirche dazu auf, sich für die Diskriminierung von Homosexuellen zu entschuldigen. Vielen Kritikern reicht die Geste allerdings nicht aus.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Zwei „apokalyptische Bestien“ bedrohen heutzutage die Menschheit: der Götzendienst westlicher Freiheit und der islamische Fanatismus. Im 21. Jahrhundert führen Homosexuelle und der IS das Schreckensregiment, mit dem der Nationalsozialismus und der Kommunismus das vorige Jahrhundert überzogen haben. Diese haarsträubenden Parolen verbreitet nicht irgendein Einpeitscher, sondern einer der höchsten katholischen Würdenträger, Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea in Westafrika. Von manchen wird der 71-Jährige als Anwärter auf das Papstamt gehandelt.
Sarahs Schwadronieren auf der Familiensynode in Rom 2015 steht in krassem Gegensatz zu dem, was Papst Franziskus in der jüngsten seiner berühmt-berüchtigten „fliegenden Pressekonferenzen“ auf der Rückreise von Armenien gesagt hat: Die Kirche sollte sich für die Ausgrenzung von Homosexuellen entschuldigen. Franziskus variierte dabei den inzwischen sprichwörtlichen Satz aus seinem ersten Amtsjahr: Wenn jemand homosexuell veranlagt ist, guten Willens und auf der Suche nach Gott – „Wer sind wir, über ihn zu urteilen?“ 2013 hatte der Papst das noch in der Ich-Form ausgedrückt. Jetzt dehnte er seine persönliche Haltung des Respekts und der Offenheit auf die Kirche aus.

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