Klimapolitik im Alltag: Wunsch und Wirklichkeit


© Matthias Lüdecke Wenn es nur so einfach wäre: urbanes Gärtnern auf dem früheren Tempelhofer Flugfeld in Berlin.
Wenn Klimapolitik den Alltag erreicht, gibt es Zoff. Die Fleischproduktion soll halbiert werden. Doch wie kann das den Bauern gelingen? Sie arbeiten für Märkte, nicht für das Umweltministerium. Vom Aufeinanderprallen zweier Welten.

Von Jan Grossarth | Frankfurter Allgemeine

Aus akademischen und diversen Vogelperspektiven betrachtet, gibt es keinen Zweifel daran: Der Fleischkonsum muss stark zurückgehen, die Tierhaltung sich verändern. Klimaschützer fordern das, weil Kühe und Intensivlandwirtschaft zu viele Treibhausgase ausstießen. Die Bundesregierung wünscht daher, dass schon die kommende Generation ihren Fleischkonsum wenigstens halbiert, wie das Umweltministerium in dieser Woche im „Klimaschutzplan 2050“ festschrieb.

Ökologen sagen, alle müssten weniger Fleisch essen, weil die Artenvielfalt hier und in Brasilien wegen des Massenanbaus von Mais und Soja als Tierfutter schwinde. Mediziner sagen es und Ernährungswissenschaftler. Landräte und Bürgerinitiativen, denen es stinkt, sagen es, ebenso Pfarrer in Sorge um die Schöpfung, Ethiker und Tierverhaltensforscher, die nun gut wissen, wie sensibel und intelligent Tiere sind, stimmen ein. Der lesende Teil der Bevölkerung hat entschieden, das neue Buch des Försters Peter Wohlleben auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste zu hieven: „Das Seelenleben der Tiere.“

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